Markus Lanz hat in seiner gleichnamigen Sendung den Chef der Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber, einem intensiven Kreuzverhör unterzogen. Weber musste sich zu seinen umstrittenen Aussagen zum Iran-Krieg, zur israelischen Kriegsführung im Libanon und zur Zusammenarbeit mit Rechtsextremen im EU-Parlament erklären. Der Auftritt wurde für Weber zum Spießrutenlauf.
Iran-Krieg: Lanz konfrontiert Weber mit früheren Aussagen
Zu Beginn des Iran-Krieges hatte Weber das Vorgehen der USA verteidigt. Nachdem sich der Krieg als Fiasko erwiesen hat, konfrontierte Lanz ihn mit dessen Worten aus dem März: „Sie haben bei uns hier von der Sendung gesagt, dieser Krieg ist auch im deutschen Interesse und macht die Welt sicherer. An welcher Stelle ist die Welt jetzt sicherer?“ Weber wich aus: „Ich habe nicht gesagt, dass dieser Krieg unser Krieg war“ und behauptete eine „klare Distanz“ zum Krieg. Er argumentierte, der europäische Weg mit dem Atomabkommen und Sanktionen habe das iranische Regime nicht von der Atombombe abgehalten.
Die Journalistin Eva Quadbeck (Redaktionsnetzwerk Deutschland) warf Weber daraufhin „Geschichtsrevisionismus“ vor: „Das stimmt so schlicht nicht“, stellte sie klar. Die Iran-Expertin Azadeh Zamirirad untermauerte dies mit Fakten: „Zwischen 2015 und 2018 haben mehr als zehn Berichte der Internationalen Atomenergieorganisation nachgewiesen: Der Iran hält sich an die Vereinbarung.“ 2018 kündigte US-Präsident Donald Trump das Abkommen auf. Laut Zamirirad liege das, was Trump jetzt mit dem Iran verhandelt habe, „weit hinter dem zurück“, was damals erreicht wurde. Das Atomabkommen habe „zwei Dinge vorgesehen“: eine massive technische Begrenzung des iranischen Atomprogramms und eine umfassende internationale Kontrolle. „Heute haben wir keins von beiden“, so Zamirirad.
Kosten des Krieges: 100 Milliarden Dollar und viele Tote
Lanz fragte US-Korrespondent Elmar Theveßen: „Wieviel hat das gekostet, dass wir jetzt weniger haben als vorher?“ Theveßen zählte auf: „100 Milliarden Dollar Kosten“ für die US-Wirtschaft, eine „beschädigte Weltwirtschaft“, „13 tote US-Soldaten“ und „viele, viele Tote im Iran selber und in der Region“. Das Regime sitze nun „noch fester im Sattel als vorher“. Zamirirad mahnte zur Vorsicht: „Die tatsächlichen Herausforderungen kommen ja erst in der Postkonfliktphase.“ Das Regime müsse sich mit der katastrophalen Wirtschaftslage und internen Richtungskämpfen auseinandersetzen.
Israels Kriegsführung im Libanon: Weber weicht aus
Lanz wandte sich erneut Weber zu und thematisierte dessen Verteidigung der israelischen Kriegsführung im Libanon. Lanz machte deutlich, wie brutal Israels Schläge auch Zivilisten treffen. Israel warne zwar die Menschen, die Konfliktregion zu verlassen, doch viele Zivilisten hätten dazu nicht die Möglichkeit. Israel schlage trotzdem zu und treffe immer wieder Zivilisten: „Ist das in Ordnung?“, fragte Lanz. Weber wich aus: „Ich möchte nicht die Verantwortung für die israelische Kriegsführung übernehmen.“ Er vermied eine klare Kritik und verwies auf die Bedrohung durch die Hisbollah.
Zusammenarbeit mit Rechtsextremen im EU-Parlament
Lanz sprach auch die Abstimmung über ein umstrittenes Asylgesetz im EU-Parlament an. Webers EVP hatte eine Mehrheit mit Rechtsextremen gesucht und gefunden, die nach der Abstimmung jubelten. Der Journalist Ulf Röller ordnete ein, dass es im EU-Parlament keine Brandmauer gebe: „Man nimmt die Stimmen, wo man sie kriegt.“ Der wahre „Tabubruch“ liege darin, dass die Rechtsradikalen nicht nur „Stimmvieh“ gewesen seien, sondern auch inhaltlich Einfluss nehmen konnten und am Gesetz mitarbeiteten. Lanz verlangte von Weber, ehrlich zuzugeben, dass auf europäischer Ebene mittlerweile zusammen mit Rechtsradikalen an Gesetzen geschrieben werde. Weber lenkte ab und betonte, wie wichtig ihm das Gesetz gewesen sei: „Für mich war das ein großer Moment, dass es uns gelungen ist, dass Europa endlich sich zusammenrauft.“ Er fügte hinzu: „Leider ist das dann von den Rechtsradikalen propagandamäßig missbraucht worden.“



