Merz' Absage an Trump: Warum 'Das ist nicht unser Krieg' eine gefährliche Illusion ist
Selten hat eine Aussage des Bundeskanzlers so viel öffentlichen Zuspruch erhalten wie Friedrich Merz' klares Nein zur Beteiligung am Krieg der USA und Israels gegen den Iran. Doch dieser Applaus trügt, denn die Haltung ist nicht nur falsch, sondern auch schädlich für die nationalen Interessen Deutschlands.
Ein gefährlicher Denkfehler mit weitreichenden Folgen
"Deutschland ist nicht Teil dieses Krieges, und wir wollen es auch nicht werden", erklärte Kanzler Merz. Verteidigungsminister und Vizekanzler, beide von der SPD, unterstützten diese Position mit den Worten: "Das ist nicht unser Krieg". Diese Einigkeit in der Koalition mag auf den ersten Blick beeindrucken, doch sie erinnert an eine Politik des Appeasement, die an Haltung und Inhalt erschütternd unterkomplex ist.
Ein wirklich strategisch denkender "Außenkanzler" würde erkennen, dass deutsche Interessen unmittelbar auf dem Spiel stehen. Unser Wirtschaftswachstum hängt maßgeblich von sicheren Handelsrouten wie der Straße von Hormus ab. Wenn diese lebenswichtige Ader zugeschnürt wird, erstickt nicht nur das Bruttoinlandsprodukt, sondern die gesamte wirtschaftliche Erholung der Republik.
Warum dieser Krieg sehr wohl unser Krieg ist
Erstens: Es geht um Israel. Wenn Raketen auf den jüdischen Staat niederregnen, kann sich Deutschland nicht einfach heraushalten. Abgesehen von extremen Randgruppen würde niemand in Deutschland sagen, dass uns das nicht interessiert. Die historische Verantwortung und die aktuelle Bedrohungslage machen dies zu einer deutschen Angelegenheit.
Zweitens: Die USA als unsere Schutzmacht führen diesen Krieg. Die geostrategische und militärische Abhängigkeit von Washington ist real. Was passiert, wenn die USA ähnliche Logik auf den Ukraine-Konflikt anwenden und erklären: "Das ist auch nicht unser Krieg, das ist eurer allein"? Seit Beginn der Trump-Präsidentschaft versuchen europäische Politiker genau diese Haltung zu verhindern.
Drittens: Merz' stolze Bemerkung, der US-Präsident sei "nicht so ganz gut auf mich zu sprechen", zeigt eine gefährliche Naivität. Anstatt diplomatisches Geschick zu beweisen, knallt man dem impulsiven Trump die Tür vor der Nase zu. Dabei gäbe es durchaus Möglichkeiten, konstruktive Hilfe anzubieten, ohne sich militärisch zu engagieren.
Die Illusion der Neutralität in einer vernetzten Welt
Der zugrundeliegende Denkfehler ist schlicht: Weil es ein komplizierter und nicht perfekt geplanter Krieg ist, kann Deutschland sich einfach heraushalten. Doch in einer globalisierten Welt funktioniert diese Logik nicht mehr. Man kann sich nicht mehr aus allem heraushalten, es sei denn, man ist ein Kleinstaat ohne internationale Verpflichtungen.
Interessanterweise hat sich Merz inzwischen etwas korrigiert und eingeräumt, der Krieg könnte doch "unser" werden – aber erst, wenn er vorbei ist. Diese nachträgliche Einsicht wirkt wenig überzeugend und zeigt das Dilemma einer halbherzigen Außenpolitik.
Verpasste Chancen und realistische Alternativen
Deutschland hat durchaus Möglichkeiten, verantwortungsvoll zu handeln, ohne direkt in Kampfhandlungen einzugreifen. Die EU-Mission "Aspides" im Roten Meer und Golf von Aden zeigt, dass maritime Sicherheitsoperationen in der Region möglich sind. Man kann sich auch ohne eigene Schiffe vor Ort beteiligen und so Signale der Solidarität senden.
Letztlich geht es darum, eine Balance zu finden zwischen notwendiger Distanz zu einem riskanten Militäreinsatz und der Anerkennung, dass deutsche Interessen betroffen sind. Die pauschale Absage "Das ist nicht unser Krieg" ist keine Lösung, sondern eine Kapitulation vor der komplexen Realität internationaler Politik.



