Selenskyj macht Putin für Dritten Weltkrieg verantwortlich
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in einem eindringlichen Interview mit der britischen BBC klare Worte gefunden. Er macht den russischen Präsidenten Wladimir Putin direkt für die Eskalation des Konflikts verantwortlich und warnt vor den globalen Konsequenzen.
Kategorische Ablehnung von Gebietsabtretungen
Selenskyj lehnt jegliche territoriale Zugeständnisse an Russland für einen möglichen Waffenstillstand entschieden ab. „Für mich würde das Aufgeben bedeuten“, erklärte das ukrainische Staatsoberhaupt. Eine solche Schwächung der Position würde Hunderttausende Ukrainer im Stich lassen, die in den betroffenen Gebieten leben. Zudem befürchtet Selenskyj eine Spaltung der ukrainischen Gesellschaft durch derartige Kompromisse.
Der Präsident äußerte ernste Zweifel, dass Putin sich mit territorialen Zugeständnissen überhaupt zufriedengeben würde. Ein Waffenstillstand würde Moskau nach Selenskyjs Einschätzung lediglich eine Atempause verschaffen, um neue militärische Kräfte zu sammeln. „Er benötigt eine Pause“, sagte Selenskyj mit Blick auf den Kremlchef.
Warnung vor Putins globalen Ambitionen
In dem am Wochenende in einem streng gesicherten Raum der Regierungszentrale in Kyjiw geführten Interview warnte Selenskyj eindringlich vor den Expansionsplänen des russischen Präsidenten. „Putin hat den Dritten Weltkrieg bereits begonnen“, erklärte der ukrainische Staatschef. Russland versuche, der Welt eine andere Lebensweise aufzuzwingen und frei gewählte Lebensrealitäten anderer Länder zu zerstören.
Die einzige angemessene Antwort darauf sei intensiver militärischer und wirtschaftlicher Druck auf Russland. „Die Frage ist, wie viel Territorium er noch erobern kann – und wie wir ihn aufhalten“, formulierte Selenskyj die zentrale Herausforderung.
Langfristige Sicherheitsgarantien gefordert
Bei der Diskussion über mögliche Sicherheitsgarantien setzt Selenskyj nicht allein auf den US-Präsidenten Donald Trump, sondern betont die Bedeutung institutioneller Abkommen. „Präsidenten kommen und gehen, aber Institutionen bleiben“, erklärte er. Die Ukraine benötige Garantien für 30 Jahre, die über einzelne Amtszeiten hinaus Bestand haben.
Selenskyj ließ offen, ob er bei etwaigen Neuwahlen erneut als Präsident kandidieren würde. Vor einer solchen Abstimmung seien jedoch verlässliche Sicherheitsgarantien essentiell, um Wahlmanipulationen zu verhindern und die Ukraine dauerhaft vor russischen Annexionsbestrebungen zu schützen.
Realistische Einschätzung der militärischen Lage
Trotz kämpferischer Rhetorik zeigte sich Selenskyj realistisch bezüglich der aktuellen militärischen Möglichkeiten. Langfristig wolle die Ukraine zwar das gesamte besetzte Gebiet zurückerobern und zu den Grenzen von 1991 zurückkehren, momentan sei dies jedoch nicht möglich.
Die russische Armee sei zu mächtig, und der Verlust von Menschenleben – Selenskyj sprach von Millionen potenziellen Toten – wäre zu groß. Die Ukraine verfüge derzeit nicht über ausreichend Waffen für entscheidende Erfolge auf dem Schlachtfeld. Die Rückeroberung besetzter Gebiete bleibe daher vorerst eine Frage der Zeit und der internationalen Unterstützung.



