G7-Krise: Wadephul ringt nach US-Kritik um Zusammenhalt der Demokratien
Wadephul ringt nach US-Kritik um G7-Zusammenhalt

G7-Treffen unter Spannung: Wadephul sucht Brücken zu Washington

Im französischen Vaux-de-Cernay ringt Außenminister Johann Wadephul um den Zusammenhalt der G7-Staaten nach massiver Kritik aus Washington. Der CDU-Politiker nahm an dem zweitägigen Treffen der Außenminister der wirtschaftsstarken Demokratien teil, das von deutlichen Differenzen zwischen den USA und ihren europäischen Partnern überschattet wurde.

US-Kritik belastet G7-Atmosphäre

US-Außenminister Marco Rubio hatte bereits vor seinem Abflug nach Paris wenig versöhnliche Töne angeschlagen und sich hinter die scharfe Kritik von Präsident Donald Trump gestellt. Der US-Präsident hatte Deutschland und europäischen Nato-Verbündeten vorgeworfen, im Krieg mit Iran nicht geholfen zu haben, obwohl die USA darum gebeten hätten. Rubio betonte zudem, die Bedrohungen der globalen Schifffahrt durch den Iran stellten einen klaren Verstoß gegen das Völkerrecht dar.

Wadephul kommentierte die angespannte Stimmung mit den Worten: „Die Stimmung ist eine Arbeitsatmosphäre. Sie ist ernst, weil die Lage ernst ist.“ Der deutsche Außenminister räumte ein, dass die gleichzeitigen Konflikte in der Ukraine und im Iran „ganz automatisch eine Belastungssituation für unsere Wirtschaft, für unsere Gesellschaften, natürlich auch für unseren Zusammenhalt“ darstellten.

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Wadephuls diplomatische Bemühungen

In einem ersten kurzen Gespräch mit Rubio am Rande der Beratungen versuchte Wadephul, Brücken zu bauen. Er verdeutlichte die Bereitschaft Deutschlands, nach Ende der Kampfhandlungen eine Rolle bei der Sicherung des Schiffsverkehrs in der strategisch wichtigen Straße von Hormus zu übernehmen. „Man werde den Austausch vertiefen“, betonte der Minister.

Gleichzeitig mahnte Wadephul zur Geschlossenheit angesichts der engen Zusammenarbeit zwischen Iran und Russland: „Da Iran und Russland auf das Engste zusammenarbeiteten, müssen wir noch enger zusammenstehen.“ Zur G7-Runde gehören neben Deutschland und den USA auch Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan und Kanada.

Sorge um Ukraine-Unterstützung

Ein zentrales Thema des Treffens war die weitere Unterstützung der Ukraine. Wadephul warnte davor, dass die Hilfe für Kiew wegen des Iran-Kriegs weiter bröckeln könnte: „Es darf keine Abstriche geben, wenn es um die Aufrechterhaltung der Verteidigungsfähigkeit der Ukraine geht.“ Dies würde Kremlchef Wladimir Putin nur in die Hände spielen.

Der Bundesaußenminister kritisierte Putins Kalkül: „Putin hofft auf zynische Weise, dass die Eskalation im Nahen Osten unsere Aufmerksamkeit von seinen Verbrechen in der Ukraine ablenkt. Dieses Kalkül darf nicht aufgehen.“ Wadephul forderte, der Druck auf Russland müsse hoch bleiben – etwa durch Sanktionen, ein Vorgehen gegen die russische Schattenflotte und Druck auf den russischen Energiesektor.

Unterschiedliche Positionen innerhalb der G7

Während Wadephul die europäischen Partner in die Pflicht nahm, erinnerte er auch die USA an ihre Verantwortung. Die Vereinigten Staaten hatten erst kürzlich Sanktionen auf russische Öl-Lieferungen zeitweise gelockert. „Das ist eine Aufgabe aller G7-Partner“, betonte der deutsche Außenminister.

US-Außenminister Rubio äußerte sich während des Treffens nicht vor der Presse, schrieb aber auf der Plattform X, er habe erneut betont, dass Präsident Trump bestrebt sei, schnellstmöglich einen Waffenstillstand und eine Verhandlungslösung im Ukraine-Krieg zu finden. Rubio war im Gegensatz zu seinen Kollegen erst am zweiten Tag des G7-Treffens angereist, was die besondere Dynamik des diplomatischen Zusammentreffens unterstrich.

Die G7-Beratungen in Frankreich zeigen deutlich, wie die gleichzeitigen internationalen Krisen den Zusammenhalt der demokratischen Staaten auf eine harte Probe stellen. Wadephuls diplomatisches Geschick wird in den kommenden Wochen weiter gefordert sein, um trotz transatlantischer Differenzen eine gemeinsame Linie zu finden.

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