Ukraine-Krieg: Feuerpause scheitert an Drohnenhagel
Ukraine-Krieg: Feuerpause scheitert an Drohnenhagel

In der ersten Nacht der von Moskau einseitig ausgerufenen Waffenruhe hat die Ukraine mit massiven Drohnen- und Raketenangriffen schwere Schäden in Russland verursacht. Besonders betroffen war die südrussische Region Rostow, wie offizielle Stellen bestätigten. Es ist bereits der zweite Versuch einer Feuerpause, der kurz vor dem Scheitern steht.

Hintergrund der Feuerpause

Russland hatte die ab Mitternacht geltende Waffenruhe ausgerufen, um die Feierlichkeiten zum Tag des Sieges am 9. Mai ungestört abhalten zu können. Im Fokus steht die Militärparade in Moskau vor Kremlchef Wladimir Putin, an der auch in der Ukraine eingesetzte Kämpfer teilnehmen sollen. Allerdings hatte Russland zuvor eine von Kiew ab dem 6. Mai verkündete Feuerpause ignoriert. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte daraufhin „spiegelbildliche“ Aktionen an, die nun in großem Umfang erfolgten.

Schäden in der Region Rostow

Gouverneur Juri Sljussar meldete bei Telegram Zerstörungen durch Drohnentrümmer in mehreren Städten, darunter Rostow am Don, Taganrog und Bataisk. Private Wohnhäuser und ein Lkw wurden beschädigt, in einem Verwaltungsgebäude brach ein Brand aus. Das russische Verkehrsministerium teilte mit, dass eine Drohne ein regionales Flugleitzentrum beschädigt habe. Dreizehn Flughäfen in Südrussland, darunter Sotschi, Krasnodar und Wolgograd, wurden geschlossen, wodurch 14.000 Passagiere festhingen. Rostow selbst wird seit Kriegsbeginn nicht mehr von zivilen Fluggesellschaften angeflogen. Ukrainische Telegram-Kanäle veröffentlichten Videos, die schwere Brände zeigen, die bis zum Morgen anhielten. Eines der getroffenen Objekte soll ein Rüstungskonzern sein, was unabhängig nicht bestätigt werden konnte.

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Raffinerien im Visier

Auch die Stadt Jaroslawl, knapp 300 Kilometer nordöstlich von Moskau, meldete Einschläge. Laut dem Internetportal „Astra“ war erneut die dortige Raffinerie Ziel der Attacken. Auf Videos und Bildern sind schwere Brände zu sehen. Gouverneur Michail Jewrajew bestätigte den Beschuss eines Industrieobjekts, ohne die Raffinerie konkret zu nennen. Der Brand sei schnell gelöscht worden. Die Region Perm am Ural geriet ebenfalls unter Beschuss. Es war die vierte Drohnenattacke auf die mehr als 1.500 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernte Region. Gouverneur Dmitri Machonin meldete Treffer auf Industriezonen, aber keine Toten oder Verletzten. Nach Angaben von „Astra“ wurde erneut eine Ölraffinerie getroffen, die bereits zweimal zuvor schwer in Brand geraten war.

Luftalarm und Abwehr

In zahlreichen russischen Regionen herrschte in der Nacht Luftalarm. In der tschetschenischen Hauptstadt Grosny soll eine Basis des Geheimdienstes FSB getroffen worden sein. Das russische Verteidigungsministerium gab an, die Flugabwehr habe nach Mitternacht insgesamt 264 Drohnen abgeschossen. Auch Moskau wurde angegriffen; Bürgermeister Sergej Sobjanin meldete den Abschuss von 30 Drohnen, die auf die Hauptstadt zusteuerten.

Gegenseitige Vorwürfe

An der Front gehen die Kämpfe weiter. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, ukrainische Verbände hätten mit Drohnen und Artillerie Positionen der eigenen Einheiten sowie zivile Objekte in den Grenzgebieten Belgorod und Kursk beschossen. Insgesamt habe die Ukraine mehr als 1.300 Mal gegen die Waffenruhe verstoßen. Präsident Selenskyj warf dem russischen Militär hingegen vor, die Feuerpause nicht einzuhalten. „Alles deutet darauf hin, dass es von der russischen Seite nicht mal zum Schein einen Versuch gab, das Feuer an den Fronten einzustellen“, schrieb er bei Telegram. Russland habe bis zum Morgen mehr als 850 Drohnen eingesetzt, über 140 Mal ukrainische Positionen beschossen und ein Dutzend Sturmversuche unternommen. Beide Seiten beanspruchen, auf die Angriffe des Gegners „spiegelbildlich zu antworten“.

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