Selenskyj macht Putin für angeblichen dritten Weltkrieg verantwortlich
In einem exklusiven Interview mit der britischen BBC hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj klare Worte gefunden. Der Staatschef warnt eindringlich vor den globalen Ambitionen des russischen Präsidenten Wladimir Putin und lehnt jegliche territorialen Zugeständnisse für einen Waffenstillstand kategorisch ab.
Putins Kriegsambitionen als globale Bedrohung
Selenskyj äußerte die deutliche Ansicht, dass Putin bereits den dritten Weltkrieg begonnen habe. "Die einzige Antwort darauf sei intensiver militärischer und wirtschaftlicher Druck", betonte der ukrainische Präsident. Russland versuche der Welt eine andere Lebensweise aufzuzwingen und frei gewählte Lebensrealitäten anderer Länder zu zerstören.
Der ukrainische Staatschef zeigte sich kämpferisch und betonte, sein Land sei weit davon entfernt, den Krieg zu verlieren. "Die Frage ist, wie viel Territorium er noch erobern kann – und wie wir ihn aufhalten", sagte Selenskyj mit Blick auf die russischen Expansionsbestrebungen.
Keine Kompromisse bei ukrainischem Territorium
Gebietsabtretungen an Russland lehnte Selenskyj entschieden ab. "Für mich würde das Aufgeben bedeuten – eine Schwächung unserer Positionen, mit der wir Hunderttausende unserer Mitmenschen im Stich lassen würden, die dort leben", erklärte er. Derartige Zugeständnisse würden zudem die ukrainische Gesellschaft spalten.
Selenskyj äußerte ernste Zweifel, dass Putin sich mit territorialen Zugeständnissen zufriedengeben würde. Ein Waffenstillstand würde Moskau lediglich Zeit verschaffen, um militärisch neue Kräfte zu sammeln. "Er benötigt eine Pause", sagte Selenskyj über den russischen Präsidenten.
Langfristige Sicherheitsgarantien notwendig
Bei Verhandlungen über Sicherheitsgarantien setzt Selenskyj auf den Einfluss des US-Kongresses. Auf die Frage, ob er den Versprechen von US-Präsident Donald Trump trauen könne, verwies er auf die Bedeutung institutioneller Strukturen: "Denn Präsidenten kommen und gehen, aber Institutionen bleiben."
Der ukrainische Präsident betonte die Notwendigkeit langfristiger Garantien: "Wir (als Ukrainer) wollen beispielsweise Garantien für 30 Jahre. Die politischen Eliten werden künftig andere sein, die Anführer werden andere sein."
Zukunftsperspektiven und Herausforderungen
Selenskyj ließ offen, ob er bei etwaigen Neuwahlen erneut als Präsident kandidieren würde. Vor einer solchen Abstimmung seien jedoch verlässliche Sicherheitsgarantien notwendig, um Wahlmanipulationen zu verhindern und die Ukraine dauerhaft vor russischen Annexionsgelüsten zu schützen.
Langfristig strebe die Ukraine die Rückeroberung des gesamten besetzten Gebietes an und wolle zu den im Unabhängigkeitsjahr 1991 festgelegten Grenzen zurückkehren. "Das sei nur eine Frage der Zeit", sagte Selenskyj, momentan sei dies jedoch noch nicht möglich.
Die russische Armee sei zu mächtig, und der Verlust von Menschenleben – Selenskyj sprach von Millionen Toten, die zu befürchten wären – wäre zu groß. Die Ukraine habe nicht genügend Waffen für entsprechende Erfolge auf dem Schlachtfeld, so die ernüchternde Einschätzung des Präsidenten.
Das Interview führte Selenskyj am Wochenende in einem streng gesicherten Raum in der Regierungszentrale in Kyjiw. Er beantwortete die Fragen auf Ukrainisch, anschließend veröffentlichte die BBC eine schriftliche Zusammenfassung mit Zitaten auf Englisch und einem kurzen Videoausschnitt des Gesprächs.



