Der Nato-Gipfel in Ankara endete am Mittwoch mit einer Pressekonferenz von Generalsekretär Mark Rutte, der die Einigkeit des Bündnisses hervorhob. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump neue Angriffe gegen den Iran angekündigt und in einer Panne den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mit Wladimir Putin verwechselt. Rutte zeigte sich trotz der Spannungen zufrieden mit dem Treffen und verwies auf milliardenschwere Investitionen und Rüstungsdeals.
Rutte: „Enorm erfolgreicher Nato-Gipfel“
Rutte erklärte zum Abschluss des Gipfels, man habe „einen enorm erfolgreichen Nato-Gipfel abgeschlossen“. Besonders die Einigkeit der Alliierten habe man bewiesen. Er verwies auf die gestiegenen Verteidigungsausgaben und die geschlossenen Rüstungsverträge. „Familien, die streiten, halten besser zusammen“, sagte Rutte mit Blick auf Trumps Engagement in der Nato. Zudem kündigte er ein Milliardenprojekt für die Treibstoffversorgung an: 27 Milliarden Euro sollen in die Modernisierung der Infrastruktur fließen, darunter neue Pipelines in den Osten des Bündnisgebiets.
Trump kündigt neue Iran-Angriffe an und verwechselt Selenskyj
US-Präsident Donald Trump nutzte den Gipfel für mehrere kontroverse Ankündigungen. Er erklärte die Absichtserklärung zur Beendigung des Konflikts mit dem Iran für hinfällig und kündigte neue Angriffe für den Abend an: „Wir haben sie hart getroffen. Heute werden wir sie auch hart treffen.“ In einem Gespräch mit Selenskyj verwechselte Trump den ukrainischen Präsidenten mit Putin, als er fragte, ob jemand eine Frage an „Präsident Putin“ stellen wolle. Den Fehler spielte er herunter und behauptete, er habe tatsächlich Putin gemeint, den er bald treffen werde. Selenskyj reagierte gelassen und lächelte.
Streit um Iran-Krieg und Grönland
Rutte und Trump lieferten sich einen kurzen Schlagabtausch, als Trump erneut mangelnde Unterstützung der Verbündeten im Iran-Krieg beklagte. Rutte widersprach und verwies auf 5.000 Flugzeuge, die von europäischen Stützpunkten zur Unterstützung der US-Offensive gestartet seien. Trump bezeichnete Rutte trotzdem als „großartigen Führer“. In Bezug auf Grönland bemühte sich Rutte um Entspannung und versicherte, dass eine Sicherheitsvereinbarung aus dem Januar weiterhin Bestand habe. Trump selbst sprach das Thema hinter verschlossenen Türen nicht an.
Milliardenhilfen für die Ukraine und Rüstungsdeals
Die Nato-Staaten sagten der Ukraine für dieses Jahr 70 Milliarden Euro an Militärhilfen zu, die auch 2027 fortgesetzt werden sollen. Zudem wurden Rüstungsverträge im Umfang von „mehr als 50 Milliarden US-Dollar“ (rund 43 Milliarden Euro) angekündigt. Deutschland bot der Nato unter anderem Fregatten, Eurofighter und Drohnen an, um nach dem Abzug US-amerikanischer Fähigkeiten Lücken zu vermeiden. Bundeskanzler Friedrich Merz betonte: „Wir haben geliefert“ – die deutschen Verteidigungsausgaben stiegen um 25,5 Prozent auf 124,7 Milliarden Euro.
Spannungen mit Spanien und Polen
Trump ordnete einen vollständigen Handelsstopp mit Spanien an und bezeichnete das Land als „schrecklichen Partner“. Belgien Premier Bart De Wever nutzte die Ukraine-Hilfen für einen Seitenhieb gegen die USA und sprach von einer „Roten Karte für Putin“. Zwischen Polen und der Ukraine gab es einen kurzen Austausch der Präsidenten Nawrocki und Selenskyj am Rande des Gipfels, nachdem ein Geschichtsstreit die Beziehungen belastet hatte.



