Diplomatischer Eklat: Israels Außenminister attackiert deutschen Botschafter Seibert
Israelischer Außenminister attackiert deutschen Botschafter Seibert

Diplomatischer Disput zwischen Israel und Deutschland eskaliert

Ein ungewöhnlich scharfer diplomatischer Konflikt hat sich zwischen Israel und Deutschland entwickelt. Israels Außenminister Gideon Sa'ar hat den deutschen Botschafter Steffen Seibert öffentlich attackiert und dabei sogar dessen baldige Ablösung begrüßt.

Der Auslöser: Eine kontroverse Stellungnahme bei X

Der Streit entzündete sich an einer Stellungnahme Seiberts auf der Plattform X. Der deutsche Botschafter hatte darin den Tod eines israelischen Avocadofarmers beklagt, der von der libanesischen Hisbollah-Miliz getötet worden war. Gleichzeitig erwähnte er die mehr als hundert verletzten Israelis in Arad und Dimona durch iranischen Beschuss.

Kritisch wurde jedoch Seiberts Hinweis auf die parallele Gewalteskalation im Westjordanland bewertet. Der Diplomat wies darauf hin, dass im Schatten des Zweifrontenkrieges israelische Siedler nach dem Tod einer der ihren wüten und Angriffe auf Palästinenser immer häufiger und brutaler werden.

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Sa'ars scharfe Reaktion

Daraufhin reagierte Außenminister Sa'ar mit ungewöhnlicher Schärfe. In einer eigenen Nachricht bei X erklärte er, Botschafter Seibert falle es sehr schwer, Angriffe auf Israelis zu verurteilen, ohne gleichzeitig die Palästinenser zu erwähnen. Seine "Obsession" mit jüdischen Siedlern in Judäa und Samaria verhindere sogar eine Verurteilung des Todes eines Juden durch Palästinenser.

"Gut zu wissen, dass bald ein neuer Botschafter kommt", fügte Sa'ar hinzu – eine ungewöhnlich direkte Kritik an einem amtierenden Diplomaten.

Hintergrund: Die geplante Ablösung Seiberts

Tatsächlich wird Steffen Seibert, der ehemalige Regierungssprecher von Altkanzlerin Angela Merkel, noch in diesem Jahr planmäßig seinen Posten als deutscher Botschafter in Israel räumen. Sein Nachfolger wird der FDP-Politiker Graf Lambsdorff, der bisher den deutschen Botschafterposten in Moskau innehatte.

Der Zeitpunkt der Kontroverse ist besonders brisant: Sie fällt in die letzten Monate von Seiberts Amtszeit und zeigt die angespannte diplomatische Lage im Nahostkonflikt.

Eskalation der Siedlergewalt im Westjordanland

Die von Seibert angesprochene Gewalt israelischer Siedler gegen Palästinenser hat in den letzten Monaten deutlich zugenommen. Nach palästinensischen Medienberichten griffen Siedler am vergangenen Sonntag erneut Dörfer im besetzten Westjordanland an.

  • Im Umkreis der Städte Dschenin und Nablus wurden Häuser und Fahrzeuge in Brand gesetzt
  • Es entstand erheblicher Sachschaden
  • In einem Dorf südlich von Nablus wurde das Gebäude des Dorfrats angezündet
  • Nach Angaben des Palästinensischen Roten Halbmonds wurden sieben Palästinenser verletzt

Seit Beginn des Gazakriegs vor zweieinhalb Jahren ist die Gewalt israelischer Siedler gegen Palästinenser und deren Besitz deutlich angestiegen. Den israelischen Sicherheitskräften – sowohl Armee als auch Inlandsgeheimdienst Schin Bet – wird regelmäßig vorgeworfen, nicht entschlossen genug gegen dieses Phänomen vorzugehen oder sich sogar auf die Seite der aggressiven Siedler zu stellen.

Israelische Reaktionen auf die Siedlergewalt

Interessanterweise hat auch der israelische Generalstabschef Eyal Zamir die Angriffe radikaler Siedler auf Palästinenser in dieser Woche verurteilt. Er bezeichnete sie als "moralisch und ethisch inakzeptabel".

Der historische Hintergrund des Konflikts ist komplex: Israel hatte im Sechstagekrieg 1967 unter anderem das Westjordanland und Ostjerusalem erobert. Heute leben dort inmitten von etwa drei Millionen Palästinensern rund 700.000 israelische Siedler. Die Palästinenser beanspruchen diese Gebiete für einen eigenen Staat mit Ostjerusalem als Hauptstadt.

Der diplomatische Disput zwischen Sa'ar und Seibert zeigt, wie sensibel die Thematik der Siedlergewalt im deutsch-israelischen Verhältnis ist und wie unterschiedlich die Positionen zu diesem Aspekt des Nahostkonflikts bewertet werden.

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