Iran kündigt neue Atomgespräche mit USA für kommende Woche an
Nach einer weiteren indirekten Verhandlungsrunde zwischen Vertretern aus Washington und Teheran hat der Iran neue Gespräche für die kommende Woche angekündigt. Die dritte Runde dieser Art endete in Genf erneut ohne konkreten Durchbruch, doch die iranische Seite zeigt sich optimistisch. Gleichzeitig schwelt die Kriegsgefahr weiter, da US-Präsident Donald Trump der iranischen Führung ein Ultimatum bis Anfang März gestellt hat.
Technische Gespräche in Wien geplant
Irans Außenminister Abbas Araghtschi erklärte vor Reportern, dass ab Montag in Wien, dem Sitz der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), "technische Gespräche" stattfinden sollen. Sollten diese Verhandlungen tatsächlich zustande kommen, könnten dort Details eines möglichen Atomabkommens ausgehandelt werden. Araghtschi bezeichnete die jüngste Runde in Genf als "die beste und ernsthafteste Runde".
Ein US-Beamter äußerte sich gegenüber dem US-Portal "Axios" lediglich zurückhaltend positiv. Das "Wall Street Journal" berichtete nach Abschluss der Verhandlungen, dass beide Seiten in wichtigen Fragen "noch weit auseinander" liegen. Bei den Treffen geht es vor allem um das umstrittene iranische Atomprogramm und die gegenseitigen Forderungen.
Gegensätzliche Positionen und Trumps Ultimatum
Die Vereinigten Staaten wollen verhindern, dass die Führung in Teheran Atomwaffen entwickelt. Die iranische Regierung bestreitet entsprechende Absichten, zeigt sich jedoch grundsätzlich bereit, ihr Nuklearprogramm zu begrenzen. Im Gegenzug fordert Teheran die Aufhebung harter Wirtschaftssanktionen, die das Land seit Jahren belasten.
Omans Außenminister Badr al-Bussaidi, der zwischen beiden Seiten vermittelt, bestätigte die Ankündigung neuer Gespräche für die kommende Woche. Zunächst sollen jedoch Konsultationen mit den Regierungen in den Hauptstädten und die Vorbereitung einiger Dokumente erfolgen, was nach Angaben von Außenminister Araghtschi Zeit benötigen wird.
Ob es tatsächlich zu einer weiteren Verhandlungsrunde kommen wird, bleibt ungewiss. US-Präsident Donald Trump hatte der iranischen Staatsführung vor einer Woche ein Ultimatum bis Anfang März gestellt: "Entweder wir erzielen eine Einigung oder es wird für sie bedauerlich". Trump hat mit militärischen Maßnahmen gedroht, sollte keine Einigung erzielt werden.
Militärische Optionen im Raum
Der US-Sender "ABC News" meldete, dass Admiral Brad Cooper, der Chef des US-Regionalkommandos für den Nahen Osten (Centcom), Trump am Donnerstag - also am Tag der Verhandlungen in Genf - über militärische Optionen unterrichtet habe. Der Sender berief sich auf eine Trump nahestehende Person. Auch "Axios" bestätigte diese Information.
Dem Bericht zufolge nahm auch US-Generalstabschef Dan Caine dem Treffen bei. Caine hatte Trump und dessen Team Medienberichten zufolge erst kürzlich vor den Risiken eines Militäreinsatzes im Iran gewarnt. Er sehe insbesondere die Gefahr, in einen langwierigen Konflikt verwickelt zu werden.
Vance: Keine Verwicklung in langwierigen Krieg
US-Vizepräsident JD Vance äußerte sich in einem Interview mit der "Washington Post" anders. Er befürchte nicht, dass mögliche US-Angriffe auf den Iran sein Land in einen jahrelangen Krieg im Nahen Osten verwickeln könnten. Vance gab der Zeitung zufolge am Donnerstag an, nicht zu wissen, wie sich Trump entscheiden werde.
Als Optionen beschrieb er sowohl Militärschläge "um sicherzustellen, dass der Iran keine Atomwaffe bekommt" als auch eine diplomatische Lösung. "Die Vorstellung, dass wir jahrelang und ohne absehbares Ende in einem Krieg im Nahen Osten sein werden - das wird auf keinen Fall passieren", sagte Vance.
Massive US-Militärpräsenz in der Region
Das US-Militär hat inzwischen eine massive Streitmacht in den Nahen Osten verlegt. Dazu gehören zwei Flugzeugträger, weitere Kriegsschiffe, Dutzende Kampfjets sowie Flugabwehrsysteme und Militärflugzeuge. Auch Maschinen zur Luftbetankung, die bei intensiven Bombardierungen über große Distanzen benötigt werden, sind vor Ort.
US-Medien zufolge handelt es sich um den größten Aufmarsch von US-Luftstreitkräften in der Region seit dem Irak-Krieg 2003. Diese militärische Präsenz unterstreicht die Ernsthaftigkeit der Drohungen aus Washington.
Irans Forderungen und Ablehnungen
Irans Delegation wies in den jüngsten indirekten Verhandlungen offiziell mehrere US-Forderungen zurück, wie iranische Staatsmedien berichteten. Das Land sei nicht bereit, seine mehr als 400 Kilogramm hochangereichertes Uran ins Ausland zu überführen.
Die Regierung bestehe außerdem auf ihrem Recht, Kernenergie friedlich nutzen zu dürfen und dafür auch die Brennstoffproduktion zu erhalten. Der Iran fordert zudem die Aufhebung der harten UN-Sanktionen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Irna berichtete.
Die Verhandlungsführer auf der US-Seite, der Sondergesandte Steve Witkoff sowie Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, hätten bei den Verhandlungen gesagt, dass der Iran seine drei Atomstandorte Natans, Fordo und Isfahan zerstören und das verbleibende angereicherte Uran an die USA liefern müsse. Jedes Atomabkommen müsse zudem "für immer gelten", hieß es.
Experten warnen vor Eskalation
Der Iran hat gewarnt, dass er jeden Angriff, auch wenn er noch so begrenzt sein sollte, als Auslöser für eine umfassende Reaktion betrachten werde. "Dies könnte die letzte Chance sein, eine Einigung zu erzielen", zitierte das "Wall Street Journal" Saeid Golkar, Experte für Irans Militär an der University of Tennessee.
"Gelingt dies nicht, werden die USA als Nächstes mit militärischen Mitteln klären, was sie mit diplomatischen Mitteln nicht lösen können." Die kommenden Tage werden zeigen, ob die diplomatischen Bemühungen Erfolg haben oder ob die Region vor einer weiteren militärischen Eskalation steht.



