Die SS im Machtgefüge des NS-Staates
Die Schutzstaffel (SS) war eine zentrale Gliederung der NSDAP. Sie entstand 1925 als paramilitärische Formation, zunächst Teil der SA. Die SS stellte Saalschutz, beteiligte sich an Aufmärschen und trug zu den bürgerkriegsähnlichen Zuständen der späten Weimarer Republik bei – mit Straßenkämpfen, Gewalttaten und Morden. Zugleich verstand sie sich als Wachtruppe im engsten Umfeld Hitlers.
Mitgliedschaft in SS und NSDAP
Nicht jedes SS-Mitglied war automatisch auch in der NSDAP. In der Vorkriegszeit fielen SS- und Parteimitgliedschaft idealerweise teilweise zusammen, aber es war keineswegs zwingend – auch nicht nach 1933.
Entwicklung nach 1933
Nach der Machtübergabe 1933 war die Rolle der SS zunächst unklar. SS-Chef Heinrich Himmler war nur Polizeipräsident von München. Von dort baute er die bayerische politische Polizei auf, einen Vorläufer der Gestapo. Nach dem Röhm-Putsch 1934 wurde die SS eigenständig und erhielt die Erlaubnis, eine bewaffnete Verfügungstruppe aufzubauen – die Keimzelle der Waffen-SS. Bis 1939 wuchs die SS zur Trägerin des nationalsozialistischen Terror- und Verfolgungssystems heran.
Konzentrationslager und Terror
Unter Himmler entstand 1933 in Dachau das erste Muster-Konzentrationslager. Die SS konzentrierte die Kontrolle über die Lager bei sich, unterstellte sich die Kriminal- und Ordnungspolizei und wurde zum Motor des Mordapparats.
Auswahlkriterien für SS-Mitglieder
Anfangs brauchte man zwei Bürgen aus NSDAP oder SS. Später entwickelte das Rasse- und Siedlungshauptamt ein formalisiertes Verfahren mit Ahnenreihen bis 1750 für Offiziere, medizinischen Musterungen und eugenischen Kriterien. In der Praxis wurde dies phasenweise aufgeweicht, etwa nach 1933 mit einer Aufnahmeflut.
Soziale Zusammensetzung
In der SS fanden sich verschiedene Milieus: Arbeitslose, Mittelstand, ehemalige Offiziere, Adlige. Der Anteil gesellschaftlicher Führungsschichten stieg deutlich, auffällig viele Juristen, Ärzte und höhere Beamte traten ein. Die SS gerierte sich als weltanschauliche Eliteorganisation.
Frauen in der SS
Frauen konnten nicht Mitglied der SS werden. In der Waffen-SS entstand ab 1942 das SS-Helferinnenkorps, aber sie waren keine vollwertigen Mitglieder. Ehefrauen von SS-Leuten wurden Teil der Sippengemeinschaft, die Himmler zur Kontrolle der gesamten Familie nutzte – von Ahnenlisten der Bräute bis zu Kinderzahlen und Festgestaltung.
Waffen-SS und Konzentrationslager
Die Allgemeine SS war eine nebenberufliche Formation. Die Verfügungstruppe, aus der die Waffen-SS hervorging, war hauptamtlich militärisch. Die Wachmannschaften der Konzentrationslager (SS-Totenkopfverbände) gehörten zur Waffen-SS. Ab 1943/44 wurden Deutsche per Einberufungsbefehl zur Waffen-SS eingezogen, davor war der Eintritt formal freiwillig.
Verbrechen von SS und Waffen-SS
Die SS war eine verbrecherische Organisation: Gestapo verfolgte Gegner, folterte und ermordete; Konzentrationslager waren Terrorinstrumente; im Krieg kamen Massenverbrechen hinzu – die Ermordung der europäischen Juden, von Sinti und Roma, Massenerschießungen. Auschwitz war ein SS-Vernichtungslager. Beteiligt waren alle Teile der SS, auch die Waffen-SS mit Kriegsverbrechen wie Erschießungen von Kriegsgefangenen und Dorfvernichtungen.
Umgang mit SS-Einträgen in der Nazi-Kartei
Wer einen SS-Eintrag zu einem Vorfahren findet, kann davon ausgehen, dass diese Person SS- oder Waffen-SS-Angehöriger war. Das ist belastend, aber keine Aussage über konkrete Taten. Zur weiteren Recherche empfiehlt sich eine Anfrage beim Bundesarchiv. Die Einordnung erfordert meist fachkundige historische Unterstützung, und selbst dann bleibt oft unklar, ob ein einzelner Mannschaftsdienstgrad konkret an Verbrechen beteiligt war.



