Merz' eisige Botschaft aus der Arktis: Kanzler kritisiert US-Politik scharf
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat während seines Besuchs in der norwegischen Arktis den Ton gegenüber der US-Regierung unter Präsident Donald Trump deutlich verschärft. Im Fokus seiner Kritik steht die befristete Erlaubnis der USA für den Kauf russischen Öls, die Merz als falsches Signal inmitten des anhaltenden Iran-Kriegs verurteilt.
Kritik an US-Sanktionenlockerung und fehlender Kriegsstrategie
Bei einer Pressekonferenz auf der Insel Andoya gemeinsam mit dem norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre äußerte Merz klare Worte: „Jetzt Sanktionen zu lockern, aus welchen Gründen auch immer, das halten wir für falsch.“ Er warf Trump vor, die USA damit in der G7-Gruppe isoliert zu haben und bemängelte erneut das Fehlen einer klaren Strategie zur Beendigung des Iran-Kriegs. Die Entscheidung der US-Regierung, russisches Öl zeitweise bis zum 11. April zu erlauben, sei nicht mit den anderen G7-Staaten abgesprochen worden, wie Merz betonte.
Absage an Militäreinsatz und Betonung deutscher Neutralität
Merz erteilte auch einem möglichen Militäreinsatz in der Straße von Hormus eine deutliche Absage. „Deutschland ist nicht Teil dieses Krieges und wir wollen es auch nicht werden“, stellte er klar und verwies darauf, dass alle Bemühungen auf ein Kriegsende gerichtet seien. Der norwegische Ministerpräsident Støre unterstützte diese Haltung, während der französische Präsident Emmanuel Macron weiter an Plänen für eine internationale Eskortmission arbeitet.
Besuch bei Nato-Manöver und Raumfahrtkooperation
Am Nachmittag reiste Merz nach Bardufoss, wo er das Nato-Manöver „Cold Response“ mit 1.600 Bundeswehrsoldaten besichtigte. Die Übung dient auch als Signal an Trump im Streit um Grönland, bei dem europäische Länder mehr Präsenz in der Arktis zeigen wollen. Zuvor hatte Merz den Andoya Space Port besucht, Deutschlands Tor zum Weltraum, wo das Startup Isar Aerospace am 19. März erstmals eine „Spectrum“-Rakete mit Satelliten starten will. „Dies ist jetzt die Stunde Europas“, kommentierte Merz die Bemühungen, unabhängiger von US-Raumfahrttechnik zu werden.
Die zunehmende Kritik Merz' an der US-Politik markiert einen deutlichen Wandel, nachdem er bei seinem Weißen-Haus-Besuch Anfang der Woche noch weitgehende Übereinstimmung mit Trump gezeigt hatte. Die Europäer befürchten, dass die Iran-Offensive die Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs untergräbt.



