Münchner Sicherheitskonferenz: Merz warnt vor Großmachtpolitik und fordert europäische Stärke
Merz auf Sicherheitskonferenz: Warnung vor Großmachtpolitik

Münchner Sicherheitskonferenz: Merz warnt vor Großmachtpolitik und fordert europäische Stärke

Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) hat auf der Münchner Sicherheitskonferenz seine mit Spannung erwartete Eröffnungsrede gehalten. Zum ersten Mal in seiner über dreißigjährigen Teilnahme an der Konferenz trat er dabei als Regierungschef auf und richtete sich mit deutlichen Worten an die internationale Gemeinschaft.

Dramatische Bestandsaufnahme der Weltlage

Merz begann mit einer dramatischen Analyse der globalen Sicherheitslage. „Die internationale Ordnung, die auf Rechten und Regeln ruhte, ist im Begriff, zerstört zu werden“, erklärte der Kanzler vor dem versammelten Publikum. Stattdessen dominiere eine gefährliche Großmachtpolitik, bei der die Starken die Schwachen unterdrücken und ihre Interessen rücksichtslos durchsetzen.

Als Beispiele nannte Merz:

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  • Russlands Überfall auf die Ukraine, den er als „grellsten Ausdruck“ der neuen Zeit bezeichnete
  • Chinas wachsenden Großmachtanspruch
  • Die protektionistische Handelspolitik der USA unter Donald Trump

„Wir müssen reden“, forderte Merz angesichts dieser Entwicklungen. Er warnte vor einem „gefährlichen Spiel“, das zunächst die kleineren Nationen treffe, „später aber wahrscheinlich auch für die Großen“ gefährlich werden könne.

Europas Weg zu mehr Eigenständigkeit

Der Kanzler forderte die Europäer und insbesondere die Deutschen auf, „entschieden, gemeinsam und mit Selbstvertrauen auf die eigene Stärke“ vorzugehen. Europa müsse sein militärisches, politisches, ökonomisches und technologisches Potenzial heben und dafür den „Schalter im Kopf umlegen“.

Merz wurde deutlich: „Niemand hat uns in die übermäßige Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten gezwungen, in der wir uns zuletzt befunden haben. Diese Unmündigkeit war selbst verschuldet. Aber diesen Zustand lassen wir jetzt hinter uns, lieber heute als morgen.“

Gleichzeitig betonte er jedoch, dass Europa die Vereinigten Staaten nicht als Partner abschreiben dürfe. Die transatlantische Partnerschaft habe weiterhin Potenzial, und die NATO bleibe ein wichtiger Wettbewerbsvorteil für beide Seiten.

Direkte Antwort an US-Vizepräsident Vance

Besonders bemerkenswert war Merz' direkte Bezugnahme auf US-Vizepräsident JD Vance, der auf der Sicherheitskonferenz im Vorjahr deutliche Worte gefunden hatte. „Er hatte recht“, gestand Merz ein und bestätigte damit die aufgezeigte „Kluft“ zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten.

Doch der Kanzler machte auch klar: „Trumps Kulturkampf ist nicht unserer.“ Diese Aussage löste tosenden Beifall im Saal aus. Anschließend wiederholte Merz seine zentrale Botschaft auf Englisch, um sich direkt an die amerikanischen Zuhörer zu wenden.

Konkrete Maßnahmen für mehr Sicherheit

Der Bundeskanzler skizzierte konkrete Schritte zur Stärkung Europas:

  1. Aufbau eines „selbsttragenden starken“ Pfeilers innerhalb der NATO mit höchster Priorität
  2. Massive Investitionen in militärische Abschreckungsfähigkeiten
  3. Verwandlung der Bundeswehr in „die stärkste konventionelle Armee Europas“
  4. Abbau einseitiger Abhängigkeiten bei Rohstoffen, Schlüsselprodukten und Technologien
  5. Stärkung der Nachrichtendienste und mehr Forschung in Zukunftsfeldern wie Künstlicher Intelligenz
  6. Bürokratieabbau und Ausbau der Handelspolitik mit weiteren Freihandelsabkommen

Neue globale Partnerschaften

Merz betonte die Notwendigkeit neuer internationaler Bündnisse. „Kanada und Japan, die Türkei, Indien oder Brasilien spielen dabei Schlüsselrollen, ebenso Südafrika, die Golfstaaten und andere. Mit ihnen wollen wir enger zusammenrücken“, erklärte der Kanzler. Er verwies auf seine jüngsten Reisen nach Indien, Brasilien und in die Golfstaaten sowie auf eine geplante Japan-Reise.

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Historischer Appell an Werte

Zum Abschluss seiner Rede wandte sich Merz mit einem pathetischen Blick in die Geschichte an das Publikum: „Wir Deutsche wissen: Eine Welt, in der nur Macht zählt, wäre ein finsterer Ort. Unser Land ist diesen Weg im zwanzigsten Jahrhundert bis zum bitteren und bösen Ende gegangen. Heute schlagen wir einen anderen, besseren Weg ein.“

Er erinnerte daran, dass nach 1945 vor allem die Vereinigten Staaten Deutschland für die Ideale von Freiheit und Demokratie begeistert hätten: „Das vergessen wir euch nicht. Auf diesem Fundament ist unsere Nato zum stärksten politischen Bündnis der Geschichte geworden.“ Merz versprach: „Wir bleiben dieser Idee treu.“

Die Rede klang wie ein Appell an die Verbündeten, diesem Beispiel zu folgen und gemeinsam für eine regelbasierte internationale Ordnung einzustehen.