Putins stille Profite: Wie der Iran-Konflikt Russland finanziell stärkt
Während das russische Regime sich normalerweise nicht scheut, zu internationalen Ereignissen Stellung zu beziehen, fällt zum aktuellen Krieg in Iran auffallendes Schweigen aus Moskau. Der Grund dafür könnte in den erheblichen wirtschaftlichen Vorteilen liegen, die Kreml-Herrscher Wladimir Putin aus diesem Konflikt zieht.
Ölpreise als Kriegsfinanzierung
Durch die Blockade der strategisch wichtigen Straße von Hormus durch Iran ist der Preis für Öl dramatisch angestiegen. Diese Entwicklung spült frische Milliarden in Putins Kriegskasse und finanziert damit indirekt den fortlaufenden Konflikt in der Ukraine. Während die USA enorme Mengen an Kriegsgerät nach Nahost verlegen, fehlt genau diese Ausrüstung der Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen russische Invasionstruppen.
Die geopolitischen Verschiebungen sind tiefgreifend: Donald Trumps Interesse, im Ukrainekrieg zu vermitteln, hat rapide abgenommen, seit der US-Präsident selbst in einen militärischen Konflikt im Nahen Osten verwickelt ist. Was für Trump ein weitgehend selbst gewählter Krieg am Golf ist, bleibt für die Ukraine ein existenzieller Überlebenskampf.
Trumps Fehleinschätzung und fehlende Exit-Strategie
US-Geheimdienste hatten Präsident Trump noch vor dem Angriff gegen Iran am 28. Februar 2026 gewarnt, dass ein Krieg wahrscheinlich nicht zum erhofften Machtwechsel in Teheran führen würde. Experten wiesen wiederholt auf die Gefahr hin, dass Iran im Kriegsfall die lebenswichtige Straße von Hormus blockieren könnte.
Doch Trump ignorierte diese Warnungen und ging offenbar von einer schnellen Kapitulation Irans aus, ähnlich wie Putin 2022 in der Ukraine. Nun steckt der US-Präsident in einem Konflikt fest, den er eigentlich innerhalb weniger Tage beenden wollte. In Trumps Umfeld sucht man verzweifelt nach einer Ausstiegsmöglichkeit, einer sogenannten "off ramp".
Deutschlands Suche nach einem neuen Platz in der Welt
Vor knapp zwei Monaten skizzierte Kanadas Ministerpräsident Mark Carney auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos die Konturen einer neuen Weltordnung. Unter Trump seien die USA nicht länger Garant einer regelbasierten internationalen Ordnung, weshalb Mittelmächte wie Kanada oder Deutschland neue Allianzen schmieden müssten.
Neue strategische Partnerschaften
Bundeskanzler Friedrich Merz teilt diese Analyse und sucht aktiv nach einer Position für Deutschland in dieser veränderten globalen Landschaft. Sein Besuch in Norwegen an diesem Freitag steht im Zeichen dieser Neuorientierung. Merz und der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre wollen bei der Weltraumüberwachung enger zusammenarbeiten, um langfristig unabhängiger von US-Satellitendaten zu werden.
Die geplante Zusammenarbeit mit Kanada und Norwegen im Rahmen der Nato-Übung "Cold Response" sendet eine doppelte Botschaft: Einerseits demonstriert sie Stärke gegenüber Russland, andererseits widerlegt sie Trumps Behauptung, nur die USA könnten die Sicherheit strategisch wichtiger Regionen wie Grönland garantieren.
Die neue Realität globaler Politik
Während Putin still von steigenden Ölpreisen profitiert und Trump in einem ungewollt langen Krieg feststeckt, formieren sich mittelgroße Demokratien neu. Deutschland positioniert sich dabei als aktiver Gestalter einer multipolaren Weltordnung, die weniger von Supermächten dominiert wird.
Diese Entwicklung markiert einen historischen Wendepunkt in den internationalen Beziehungen, der weit über den aktuellen Iran-Konflikt hinausreicht und die Grundlagen globaler Sicherheitsarchitekturen neu definiert.



