Schutzlos im Krieg: Zivilisten in Teheran und Beirut ohne Bunker und Vorwarnung
Krieg ohne Schutz: Zivilisten in Teheran und Beirut ohne Bunker

Schutzlos im Krieg: Zivilisten in Teheran und Beirut ohne Bunker und Vorwarnung

Seit zwei Wochen tobt der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran ohne Aussicht auf Deeskalation. Auch den Libanon hat der Konflikt mit voller Wucht erfasst. Nach Angaben nationaler Behörden wurden bereits knapp 1.900 Menschen im Libanon und im Iran getötet, darunter zahlreiche Zivilisten und oft auch Kinder. Die Frage nach dem Schutz der Zivilbevölkerung stellt sich dabei besonders drängend.

Angriffe ohne Vorwarnung im Iran

Ende Februar starteten Israel und die USA Angriffe auf den Iran mit der Begründung, die Bedrohungen durch das iranische Raketen- und Atomprogramm beseitigen zu wollen. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen auf Israel und Ziele in der Golfregion. Vergangene Woche stieg auch die vom Iran unterstützte Hisbollah im Libanon in den Krieg ein, woraufhin Israel mit massiven Gegenangriffen reagierte.

Nach israelischen Angaben gelten die Angriffe militärischen Zielen, der Infrastruktur der Hisbollah im Libanon oder der iranischen Führung in Teheran. Sogenannte Evakuierungsaufrufe der israelischen Armee sollen hohe Opferzahlen verhindern, doch realistisch ist das weder im Libanon noch im Iran.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Überlebensstrategien in Teheran

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation wurden im Iran bisher 1.255 Menschen getötet und mehr als 15.100 verletzt. Viele Menschen befinden sich innerhalb des Landes auf der Flucht. Im Gegensatz zu vielen Gegenden in Israel gibt es hier weder Luftalarm noch Schutzräume. Die israelischen und amerikanischen Luftangriffe treffen die meisten Menschen im Iran völlig überraschend, ohne Vorwarnung.

Wenn Menschen das Dröhnen eines Jets oder die erste Detonation hören, bleiben nur Sekunden, um einen sicheren Ort zu suchen. Theoretisch bieten Metrostationen Schutz, doch für viele sind sie zu weit entfernt. Die Menschen müssen nach eigenen Überlebensstrategien suchen.

  • Marsieh sucht bei der ersten Explosion sofort Schutz in ihrem Ankleideraum, einem kleinen Raum ohne Fenster, die durch eine Druckwelle zersplittern könnten.
  • Said läuft in die Tiefgarage, um sich dort in vermeintliche Sicherheit zu bringen.
  • Sara, eine Krankenpflegerin, begibt sich sofort in den Radiologie-Raum, wo die Wände besonders stabil sind.

Marsieh, Said und Sara fürchten jedes Mal um ihr Leben. Selbst wenn das israelische Militär Fluchtaufrufe verbreitet, erreichen sie kaum jemanden – das Internet ist seit zwei Wochen staatlich blockiert. Der Iran ist im digitalen Dunkel versunken. Ausnahmen sind vor allem hochrangige Militärs oder Regierungsmitarbeiter sowie Menschen, die Zugang zu einem Starlink-Terminal haben.

Panik und Orientierungslosigkeit im Libanon

Auch die Opferzahlen im Libanon steigen fast stündlich an. Bisher meldeten die Behörden 773 Tote und knapp 2.000 Verletzte. Hunderttausende Menschen wurden durch den Krieg vertrieben. Die israelischen Evakuierungsbefehle erreichen die Menschen zwar in den meisten Fällen, lösen aber oft vor allem Panik und Orientierungslosigkeit aus.

Straßennamen und wie in Deutschland übliche Adressen gibt es im Libanon nicht. Orientierung findet oft durch Ortskenntnisse statt, nicht durch Karten. Die Koordinaten für ihre anvisierten Angriffsziele gibt das israelische Militär nicht bekannt. Zudem erfolgen manchmal Angriffe ohne jegliche Vorwarnung, auch in dicht besiedelten Wohngebieten in der Hauptstadt Beirut.

Ein Frühwarnsystem gibt es im Libanon nicht. Zum Teil schießen Menschen mit Gewehren in die Luft, wenn die israelische Armee zur Flucht aufgerufen hat, was zu Verletzungen oder Schäden durch umherirrende Kugeln führt. Auch Schutzräume oder Bunker gibt es weder in der Hauptstadt Beirut noch im Rest des Landes. Genauso wenig gibt es eine Metro oder Untergrundanlagen für Schutzsuchende. Zum Teil gibt es Gebäude mit Tiefgaragen.

Viele Menschen bleiben daher ohne Schutz bei Angriffen. In der Küstenstadt Tyrus flüchten Anwohner zum Beispiel an den Strand in der Hoffnung, dort nicht getroffen zu werden.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Bunker und Luftabwehr in Israel

In Israel gab es mit bislang 13 Toten vergleichsweise wenige Opfer. Das liegt vor allem an der komplexen israelischen Luftabwehr. Zunächst bestimmen Radare und Satelliten, ob bei einem Raketenangriff etwa Wohngebiete oder wichtige Infrastruktur bedroht sind. In diesem Fall kommen kostenintensive Verteidigungssysteme zum Einsatz.

  • Der Iron Dome (Eisenkuppel) fängt Raketen und Geschosse über kurze Distanz ab.
  • Das Abwehrsystem Arrow 3 kann ballistische Raketen außerhalb der Atmosphäre im beginnenden Weltraum durch einen direkten Treffer zerstören. Dieses System hat sich auch Deutschland in Israel beschafft.

Israel fängt Armeeangaben zufolge einen Großteil der Raketen aus dem Iran und von der libanesischen Hisbollah-Miliz ab. Dennoch sind bereits mehrfach Geschosse auch in Wohnhäuser eingeschlagen. Im Land gibt es zudem für die Bevölkerung Schutzräume und Bunker etwa in vielen Wohnhäusern, öffentlichen Gebäuden oder unter Einkaufszentren. Die Menschen sind seit Jahrzehnten daran gewöhnt, bei Luftangriffen Schutzräume aufzusuchen.