In Umfragen ist die AfD derzeit die stärkste politische Kraft. Wären morgen Wahlen, würden 28 Prozent der Deutschen für sie stimmen. Das sind zu viele, als dass sie alle dieselben Beweggründe haben könnten. In einer neuen Studie unterscheidet Soziologie-Professorin Céline Teney von der Freien Universität Berlin zwischen drei Gruppen innerhalb der AfD-Wählerschaft.
Drei Typen von AfD-Wählern
Die Studie, die Teney gemeinsam mit ihrem Team durchführte, basiert auf einer repräsentativen Befragung und einer Clusteranalyse. Demnach lassen sich AfD-Wähler in drei Kategorien einteilen: die „radikal-rechten Autoritären“, die „wirtschaftlich Verunsicherten“ und die „protestorientierten Nationalkonservativen“. Nur knapp 20 Prozent der AfD-Anhänger zählen demnach zu den radikal-rechten Autoritären, die eine klare rechtsextreme Ideologie vertreten. Die größte Gruppe bilden die wirtschaftlich Verunsicherten mit rund 40 Prozent, gefolgt von den protestorientierten Nationalkonservativen mit etwa 40 Prozent.
Motivation der wirtschaftlich Verunsicherten
Die wirtschaftlich Verunsicherten fühlen sich von der Globalisierung und dem Strukturwandel abgehängt. Sie haben Angst vor sozialem Abstieg und fordern mehr staatliche Absicherung. „Diese Gruppe ist nicht primär ausländerfeindlich, sondern fühlt sich von der Politik vernachlässigt“, erklärt Teney. Sie wählen AfD als Ausdruck ihrer Unzufriedenheit mit der etablierten Politik.
Protestorientierte Nationalkonservative
Die protestorientierten Nationalkonservativen wiederum sind stark national eingestellt und lehnen Zuwanderung ab, jedoch ohne radikale Gewaltbereitschaft. Sie sehen die AfD als Sprachrohr gegen die Migrationspolitik und den kulturellen Wandel. „Diese Wähler sind nicht unbedingt extremistisch, aber sie teilen eine konservative bis nationale Grundhaltung“, so die Soziologin.
Radikal-rechte Autoritäre
Die kleinste Gruppe, die radikal-rechten Autoritären, zeigt eine klare Affinität zu rechtsextremen Positionen, einschließlich der Verharmlosung des Nationalsozialismus und einer autoritären Staatsvorstellung. Sie machen nur etwa ein Fünftel der AfD-Wählerschaft aus. Teney betont: „Das Bild vom AfD-Wähler als pauschal rechtsextrem ist falsch. Die Mehrheit hat andere Motive, die von Politik und Gesellschaft ernst genommen werden müssen.“
Folgen für die politische Debatte
Die Studie könnte die öffentliche Debatte über die AfD verändern. Statt die gesamte Wählerschaft zu stigmatisieren, sollten Politiker die unterschiedlichen Sorgen und Ängste adressieren. „Nur so kann man die AfD langfristig schwächen“, meint Teney. Die Ergebnisse zeigen auch, dass die AfD nicht nur ein Protestphänomen ist, sondern tiefere gesellschaftliche Verwerfungen widerspiegelt.



