Gespräche in Islamabad ohne Durchbruch: USA und Iran bleiben in Atomstreit festgefahren
Nach der ersten Runde direkter Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran seit Kriegsbeginn zeigt sich keine Annäherung in der zentralen Frage des Atomprogramms. US-Vizepräsident JD Vance sprach zwar von "echten Fortschritten" während der Gespräche in Pakistan am Wochenende, betonte jedoch, dass nun die iranische Führung in Teheran Zugeständnisse machen müsse.
Vance benennt zwei Kernforderungen an den Iran
In einem Interview mit Fox News konkretisierte Vance die amerikanischen Positionen. Den USA gehe es vor allem darum, das hochangereicherte Uran außer Landes zu schaffen und Teheran dauerhaft an einer erneuten Urananreicherung zu hindern. "In diesen beiden Punkten sind die Iraner auf uns zugekommen", sagte der Vizepräsident, "aber sie haben sich nicht weit genug bewegt." Ob und wann weitere Verhandlungsrunden folgen werden, ließ Vance bewusst offen.
Medien: USA fordern 20-jähriges Uran-Moratorium
Medienberichten zufolge haben die Vereinigten Staaten eine überraschend langfristige Forderung gestellt. Dem Nachrichtenportal "Axios" und dem "Wall Street Journal" liegen Informationen vor, wonach Washington ein 20-jähriges Moratorium für die Urananreicherung verlangt. Diese Position würde eine deutliche Abweichung von bisherigen Äußerungen von US-Präsident Donald Trump darstellen, der erst kürzlich betonte, es werde überhaupt keine Urananreicherung geben.
Der Iran hat nach Informationen amerikanischer Medien seinerseits einen Vorschlag unterbreitet, der einen deutlich kürzeren Verzicht vorsieht. "Axios" spricht von einem Zeitraum im einstelligen Bereich, während das "Wall Street Journal" von wenigen Jahren berichtet.
Iranischer Präsident macht USA Verantwortung für Scheitern
Der iranische Präsident Massud Peseschkian wies die Schuld für das Scheitern der Friedensgespräche deutlich den Vereinigten Staaten zu. In einem Telefonat mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron kritisierte er laut dem staatlichen Sender PressTV "überzogene Forderungen" und den "mangelnden politischen Willen hochrangiger US-Beamter". Diese Faktoren hätten eine Einigung verhindert.
USA verschärfen Sanktionen und blockieren Straße von Hormus
Als Reaktion auf die ergebnislosen Verhandlungen verschärfte die US-Regierung ihren Kurs gegenüber dem Iran. Ab Montagnachmittag sollte die strategisch wichtige Straße von Hormus für alle Schiffe blockiert werden, die iranische Häfen anlaufen oder verlassen wollen. Diese Ankündigung erfolgte durch das US-Regionalkommando Centcom.
Nach Informationen des "Wall Street Journal" erwägen Trump und seine Berater zudem, begrenzte Militärschläge im Iran wieder aufzunehmen. Diese Eskalation stößt international auf Kritik.
Deutsche und internationale Reaktionen
Vizekanzler Lars Klingbeil äußerte deutliche Bedenken gegenüber der amerikanischen Blockadepolitik. "Das führt alles dazu, dass die Lage noch instabiler wird und dass wir wirtschaftliche Konsequenzen bei Energiepreisen und Lieferketten weiter auch bei uns spüren", sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Niemand habe Sympathien für die Führung in Teheran, aber "das ist ein Scherbenhaufen, den die Amerikaner im Iran angerichtet haben."
UN-Generalsekretär António Guterres mahnte beide Seiten, trotz des Rückschlags am Verhandlungstisch zu bleiben. Die Gespräche in Islamabad hätten die "Ernsthaftigkeit des Engagements" betont und stellten somit einen bedeutenden Schritt hin zu einem neuen Dialog dar. "Angesichts der tief verwurzelten Differenzen kann eine Einigung nicht über Nacht erzielt werden", teilte sein Sprecher mit.
Vance pocht auf baldiges Kriegsende
Trotz der ungewissen Aussichten in den Verhandlungen betonte Vance, dass die USA ihre militärischen Ziele erreicht hätten und ihr Engagement langsam zurückfahren könnten. "Der Präsident hat gesagt, dass das nicht für immer andauern würde", erklärte der Vizepräsident. Trump hatte die Dauer des Krieges zu Beginn der Kämpfe nach eigener Aussage auf maximal vier Wochen geschätzt, später wurde dieser Zeitrahmen auf vier bis sechs Wochen erweitert. Dieser Zeitrahmen war am vergangenen Wochenende abgelaufen.
Ob es zu einer weiteren Verhandlungsrunde kommt, bleibt ungewiss. Unbestätigten Berichten zufolge könnte bereits an diesem Donnerstag ein zweites Treffen stattfinden. Die Positionen beider Seiten liegen jedoch nach wie vor weit auseinander, und eine schnelle Einigung erscheint unwahrscheinlich.



