Trumps Rede im Faktencheck: Wo seine Erfolgsbilanz nicht hält, was sie verspricht
Trumps Rede im Faktencheck: Wo die Bilanz wackelt

Trumps große Rede im Faktencheck: Wo die Erfolgsstorys der Realität nicht standhalten

Washington. In seiner jüngsten Rede zur Lage der Nation hat US-Präsident Donald Trump die politischen Errungenschaften seiner Regierung ausführlich hervorgehoben. Doch nicht immer lag der Republikaner mit seinen Aussagen richtig, wie ein umfassender Faktencheck der Deutschen Presse-Agentur (dpa) deutlich macht. Die Analyse zeigt, wo Rede und Realität teils erheblich auseinanderklaffen.

Wirtschaftliche Aussagen unter der Lupe

„Ich übernahm ein Land in der Krise mit einer stagnierenden Wirtschaft.“ Diese Behauptung Trumps hält einer Überprüfung nicht stand. Zwar waren viele Wähler bei der vergangenen Präsidentschaftswahl wegen steigender Preise in den USA unzufrieden, doch die Wirtschaft stagnierte damals keineswegs. Unter Trumps demokratischem Vorgänger Joe Biden lag das inflationsbereinigte Wirtschaftswachstum in den Jahren 2023 und 2024 bei respektablen 2,9 und 2,8 Prozent. Im Jahr 2025, als Trumps zweite Amtszeit am 20. Januar begann, waren es immerhin noch 2,2 Prozent.

„Heute arbeiten mehr Menschen als jemals zuvor in der Geschichte unseres Landes.“ Im Januar 2026 waren tatsächlich mit 158,6 Millionen US-Beschäftigten mehr Menschen in Arbeit als je zuvor. Dies ist bei kontinuierlichem Wirtschaftswachstum allerdings erwartbar, da auch die Bevölkerung auf mehr als 342 Millionen angewachsen ist. Entscheidender ist die Erwerbstätigenquote, also der Anteil derjenigen, die beschäftigt waren oder aktiv nach einem Arbeitsplatz suchten. Diese lag unter Trump im Januar 2026 mit 62,5 Prozent genauso hoch wie unter Biden im Januar 2024.

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Inflations- und Steuerbehauptungen

„Die Inflation sinkt rapide.“ Die Inflation hat sich zu Beginn dieses Jahres tatsächlich überraschend deutlich abgeschwächt, liegt aber weiterhin über dem Zielwert der US-Notenbank Federal Reserve. Im Jahresvergleich stiegen die Verbraucherpreise im Januar 2026 um 2,4 Prozent, während die Fed eine Rate von etwa 2 Prozent anstrebt. Einen Höchststand von mehr als 9 Prozent gab es infolge der Corona-Pandemie im Sommer 2022 unter Biden. Doch schon in dessen Amtszeit ging diese extreme Preissteigerung zurück: In seinem letzten vollen Monat im Amt (Dezember 2024) lag sie bei 2,9 Prozent.

Trumps Steuergesetz beinhalte „die größten Steuersenkungen in der Geschichte der Vereinigten Staaten“. Die konservative Denkfabrik Tax Foundation sieht dies anders. Ihrer Berechnung nach ist das große Gesetzespaket aus dem vergangenen Jahr im Verhältnis zur jeweiligen Wirtschaftsleistung die sechstgrößte Steuersenkung in der US-Geschichte – hinter Maßnahmen etwa der früheren Präsidenten Ronald Reagan und Barack Obama. Trumps Gesetz von 2025 bringt den amerikanischen Steuerzahlern zwar gewisse Vergünstigungen, unter anderem bei Trinkgeldern oder Überstunden, doch von den größten Steuersenkungen der Geschichte kann keine Rede sein.

Investitionszusagen und Medikamentenpreise

„Innerhalb von 12 Monaten habe ich Zusagen [für Investitionen] für mehr als 18 Billionen Dollar aus aller Welt erhalten.“ Diese Aussage ist schlicht falsch. Das Weiße Haus selbst schreibt auf seiner Website von insgesamt 9,7 Billionen US-Dollar privaten und ausländischen Investitionen, also nur etwa der Hälfte des von Trump genannten Betrags. Darin enthalten sind auch allgemeine Zusagen und bereits zuvor angekündigte Projekte. Manche Experten halten solche Zusagen zudem für sehr unrealistisch. Dem Weißen Haus zufolge haben etwa Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate jeweils Investitionen von mehr als einer Billion Dollar zugesagt, was weit mehr wäre als ihr jeweiliges Bruttoinlandsprodukt.

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Trump habe den Preis von verschreibungspflichtigen Medikamenten um „300 Prozent, 400 Prozent [...] und mehr“ gesenkt. Das ist mathematisch unmöglich. Nach einer Reduktion von 100 Prozent liegt ein Preis bei null. Eine Senkung um mehr als 100 Prozent würde theoretisch bedeuten, dass die Patienten für die Einnahme von Medikamenten bezahlt werden. Zwar haben jüngst mehrere große Pharmaunternehmen mit der Trump-Regierung Verträge zur Preissenkung abgeschlossen. Nach einer Analyse des US-Unternehmens für Arzneimittelpreisforschung 46brooklyn aber haben auch diese Firmen jüngst die Preise für bestimmte Medikamente erhöht.

Grenzsicherheit und Einwanderung

„Der Zustrom des tödlichen Fentanyls über unsere Grenze ist innerhalb eines Jahres um rekordverdächtige 56 Prozent gesunken.“ Es ist unmöglich zu wissen, wie groß die Menge an Fentanyl ist, die tatsächlich in die USA gelangt. Trump bezieht sich anscheinend auf Beschlagnahmungen der Droge. Nach Angaben der Grenzschutzbehörde CBP ist die Menge im ersten Jahr der zweiten Trump-Amtszeit im Vergleich zum letzten Biden-Amtsjahr tatsächlich etwa um rund die Hälfte zurückgegangen. Diese Werte geben aber nur an, wie viel Fentanyl daran gehindert wurde, in die USA zu gelangen – und nicht, wie viel tatsächlich ins Land gekommen ist.

„In den letzten neun Monaten wurden keine illegalen Einwanderer in die Vereinigten Staaten aufgenommen.“ Diese Behauptung ist deutlich übertrieben. Es stimmt zwar, dass unter Trump die Zahl der Festnahmen wegen illegaler Grenzübertritte auf den niedrigsten Stand seit Jahrzehnten sank, sie liegt aber nicht bei null. Die Grenzpolizei verzeichnete etwa im Januar 2026 etwas mehr als 6.000 illegale Grenzübertritte an der Grenze zwischen den USA und Mexiko. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es allerdings noch gut 29.000.

Friedensbemühungen und Konfliktlösungen

„In meinen ersten zehn Monaten habe ich acht Kriege beendet.“ Auch diese Aussage ist stark übertrieben. Trump bezieht sich in seiner Rede auf die Konflikte zwischen:

  • Kambodscha und Thailand
  • Pakistan und Indien
  • Kosovo und Serbien
  • Israel und den Iran
  • Ägypten und Äthiopien
  • Armenien und Aserbaidschan
  • den Kongo und Ruanda
  • sowie den Gazakrieg

Doch nicht alle diese Konflikte sind tatsächlich Kriege, und in nicht allen schweigen die Waffen oder gilt der Konflikt als gelöst. Es stimmt zwar, dass die USA eine wichtige Vermittlerrolle etwa zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas für ein Schweigen der Waffen im Gazastreifen übernahmen. Indien wiederum wies nach dem Konflikt mit Pakistan Trumps Aussagen zu einer erfolgreichen US-Vermittlerrolle zurück. Der Konflikt zwischen der Demokratischen Republik Kongo und dem benachbarten Ruanda eskalierte auch nach der Unterzeichnung eines Friedensabkommens im Sommer 2025 in Washington in Trumps Beisein weiter. Im Fall von Kosovo und Serbien wiederum gibt es kaum Anzeichen dafür, dass sich ein Krieg anbahnen könnte.

Der Faktencheck zeigt deutlich, dass viele der in Trumps Rede zur Lage der Nation getroffenen Aussagen einer kritischen Überprüfung nicht standhalten. Während einige Behauptungen schlicht falsch sind, stellen andere die Realität verzerrt oder übertrieben dar.