Ali Laridschani: Irans neuer starker Mann bewundert deutschen Philosophen Kant
Irans Machthaber Laridschani bewundert deutschen Philosophen Kant

Irans neuer starker Mann: Ali Laridschani übernimmt nach Chameneis Tod die Führung

Nach der Tötung des obersten geistlichen Führers Ali Chamenei durch israelische und amerikanische Truppen hat Ali Laridschani die Kontrolle über die islamische Republik Iran übernommen. Der 67-jährige Chef des Obersten Nationalen Sicherheitsrats gilt als inoffizieller Nachfolger Chameneis und verfügt bereits jetzt über mehr Macht als der offizielle Präsident Massud Peseschkian.

Vom Sicherheitschef zum Übergangsmachthaber

Laridschani, der zwischen 2005 und 2007 bereits einmal den Vorsitz des Sicherheitsrats innehatte, übernahm diese Position erneut während des Zwölf-Tage-Krieges zwischen Israel und dem Iran im vergangenen Juni. In seiner neuen Rolle koordiniert er Armee und Sicherheitskräfte und ist für die Verteidigung des Landes verantwortlich. Seine erste öffentliche Ansage ließ keinen Zweifel an seiner Haltung: „Wir werden nicht mit den USA verhandeln.“

Der Mann, der in der Öffentlichkeit gelegentlich mit einer markanten „Ray Ban“-Pilotenbrille auftritt, ist tief im iranischen Machtapparat verwurzelt. Er entstammt einer einflussreichen schiitischen Familie – sein Vater Mirza Hashem Amoli arbeitete als Großayatollah mit Chamenei zusammen, und auch seine Brüder bekleiden wichtige Regierungsämter.

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Westliche Bildung und brutale Repression

Laridschanis Werdegang zeigt eine interessante Ambivalenz: Nach seinem Dienst in der Armee während des Iran-Irak-Krieges studierte er Mathematik und Informatik, bevor er in westlicher Philosophie promovierte. Seine Doktorarbeit beschäftigte sich ausgerechnet mit dem deutschen Aufklärungsphilosophen Immanuel Kant.

Doch trotz dieser westlichen Ausbildung entwickelte sich Laridschani zu einem Hardliner. Als er die Proteste gegen das Mullah-Regime brutal niederschlagen und Tausende Demonstranten erschießen ließ, setzten die USA ihn auf ihre Sanktionsliste. Diese Repressionsmaßnahmen zogen sogar persönliche Konsequenzen nach sich: Seine Tochter Fatemeh, die als Medizinerin an der Universität von Atlanta forschte, verlor daraufhin ihre Stelle.

Atomverhandlungen und Kriegsvorbereitungen

Laut Berichten der „New York Times“ war Laridschani derjenige, der parallel zu den Atomverhandlungen mit Washington Notfallpläne für einen möglichen Krieg mit den Vereinigten Staaten vorbereitete. Jetzt, da dieser Krieg begonnen hat, steht der neue starke Mann vor der Herausforderung, seine Machtposition zu festigen.

Ein entscheidendes Hindernis könnte sein mangelnder religiöser Rang sein: Als offizieller Nachfolger Chameneis wird er wohl nicht in Frage kommen, da ihm die erforderliche geistliche Autorität fehlt. Dennoch kontrolliert er bereits jetzt die Sicherheitsapparate und damit die eigentlichen Machtzentren des Landes.

Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Entwicklung mit Sorge. Laridschani, der 2015 noch den damaligen deutschen Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel traf, hat sich zu einem unberechenbaren Akteur entwickelt, der trotz seiner Bewunderung für deutsche Philosophie keinerlei Kompromissbereitschaft gegenüber dem Westen zeigt.

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