Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat vor einem möglichen Mangel an Einsatzkräften beim Bundesparteitag der AfD am Wochenende in Erfurt gewarnt. Mehrere Tausend Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte aus ganz Deutschland sollen laut GdP-Bundesvorsitzendem Jochen Kopelke im Einsatz sein. Dennoch bleibe für die Einsatzleitung in Thüringen ein Restrisiko, da einzelne Bundesländer einen Teil der zugesagten Kräfte aufgrund eigener Einsatzlagen kurzfristig im Land behalten könnten, sagte Kopelke den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.
Proteste und erwartete Teilnehmerzahlen
Die AfD trifft sich am 4. und 5. Juli in der thüringischen Landeshauptstadt zu ihrem Bundesparteitag. Die Linke, Gewerkschaften, die Grünen und andere haben zu Protesten aufgerufen. Insgesamt seien bisher etwa 30 Demonstrationen und Kundgebungen gegen den Parteitag angemeldet, darunter die größte vom DGB und anderen Organisationen auf dem Erfurter Messegelände in Parteitagsnähe, sagte eine Stadtsprecherin am Dienstag.
Belastung der Bereitschaftspolizei
Kopelke äußerte die Sorge, dass die Polizei für den AfD-Parteitag am Ende nicht genügend Kräfte auf die Straße bekomme. Schon bei vergangenen Großereignissen habe sich ein Mangel an Einsatzreserven gezeigt. Besonders die Bereitschaftspolizei sei seit der Coronapandemie deutlich stärker belastet, weil es mehr Demonstrationen und mehr Eskalationen gebe. „Gleichzeitig führen permanente 18-Stunden-Einsätze langfristig zu mehr Krankmeldungen“, so Kopelke.
Eskalationspotenzial und historischer Kontext
Laut Kopelke geht die Polizei in Thüringen von bis zu 50.000 Protestierenden in Erfurt aus, darunter 2000 bis 2500 Gewaltbereite. Viele Demonstrierende würden sich als „letzte Bastion gegen den Aufstieg der extremen Rechten in Deutschland“ sehen. Der von der AfD gewählte Termin liege zudem genau 100 Jahre nach dem NSDAP-Reichsparteitag, der 1926 in Weimar stattfand, was „Wut und Entschlossenheit“ der AfD-Gegner steigere. „Das lässt eine Eskalation der Proteste befürchten“, sagte Kopelke.



