Deutschland und Brasilien intensivieren strategische Partnerschaft
Die deutsch-brasilianischen Regierungskonsultationen in Hannover haben eine deutliche Vertiefung der bilateralen Beziehungen gebracht. Bundeskanzler Friedrich Merz und Präsident Luiz Inácio Lula da Silva vereinbarten eine engere Zusammenarbeit in den Bereichen Rüstung, kritische Rohstoffe und Wirtschaft. „Die Nähe zwischen unseren beiden Ländern ist notwendiger denn je in einer Zeit, in der sich die Weltordnung so grundlegend verändert“, betonte Merz auf der gemeinsamen Pressekonferenz.
Wirtschaftliche Zusammenarbeit im Fokus
Im Mittelpunkt der Gespräche stand die wirtschaftliche Kooperation. Mit dem bevorstehenden Inkrafttreten des EU-Mercosur-Abkommens am 1. Mai ergeben sich neue Perspektiven. Merz äußerte die Hoffnung, das Handelsvolumen mit Brasilien in den nächsten Jahren verdoppeln zu können. „Wir wollen die Stärken unserer Volkswirtschaften gemeinsam entfalten, und zwar als wichtige Handelspartner“, so der Kanzler.
Besondere Bedeutung hat die Kooperation bei kritischen Rohstoffen. Brasilien ist für Deutschland ein wichtiger Lieferant seltener Erden, die für moderne Technologien wie Laptops, Handys und E-Motoren unverzichtbar sind. „Wir vertiefen unsere Kooperation im Bereich kritischer Rohstoffe. Das ist ein Gebot der Stunde in einer Welt, die eben unberechenbar geworden ist“, erklärte Merz.
Rüstungskooperation und UN-Reform
Im Rüstungsbereich signalisierte Brasilien Interesse an vier weiteren Fregatten des Typs Tamandaré von Thyssenkrupp Marine Systems. Bereits jetzt sind vier solcher Schiffe in Brasilien im Bau. „Heute machen wir Fortschritte bei den Bemühungen um den Erwerb vier weiterer Einheiten“, bestätigte Lula. Zudem laufen Gespräche über gepanzerte Fahrzeuge, Luftabwehrsysteme und Drohnentechnologien.
Gemeinsam setzen sich beide Länder für eine Reform der Vereinten Nationen ein. Deutschland und Brasilien beanspruchen seit langem ständige Sitze im UN-Sicherheitsrat, der derzeit nur fünf Atommächte mit Vetorecht umfasst. Alle Reformbemühungen sind in der Vergangenheit jedoch am Vetorecht der bestehenden Mitglieder gescheitert.
Außenpolitische Positionen
Präsident Lula nutzte das Treffen für scharfe Kritik an US-Präsident Donald Trump. Er verurteilte Trumps Entscheidung, Südafrika vom nächsten G20-Gipfel in Florida auszuschließen. „Wenn man heute Südafrika rauswirft, wird morgen Deutschland rausgeworfen, wird Brasilien rausgeworfen“, warnte Lula und rief die deutsche Regierung zur Solidarität auf.
Bereits am Vortag hatte Lula den von den USA und Israel begonnenen Iran-Krieg als „Wahnsinn“ bezeichnet. Trump wirft Südafrika vor, einen Genozid an weißen Bauern zu begehen – eine Darstellung, die Fachleute und die südafrikanische Regierung entschieden zurückweisen.
Atmosphärische Verbesserung
Die Konsultationen dienten auch der Verbesserung des bilateralen Klimas. Merz' erster Brasilien-Besuch hatte vorübergehend Verstimmungen ausgelöst, nachdem er sich in einer Weise über die arme Amazonas-Metropole Belém geäußert hatte, die viele Brasilianer als beleidigend empfanden. Lula hatte ihn zunächst kritisiert, sich dann aber beim G20-Gipfel in Johannesburg wieder mit ihm versöhnt.
Als versöhnliche Geste ließ Merz Lula vor dem festlichen Mittagessen auf Schloss Herrenhausen eine Auswahl von Wurstspezialitäten servieren. Der brasilianische Präsident hatte zuvor in einem Interview den Wunsch geäußert, in Deutschland Wurst vom Straßenimbiss zu essen. „Das Einzige, was ich bedaure, ist, dass ich an keiner Straße vorbeigekommen bin, an der ein Imbisswagen stand“, bedauerte Lula jedoch.
Die Regierungskonsultationen mit insgesamt 15 Ministern auf beiden Seiten markieren einen neuen Höhepunkt in den deutsch-brasilianischen Beziehungen. Merz und Lula betonten die Bedeutung einer starken Partnerschaft zwischen zwei gleichgesinnten Nationen in einer sich wandelnden Weltordnung.



