Trump vollzieht überraschende Kehrtwende und verlängert Waffenruhe
US-Präsident Donald Trump hat in einer überraschenden Entscheidung die Waffenruhe mit dem Iran einseitig verlängert. Auf der Plattform Truth Social erklärte er, auf Bitten Pakistans werde er von weiteren Angriffen absehen, bis die iranische Führung einen "geeinten Vorschlag" zur Beilegung des Konflikts vorlege. Diese Ankündigung markiert eine deutliche Kehrtwende, nachdem Trump am Vortag eine Verlängerung der Feuerpause noch als "sehr unwahrscheinlich" bezeichnet hatte.
Iran reagiert mit Misstrauen und Drohungen
Die iranische Seite zeigt sich äußerst misstrauisch gegenüber Trumps Ankündigung. Die Nachrichtenagentur Tasnim berichtete unter Berufung auf Quellen, Teheran habe keine Verlängerung der Waffenruhe erbeten. Ein Berater des iranischen Parlamentspräsidenten Mohammed Bagher Ghalibaf wies Trumps Erklärung auf der Plattform X als bedeutungslos zurück und warnte: "Die Verliererseite kann die Bedingungen nicht diktieren."
Besonders kritisch sieht der Iran die Fortsetzung der US-Seeblockade iranischer Häfen. Außenminister Abbas Araghtschi bezeichnete diese Blockade auf X als "kriegerischen Akt" und damit als Verstoß gegen die Waffenruhe. Ein Sprecher der Revolutionsgarden drohte, die für den globalen Ölhandel entscheidende Straße von Hormus notfalls mit Gewalt freizukämpfen, solange die US-Blockade andauere.
Fragiles Patt und militärische Bereitschaft
Der Nahost-Experte Thomas Juneau von der University of Ottawa beschreibt die aktuelle Lage als "fragiles Patt". Beide Seiten würden erwarten, dass die Gegenseite zuerst nachgibt, während beide vorerst die Wiederaufnahme der Kämpfe vermeiden wollten. Der Iran glaube, dass Trump angesichts wachsender innenpolitischer Unzufriedenheit und der bevorstehenden Zwischenwahlen zögern werde, den Krieg wieder aufzunehmen.
Auf iranischer Seite bleibt die militärische Bereitschaft hoch. Ein Sprecher des iranischen Militärs betonte auf X, man bleibe in "höchster Alarmbereitschaft" und sei bereit, auf Bedrohungen "schnell und entschieden" zu reagieren. Ein Kommandeur der Revolutionsgarden nannte laut der Agentur Fars sogar Ölfelder und Raffinerien in benachbarten Golfstaaten als potenzielle Ziele, sollten diese den USA und Israel weiterhin die Nutzung ihres Territoriums erlauben.
Wirtschaftliche Auswirkungen und internationale Reaktionen
An den Ölmärkten zeichnet sich trotz der verlängerten Waffenruhe keine echte Entspannung ab. Die Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni kostete vor Trumps Ankündigung erstmals seit über einer Woche wieder über hundert Dollar und liegt aktuell bei 99 Dollar. US-Finanzminister Scott Bessent betonte die wirtschaftliche Wirkung der Seeblockade: "Die Beschränkung des iranischen Seehandels zielt direkt auf die wichtigsten Einnahmequellen des Regimes ab."
International reagierte vor allem Pakistan positiv auf die Entscheidung. Premierminister Shehbaz Sharif dankte Trump auf X, Islamabads Ersuchen nach einer Verlängerung der Waffenruhe nachgekommen zu sein, "um die laufenden diplomatischen Bemühungen fortsetzen zu können." Gleichzeitig berichtete Tasnim, dass iranische Vertreter nicht zu neuen Verhandlungen nach Pakistan reisen würden.
Militärische Planungen und unklare Zukunft
Für die Zeit nach einem möglichen Ende der Kampfhandlungen treffen sich derzeit Militärs aus 30 Ländern im britischen Militärhauptquartier Northwood in London. Das zweitägige Planungstreffen unter Leitung Großbritanniens und Frankreichs soll einen neutralen Marineeinsatz zur Sicherung der Straße von Hormus vorbereiten. Auch Deutschland erwägt einen Beitrag zur Minenräumung und Seeaufklärung.
Unklar bleibt vorerst, wie sich Israel positioniert. Vom Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu gab es zunächst keine Reaktion auf Trumps Ankündigung. Beobachter vermuten, dass beide Seiten weiterhin auf Zeit spielen, während die Gefahr einer erneuten Eskalation jederzeit bestehen bleibt.



