Stummer Protest gegen Verrohung der politischen Debatte
In einer dramatischen Szene im US-Repräsentantenhaus wurde der demokratische Abgeordnete Al Green (78) aus Texas nach einem stillen Protest gegen Präsident Donald Trump aus dem Saal geführt. Der Politiker hielt während Trumps Rede zur Lage der Nation ein weißes Schild hoch, auf dem in englischer Sprache stand: „Black people aren't apes“ – zu Deutsch: „Schwarze sind keine Affen“.
Hintergrund: Rassistisches Video auf Trumps Social-Media-Account
Der Protest richtete sich gegen ein Video, das Anfang Februar auf dem offiziellen Social-Media-Account des US-Präsidenten veröffentlicht worden war. In dem Clip wurden der frühere Präsident Barack Obama (64) und dessen Ehefrau Michelle Obama (62) als Affen dargestellt. Das Material löste landesweit Empörung aus und wurde später vom Weißen Haus gelöscht. Trump behauptete, er habe das Video vor der Veröffentlichung nicht gesehen, und schob die Verantwortung einem Mitarbeiter zu.
Ex-Präsident Obama reagierte in einem Interview auf den Vorfall und beklagte das zunehmende Fehlen von „Scham“ und „Anstand“ in der Politik. Die meisten US-Bürger würden ein solches Verhalten als zutiefst verstörend empfinden, so Obama.
Wortgefecht und Eskalation im Plenarsaal
Nachdem Green sein Schild präsentiert hatte, versuchten mehrere republikanische Abgeordnete erfolglos, ihm das Plakat zu entreißen. Es entwickelte sich ein kurzes Wortgefecht, bevor Sicherheitskräfte den Demokraten schließlich aus dem Saal führten. Für Green war dies nicht der erste Vorfall dieser Art: Bereits am 4. März 2025 war er wegen eines Zwischenrufs während einer Kongresssitzung aus dem Saal verwiesen und später offiziell gerügt worden.
Weitere demokratische Proteste gegen den Präsidenten
Green war bei seinem aktuellen Protest nicht allein. Die demokratischen Abgeordneten Rashida Tlaib (49) und Ilhan Omar (43) erhoben sich wiederholt von ihren Sitzen und riefen Trump lautstark zu: „Sie haben Amerikaner getötet!“ und „Sie sollten sich schämen!“. Sie bezeichneten den Präsidenten sogar als „Mörder“ und „Lügner“.
Eine weitere Demokratin, Norma Torres (60), hielt das Schild des von Beamten der US-Einwanderungsbehörde ICE in Minnesota getöteten US-Bürgers Alex Pretti (†37) hoch. Später forderten die Abgeordneten Trump auf, sämtliche Akten im Zusammenhang mit dem verstorbenen Finanzier Jeffrey Epstein zu veröffentlichen.
Trumps Reaktion und parteipolitische Spaltung
Der Präsident ließ sich von den Protesten nur kurz aus der Ruhe bringen und ging sofort in den Angriffsmodus über. Er entgegnete: „Diese Leute sind verrückt!“ Applaus dafür erhielt er ausschließlich aus den Reihen der Republikaner, während die meisten anderen Demokraten mit regungsloser Miene sitzen blieben. Die Szene verdeutlichte erneut die tiefe politische Spaltung in den Vereinigten Staaten.
Der Vorfall wirft grundsätzliche Fragen über den Umgangston in der politischen Debatte auf und zeigt, wie emotional aufgeladen die Atmosphäre im US-Kongress mittlerweile ist. Die Protestaktionen der Demokraten signalisieren eine zunehmende Unversöhnlichkeit zwischen den politischen Lagern, die über konkrete politische Inhalte hinausgeht und fundamentale Wertefragen berührt.



