Konflikt mit Trump: Papst Langeweile wird plötzlich interessant
Leo XIV. ist als blasser Pontifex gestartet. Ein Jahr nach seiner Wahl profiliert sich der erste US-Bürger auf dem Heiligen Stuhl als Anti-Trump. Wohin steuert er die katholische Kirche? Von Frank Hornig, Neapel und Rom.
07.05.2026, 12.51 Uhr. Religionsführer Leo XIV. in Angola: Keine Angst vor Trump. Foto: Andrew Medichini / AP. Der Konflikt zwischen dem Papst und dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump hat sich in den letzten Monaten zugespitzt. Leo XIV., der als erster Amerikaner zum Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt wurde, hat sich mehrfach kritisch zu Trumps Politik geäußert. Besonders in den Bereichen Migration, Umwelt und soziale Gerechtigkeit bezieht der Pontifex klar Stellung und positioniert sich damit als Gegenpol zu Trumps nationalistischer Agenda.
Eine unerwartete Profilierung
Als Leo XIV. vor einem Jahr zum Papst gewählt wurde, erwarteten viele Beobachter einen zurückhaltenden, diplomatischen Pontifex. Doch der 68-Jährige hat sich schnell als entschlossener Führer erwiesen, der keine Scheu vor Konflikten zeigt. Seine Reise nach Angola im Frühjahr 2026 nutzte er, um deutliche Worte gegen Ungleichheit und Ausbeutung zu finden – eine klare Botschaft auch an die Adresse Trumps. „Die Kirche muss die Stimme der Stimmlosen sein“, sagte Leo XIV. in einer Predigt in Luanda.
Die katholische Kirche unter Leo XIV.
Innenpolitisch setzt der Papst auf Reformen. Er hat eine Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs eingesetzt und treibt die Digitalisierung der Kirchenverwaltung voran. Auch in der Frage der Frauenordination gibt es erste Signale der Öffnung, wenngleich eine grundlegende Reform noch aussteht. Kritiker werfen ihm vor, zu langsam zu handeln, während Unterstützer betonen, dass er behutsam vorgehe, um die Einheit der Kirche nicht zu gefährden.
Der erste US-Papst und sein Verhältnis zu Amerika
Als gebürtiger New Yorker kennt Leo XIV. die politische Landschaft der USA genau. Seine Kritik an Trump ist nicht nur politisch, sondern auch moralisch motiviert. „Die Spaltung der Gesellschaft ist eine Sünde“, sagte er in einem Interview mit der italienischen Zeitung „La Repubblica“. Gleichzeitig bemüht er sich, den Dialog mit konservativen Kreisen in den USA nicht abreißen zu lassen. Seine Botschaft: Die Kirche darf sich nicht in parteipolitische Lager einteilen lassen.
Ausblick: Wohin steuert Leo XIV. die Kirche?
Experten sehen Leo XIV. auf einem schwierigen Kurs. Er muss einerseits die Reformkräfte in der Kirche befriedigen, andererseits die traditionalistischen Strömungen nicht verprellen. Seine Rolle als Anti-Trump könnte ihm dabei helfen, ein klares Profil zu gewinnen, birgt aber auch die Gefahr der Polarisierung. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der Papst die katholische Kirche in eine progressive Zukunft führen kann oder ob er an den inneren Widersprüchen scheitert.



