Trump schickt Delegation für Iran-Gespräche nach Islamabad und droht mit Eskalation
Kurz vor dem Auslaufen der vereinbarten Feuerpause im Iran-Krieg am Mittwoch hat US-Präsident Donald Trump seine Bereitschaft zu neuen Verhandlungen angekündigt. Gleichzeitig verknüpft er diese Ankündigung mit massiven Drohungen gegen den Iran. Seine Vertreter seien bereits am Montagabend in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad eingetroffen, schrieb Trump auf der Plattform Truth Social, ohne jedoch Angaben zur Zeitzone zu machen.
Trumps Drohungen und Angebot eines "fairen Deals"
In seiner Mitteilung betonte Trump, dass die USA dem Iran einen "sehr fairen und vernünftigen Deal" anbieten würden. Er äußerte die Hoffnung, dass der Iran dieses Angebot annehmen werde. "Wenn sie es nicht tun, werden die Vereinigten Staaten jedes einzelne Kraftwerk und jede einzelne Brücke im Iran ausschalten", fügte der US-Präsident hinzu und wiederholte damit eine bereits früher ausgesprochene Drohung.
Trump erklärte weiter, es wäre ihm dann eine Ehre, das zu tun, was zu tun sei und was schon andere Präsidenten in den letzten 47 Jahren hätten tun sollen. Es sei an der Zeit, "der iranischen Tötungsmaschine" ein Ende zu setzen. Aus Teheran gab es zunächst keine offiziellen Angaben dazu, ob auch eine iranische Delegation nach Islamabad reisen wird.
Angespannte Lage durch Sperrung der Straße von Hormus
Die ohnehin schon belastete Situation wird durch die erneute Sperrung der strategisch wichtigen Straße von Hormus zusätzlich verschärft. Die iranischen Streitkräfte gehen mit militärischen Mitteln gegen Schiffe vor, die die Meerenge trotz des Verbots passieren wollen. Der Iran begründet diese Maßnahme mit der andauernden US-Blockade von iranischen Häfen und Schiffen, die aus diesen auslaufen oder diese ansteuern wollen.
Trump warf dem Iran seinerseits einen eklatanten Verstoß gegen die Vereinbarung über die Waffenruhe vor. Die Meerenge war nach ihrer überraschenden Freigabe am Freitag keine 24 Stunden offen. In dieser kurzen Zeitspanne passierten nur wenige Schiffe die Wasserstraße, da die Lage als zu unberechenbar eingeschätzt wird.
Iran sieht weiterhin große Differenzen
Aus Teheran wurden vor Trumps Ankündigung bereits klare Signale gesendet, dass weiterhin erhebliche Differenzen zwischen beiden Staaten bestehen. Irans Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf sagte der Nachrichtenagentur Tasnim, man habe zwar gewisse Fortschritte erzielt, doch gebe es weiterhin eine erhebliche Kluft zwischen den Positionen beider Länder.
"Einige Streitpunkte seien zwar gelöst worden, andere Punkte blieben jedoch ungeklärt", so Ghalibaf. Sein Land sei noch "weit von einer endgültigen Einigung entfernt". In einem am Morgen im iranischen Staatsfernsehen ausgestrahlten Interview betonte der Parlamentspräsident zudem, dass sein Land den gesamten Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus kontrolliere.
Internationale Reaktionen und Zwischenfälle
Nach der erneuten Sperrung der Straße von Hormus gehen die iranischen Streitkräfte mit Waffengewalt gegen Schiffe vor, die die Meerenge trotzdem passieren wollen. Wegen mutmaßlichen Beschusses von zwei indisch beflaggten Handelsschiffen bestellte das Außenministerium in Neu-Delhi den iranischen Botschafter ein. In einer offiziellen Erklärung hieß es, man habe die "tiefe Besorgnis Indiens" über den Vorfall übermittelt.
Der Verfolgungsdienst TankerTrackers.com berichtete unter Berufung auf den maritimen Notrufkanal, iranische Revolutionsgarden hätten in der Meerenge zwei Schiffe gewaltsam zurückgedrängt. Betroffen sei unter anderem ein Supertanker gewesen, der zwei Millionen Barrel (rund 272.000 Tonnen) irakisches Rohöl transportierte.
Vorbereitungen in Islamabad laufen auf Hochtouren
In Islamabad laufen seit Tagen die Vorbereitungen für eine neue Verhandlungsrunde. Die Sicherheitsvorkehrungen sind deutlich sichtbar: Die sogenannte Rote Zone mit Botschaften und Regierungsgebäuden, in der bereits die erste Gesprächsrunde stattfand, wurde erneut abgesperrt. Erste Verhandlungen waren eine Woche zuvor ohne konkrete Ergebnisse beendet worden.
Seitens der pakistanischen Regierung wurde offiziell noch nichts zu neuen Verhandlungen in Islamabad mitgeteilt. Kurz nach Trumps Ankündigung teilte das Außenministerium jedoch mit, Ressortchef Ishaq Dar habe in einem Telefonat mit seinem iranischen Kollegen Abbas Araghtschi betont, ein kontinuierlicher Dialog sei entscheidend, um die aktuellen Spannungen rasch zu entschärfen und Frieden sowie Stabilität in der Region zu fördern.
Weitere regionale Spannungen
Auch die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz im Jemen drohte mit neuen Angriffen auf Handelsschiffe. Der ranghohe Huthi-Vertreter Hussein al-Essi sprach zudem von einer möglichen Schließung der Meerenge Bab al-Mandab, die den Suezkanal und Europa vom Indischen Ozean und Asien trennt.
Durch den Iran-Krieg im Persischen Golf gestrandete Kreuzfahrtschiffe konnten die Straße von Hormus dagegen passieren und sind auf dem Weg nach Europa - allerdings ohne Passagiere an Bord. Darunter befinden sich "Mein Schiff 4" und "Mein Schiff 5" von TUI Cruises sowie die "MSC Euribia" der Schweizer Gesellschaft MSC.
Der Verband Deutscher Reeder (VDR) in Hamburg erklärte deutlich: "Ohne belastbare Sicherheitsgarantien kann es keine nachhaltige Normalisierung des Schiffsverkehrs in dieser für den Welthandel zentralen Region geben."
Hintergrund des Konflikts
Am 28. Februar hatten die USA und Israel einen Krieg gegen den Iran begonnen. Dieser reagierte mit Raketenbeschuss und attackierte Ziele in Israel und der gesamten Golfregion. Während die vereinbarte Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran bislang hält, gilt seit Freitag auch im Libanon eine Feuerpause zwischen Israel und der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz. Diese Waffenruhe läuft am kommenden Wochenende aus und könnte weitere Spannungen in der Region auslösen.



