Trotz tiefer Skepsis: Iran erkennt Chancen in Verhandlungen mit den USA
Iran sieht Chancen in Verhandlungen mit USA trotz Skepsis

Trotz tiefer Skepsis: Iran erkennt Chancen in Verhandlungen mit den USA

In der Schweizer Stadt Genf setzen die Vereinigten Staaten und der Iran ihre indirekten Verhandlungen fort, die unter Vermittlung des Golfstaats Oman stattfinden. Die Gespräche, die in der omanischen Botschaft abgehalten werden, konzentrieren sich hauptsächlich auf das umstrittene iranische Atomprogramm. Die Regierung in Teheran zeigt sich dabei vorsichtig optimistisch, während viele Iranerinnen und Iraner einen möglichen Deal mit großer Skepsis betrachten.

Verhandlungen unter schwierigen Bedingungen

Die Delegationen beider Staaten treffen sich unter Bedingungen tiefen gegenseitigen Misstrauens. Irans Außenminister Abbas Araghtschi und der US-Sondergesandte Steve Witkoff führen die indirekten Gespräche, bei denen US-Präsident Donald Trump seine Beteiligung bestätigte. „Man werde sehen, was passieren könne“, äußerte Trump gegenüber Journalisten. Die USA wollen verhindern, dass Iran in den Besitz von Atomwaffen gelangt, während Teheran im Gegenzug für eine Begrenzung seines Nuklearprogramms die Aufhebung harter Wirtschaftssanktionen fordert.

Irans Außenamtssprecher Ismail Baghai betonte die schwierige Ausgangslage: „Wir verhandeln unter Bedingungen vollständiger Skepsis und des Misstrauens. Wir haben frühere Erfahrungen, und es ist uns unter keinen Umständen erlaubt, diese Erfahrungen auch nur für einen Moment aus dem Blick zu verlieren.“ Diese Aussage bezieht sich auf den Krieg im vergangenen Jahr, den Israel kurz vor Beginn einer früheren Verhandlungsrunde begonnen hatte.

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Innenpolitischer Druck und kritische Protestbewegung

Die Gespräche finden vor dem Hintergrund massiver innenpolitischer Spannungen im Iran statt. Nachdem der iranische Staatsapparat im Januar Massenproteste brutal niederschlug, drohte Trump mit militärischem Eingreifen und verstärkte die US-Militärpräsenz in der Region. Inzwischen haben die USA einen zweiten Flugzeugträger entsandt.

Seit den Januarprotesten steht Irans Führung unter dem stärksten innenpolitischen Druck seit Jahrzehnten. Am vergangenen Wochenende demonstrierten rund eine Million Menschen weltweit für Freiheit im Iran. Die Protestbewegung, zu der Reza Pahlavi – der im Exil lebende Sohn des 1979 gestürzten Schahs – aufgerufen hatte, betrachtet einen möglichen Deal mit der aktuellen Führung äußerst kritisch.

Mögliche Kooperationsfelder und militärische Drohkulisse

Überraschend benannte Irans Vizeaußenminister Hamid Ghanbari vor der zweiten Verhandlungsrunde mögliche Kooperationsfelder mit den USA. Ein Entwurf berücksichtige „gemeinsame Interessen in den Bereichen Öl und Gas“, mögliche Bergbauinvestitionen und Flugzeugkäufe. Ghanbari betonte, dass sich eine Kooperation auf wirtschaftliche Bereiche mit geringer innenpolitischer Sensibilität konzentrieren müsse.

Parallel zu den diplomatischen Bemühungen kündigte die Marine der Revolutionsgarden, Irans Elitestreitmacht, ein Manöver in der strategisch wichtigen Straße von Hormus an. Diese etwa 55 Kilometer breite Meerenge zwischen Iran und Oman gilt als eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den weltweiten Ölexport. Iranische Offiziere hatten in der Vergangenheit damit gedroht, sie jederzeit blockieren zu können.

Technische Gespräche und historischer Kontext

Am Montag traf sich Außenminister Araghtschi mit Rafael Grossi, dem Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). Die Beziehungen zwischen Teheran und der IAEA hatten sich nach Israels Krieg gegen Iran deutlich verschlechtert, wobei der Iran den Zugang der Atomwächter einschränkte. Erst im September 2025 einigte sich Teheran unter ägyptischer Vermittlung auf die Wiederaufnahme von Kontrollen.

Der neue Dialog zwischen Teheran und Washington erfolgt unter Vermittlung des Omans, dessen Außenminister Badr al-Bussaidi bereits im vergangenen Jahr Gespräche vermittelte. Auch die Schweiz wird von der iranischen Regierung als neutraler Vermittler geschätzt.

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Historisch betrachtet hatte sich Iran bereits 2015 im Wiener Atomvertrag zur Beschränkung seines Atomprogramms verpflichtet, im Gegenzug für Sanktionsaufhebungen. Trump, dem dieses Abkommen seines Vorgängers Barack Obama stets ein Dorn im Auge war, kündigte es 2018 einseitig auf und verhängte neue Sanktionen. In der Folge hielt sich auch die iranische Führung nicht mehr an die Auflagen.

Baghai betonte abschließend die Dringlichkeit der aktuellen Verhandlungen: „Zeit sei nun von entscheidender Bedeutung. Es gebe keinen Nutzen darin, die Verhandlungen zu verlängern.“ Trump bekräftigte seinerseits, dass der Iran ein Abkommen schließen wolle und die Folgen eines Scheiterns fürchten müsse.