Münchner Sicherheitskonferenz 2026 gestartet: Merz fordert transatlantischen Neustart
Vom 13. bis 15. Februar 2026 findet im Münchner Hotel Bayerischer Hof die 62. Sicherheitskonferenz statt. Das internationale Forum für Sicherheits- und Außenpolitik versammelt erneut Staats- und Regierungschefs, Minister sowie Experten aus aller Welt. Im AZ-Newsblog halten wir Sie mit aktuellen Entwicklungen, Reden und Hintergründen zur Siko 2026 auf dem Laufenden.
Merz: Transatlantisches Bündnis braucht handfeste Neubegründung
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) eröffnete die Konferenz mit einem deutlichen Appell für eine erneuerte Partnerschaft zwischen Europa und den Vereinigten Staaten. „Wenn unsere Partnerschaft eine Zukunft haben soll, dann müssen wir sie im doppelten Sinn neu begründen“, erklärte Merz in seiner Eröffnungsrede. Er betonte, diese Begründung müsse konkret und nicht esoterisch sein, da beide Seiten erkennen müssten: „Zusammen sind wir stärker.“
Merz räumte ein, dass sich zwischen Europa und den USA eine Kluft aufgetan habe, wie bereits US-Vizepräsident JD Vance im Vorjahr in München offen angesprochen hatte. „Die transatlantische Partnerschaft hat ihre Selbstverständlichkeit verloren, erst in den USA, aber auch in Europa“, so der Kanzler. Gleichzeitig distanzierte er sich vom aktuellen „Kulturkampf“ in den USA mit protektionistischen Maßnahmen und bekräftigte seinen Glauben an freien Handel, Klimaabkommen und multilaterale Institutionen wie die Weltgesundheitsorganisation.
Der Bundeskanzler unterstrich zudem die weiterhin essentielle Rolle des Vertrauens innerhalb der Nato. „Im Zeitalter der Großmächte werden auch die USA auf dieses Vertrauen angewiesen sein“, sagte Merz und verwies auf die Grenzen unilateraler Machtausübung.
Söder wirbt selbstbewusst für Bayern als Hightech-Standort
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nutzte seine Rede, um die Bedeutung des Freistaats als internationalen Politik- und Wirtschaftsstandort herauszustellen. „Wir sind ein Hightech-Standort, exportieren viel“, so Söder, der München als „wichtigen Ort für Speeddating der internationalen Politik“ bezeichnete. In typisch bayrischer Manier betonte er die transatlantische Verbundenheit mit dem Hinweis: „Das beste Getränk ist Weißbier, aber im Zweifelsfall dann doch lieber Whiskey als Wodka.“
Deutsch-französische Gespräche über europäischen Atomschirm
Ein weiteres zentrales Thema der Konferenz sind Gespräche zwischen Deutschland und Frankreich über eine mögliche europäische nukleare Abschreckung. Merz bestätigte, erste Diskussionen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron aufgenommen zu haben. Dabei verwies er auf Deutschlands rechtliche Verpflichtungen aus dem Zwei-Plus-Vier-Vertrag von 1990, der den Verzicht auf atomare, biologische und chemische Waffen festschreibt. Diskutiert wird ein Ausbau des derzeit nationalen französischen Atomschirms zum Schutz weiterer EU-Staaten – ein Angebot, das Macron bereits 2020 unterbreitet hatte.
Umfrage: Jeder zweite Deutsche sieht USA eher als Gegner
Eine YouGov-Umfrage im Auftrag der dpa zeigt eine deutliche Veränderung in der deutschen Wahrnehmung der USA. 49 Prozent der Befragten nehmen die Vereinigten Staaten eher als Gegner wahr, nur 16 Prozent überwiegend als Partner. 29 Prozent antworteten mit „weder noch“. Im Vergleich dazu wird Russland unter Präsident Wladimir Putin von 76 Prozent als Gegner eingestuft, nur 5 Prozent sehen das Land als Partner.
Großdemonstrationen und Verkehrseinschränkungen in München
Während der Konferenz finden in München zahlreiche Demonstrationen statt:
- Iran-Demo auf der Theresienwiese (12-17 Uhr) mit erwarteten 100.000 Teilnehmern unter dem Motto „Menschenrechte und Freiheit im Iran“
- Traditionelle Nato-kritische Demo vom Stachus zum Rathaus (12.30-17 Uhr) mit 4.000 erwarteten Teilnehmern
- Menschenkette durch die Fußgängerzone vom Stachus zum Marienplatz
- Kundgebung „München steht auf“ am Odeonsplatz (12.40-19 Uhr) mit 3.000 Teilnehmern
- Ukraine-Solidaritätsdemo am Max-Joseph-Platz (13-17 Uhr) mit 3.000 Teilnehmern
- Iran-Regime-kritische Demo am Königsplatz mit 600 erwarteten Teilnehmern
Verkehrsteilnehmer müssen mit erheblichen Einschränkungen rechnen:
- Zwei Sicherheitsbereiche rund um den Promenadeplatz bis Sonntag, 15 Uhr
- Sperrung des Tram-Abschnitts Karlsplatz–Maxmonument von Freitag bis Sonntag
- Mehrere Haltestellen (Lenbachplatz, Marienplatz, National-Theater, Kammerspiele) werden nicht angefahren
- Tram-Linien 19, N19 und 21 werden umgeleitet
- Polizei empfiehlt die Nutzung von U- und S-Bahn
Kurioses und Proteste am Rande der Konferenz
Neben den politischen Diskussionen sorgten auch ungewöhnliche Ereignisse für Aufmerksamkeit:
- Greenpeace-Aktivisten seilten sich von einem Baukran in 60 Metern Höhe ab, um mit einem Banner auf die europäische Abhängigkeit von russischem und amerikanischem Flüssiggas aufmerksam zu machen
- „Tatort“-Dreharbeiten nutzen die Sicherheitskonferenz als Kulisse für einen neuen Münchner Krimi mit dem Ermittlerduo Kalli Hammermann und Nikola Buvak
- US-Außenminister Marco Rubio betonte vor seinem Auftritt die feste transatlantische Verbindung zu Europa
Die Münchner Sicherheitskonferenz 2026 zeigt sich damit als Spiegelbild globaler Spannungen, diplomatischer Neuausrichtungen und gesellschaftlicher Protestbewegungen – alles unter den strengen Sicherheitsvorkehrungen eines Polizei-Großeinsatzes in der bayerischen Landeshauptstadt.



