Liebe Giorgia Meloni, Ministerpräsidentin von Italien!
Wladimir Solowjew, ein treuer Vasall Putins, hat Sie im russischen Staatsfernsehen minutenlang mit einer Flut von Beschimpfungen überzogen. Einige seiner Äußerungen: „Faschistischer Abschaum“, „Schlampe“, „zertifizierte Idiotin“. Die Bemerkung „kleine, böse Frau“ wirkte in diesem Zusammenhang beinahe noch freundlich. Interessanterweise wurde Solowjews Villa am Comer See kürzlich vom italienischen Staat beschlagnahmt. Ihre Reaktion darauf: Sie nannten Solowjew eine „Karikatur“. Mehr nicht. Das war alles. Ganz Italien steht geschlossen hinter Ihnen.
Deutsche Parallelen: Philipp Türmer als heimischer Solowjew
Unser Pendant zu Solowjew heißt Philipp Türmer, ein aufstrebendes Talent der SPD. Er bezeichnete die CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche als „Hyäne“, weil sie keine neue Steuer einführen will. Kanzler Merz titulierte er als „Bruchpilot“. Merz neigt dazu, solche Personen anzuzeigen. Ich verstehe nicht, warum er jemanden sogar wegen des Ausrufs „kleiner Nazi“ verklagt hat. Merz ist schließlich ein stattlicher Mann; er könnte allenfalls ein „großer Nazi“ sein. Die schlimmste Beleidigung für Merz war wohl die Anrede „Herr Merkel“, die ihm in Hannover entgegenschlug.
Aggressive Stimmung in der Politik
Die aggressive Grundstimmung ist derzeit allgegenwärtig. Merz und SPD-Chef Klingbeil haben sich im Koalitionsausschuss lange angeschrien – leider sind die Details nicht öffentlich. Donald Trump hingegen soll seine Berater nach dem Abschuss eines Jets über dem Iran „stundenlang“ angeschrien haben. Stundenlang! Das zeugt von einer beachtlichen körperlichen Fitness. Aber so cool wie Sie, Signora, ist er nicht.
Hochachtungsvoll
Ihr Harald Martenstein



