Historiker Joseph E. Ellis über 250 Jahre US-Unabhängigkeit
Die USA begehen 250 Jahre Unabhängigkeit. Historiker Joseph E. Ellis blickt mit Sorge auf sein gespaltenes Land, äußert aber auch Hoffnung. Im Interview mit dem Tagesspiegel erklärte Ellis: „Donald Trump ist der tyrannischste Präsident der US-Geschichte.“ Er bezog sich dabei auf Trumps Amtsführung und dessen Versuche, demokratische Institutionen zu untergraben.
Feierlaune trotz Spaltung
Auf die Frage, ob ihm zum Feiern zumute sei, antwortete Ellis: „Ja, definitiv. Ich bin gerade in Vermont, einem der ‚blauesten‘, also von den US-Demokraten geprägten, Staaten in den USA. In der Stadt hier gibt es Paraden, zu denen ich am 4. Juli gehen werde. Dieser Tag hat einen positiven Kern.“
Die Gründergeneration als Vorbild
Ellis hob die herausragende Generation politischer Figuren um 1776 hervor, darunter George Washington, den ersten Präsidenten der USA. Die 13 amerikanischen Kolonien, die keinerlei Geschichte der Zusammenarbeit hatten, wollten sich von Großbritannien lossagen – und siegten gegen die militärisch und wirtschaftlich dominierende Macht der Welt. Dieses Erbe sieht Ellis heute in Gefahr.
Hoffnung auf Erneuerung
Trotz seiner Kritik an Trump zeigte sich Ellis zuversichtlich: „Die amerikanische Demokratie hat schon viele Krisen überstanden. Ich hoffe, dass die Bürger aus der aktuellen Spaltung gestärkt hervorgehen.“ Er betonte die Bedeutung der Unabhängigkeitserklärung als Leuchtturm der Freiheit, der auch heute noch Orientierung biete.



