Luxuswohnungen für Hinterbliebene: Kim Jong-un inszeniert Großzügigkeit
Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un hat in der Hauptstadt Pjöngjang neue Wohnungen für Familien von Soldaten eingeweiht, die im Ukraine-Krieg für Russland gefallen sind. Die feierliche Eröffnung fand am 15. Februar im Hwasong-Bezirk statt, wo der Diktator gemeinsam mit seiner Tochter Kim Ju-ae auftrat.
Propaganda-Show mit emotionalen Worten
In seiner Rede pries Kim die gefallenen Soldaten als „heldenhaften Märtyrer“, die „das Heiligste verteidigt haben, indem sie ihr Wertvollstes opferten“. Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA veröffentlichte Bilder, die Kim gut gelaunt auf dem Sofa einer Wohnung zeigen, wo er die Hand eines vermutlichen Angehörigen hält. Seine Tochter stand dabei im Hintergrund.
Umfangreiche Wohnanlage mit künstlichem See
Der Wohnkomplex umfasst etwa 50 Gebäude für schätzungsweise 2.500 Soldatenfamilien. Ein markantes 35-stöckiges Hochhaus in gestuftem Design dominiert die Anlage. Hinter den Gebäuden wurde laut Satellitendaten innerhalb von nur zwei Monaten ein künstlicher See angelegt, an dessen Ufer die Einweihungsfeier stattfand.
Experten sehen „goldenen Käfig“ und Kontrolle
Korea-Experte Frederic Spohr analysiert: „Die Hinterbliebenen werden nun sehr großzügig kompensiert und es wird ihnen der gesellschaftliche Aufstieg ermöglicht. Eine Wohnung in der Hauptstadt ist ein enormes Privileg.“ Doch er warnt: „Für das Regime hat das Vorgehen auch den Vorteil, dass die Hinterbliebenen nun an einem Ort sind und sie so besser kontrolliert werden können.“ Spohr vermutet Überwachungstechnik in den Gebäuden und spricht von einem „goldenen Käfig“.
Nordkoreas Engagement im Ukraine-Krieg
Die Zahl der im Ukraine-Krieg getöteten oder verwundeten nordkoreanischen Soldaten wird auf insgesamt 6.000 geschätzt. Derzeit befinden sich etwa 10.000 Kampfsoldaten und 1.000 Pioniere in der russischen Region Kursk. Seit Ende 2024 hat Pjöngjang wahrscheinlich über 16.000 Soldaten entsandt.
Kim Jong-un hatte vergangene Woche erklärt, alle Entscheidungen von Russlands Präsident Wladimir Putin „bedingungslos zu unterstützen“. Der KCNA-Bericht zur Wohnungseröffnung erwähnte Russland zwar nicht direkt, doch der Zusammenhang zum Ukraine-Krieg ist offensichtlich.
Risiko für das Kim-Regime
Spohr betont: „Kim ist mit der Entsendung von Soldaten für den Angriffskrieg ein großes Risiko eingegangen. Dass tausende Nordkoreaner in einem weit entfernten Krieg verheizt werden, dürfte großen Unmut und Unverständnis auslösen.“ Die luxuriösen Wohnungen in Pjöngjang dienen somit nicht nur der Versorgung der Hinterbliebenen, sondern auch der Beruhigung der Bevölkerung und der Festigung von Kims Machtposition.



