AfD gewinnt erstmals Bürgermeisterwahl in Brandenburg
AfD siegt bei Bürgermeisterwahl in Zehdenick

Erstmals hat die vom Brandenburger Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextrem“ eingestufte AfD eine Bürgermeisterwahl in Brandenburg gewonnen. Am Sonntag setzte sich ihr Bewerber René Stadtkewicz in Zehdenick (Kreis Oberhavel) mit 58,4 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang gegen den FDP-Bewerber Stephan von Hundelshausen durch, der 28,6 Prozent errang. Kandidaten von CDU, SPD, Linken oder Grünen waren nicht zur Bürgermeisterwahl in Zehdenick angetreten.

Bereits der vierte Bürgermeister seit 2019

Die Stadt Zehdenick hat bei Bürgermeisterwahlen eine unrühmliche Geschichte: Seit Juni 2019 ist Stadtkewicz der bereits vierte Bürgermeister der Havelstadt. Zwei der drei Bürgermeister, die in dieser Zeit im Zehdenicker Rathaus saßen, wurden abgewählt, einer gab sein Amt aus gesundheitlichen Gründen auf.

Der nun siegreiche Kandidat Stadtkewicz kommt ursprünglich aus Berlin, wo er für die CDU dem Abgeordnetenhaus angehörte. Dort engagierte er sich gegen den Bau der Ahmadija-Moschee in Pankow-Heinersdorf. 2009 trat er aus der CDU aus, blieb aber zunächst noch Mitglied der Abgeordnetenhausfraktion. Aus ihr wurde er 2010 ausgeschlossen, nachdem er den niederländischen Rechtsextremisten Geert Wilders nach Berlin eingeladen hatte. Nachdem er zwischenzeitlich die rechte Splitterpartei „Die Freiheit“ gründete, gehört Stadtkewicz seit 2024 der AfD an. Bereits bei der letzten Bürgermeisterwahl in Zehdenick, die erst Anfang 2025 stattfand, hatte Stadtkewicz es in die Stichwahl geschafft, war damals aber noch unterlegen.

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AfD-Landeschef spricht von Vorgeschmack

„Das Ergebnis von Zehdenick zeigt: Die AfD ist längst keine Protesterscheinung, sondern eine politische Kraft mit starkem Rückhalt in der Bevölkerung“, sagte AfD-Landeschef René Spinger. „Zehdenick ist ein Vorgeschmack darauf, was in Brandenburg noch kommen wird: Immer mehr Bürger vertrauen der AfD Verantwortung vor Ort an und entscheiden sich für einen echten politischen Neuanfang.“

FDP-Landeschef Zyon Braun bedauerte den Sieg von Stadtkewicz. „Wir freuen uns über den Zuspruch von einem Viertel der Wähler, aber der Sieg des AfD-Kandidaten trübt unsere Stimmung.“ Nun sei offen, wohin sich Zehdenick entwickele, so Braun. Insbesondere die Unterstützer des AfD-Kandidaten hätten einen teils schmutzigen Wahlkampf geführt. „Wir lassen uns davon nicht beeindrucken: Nur dagegen zu sein, ist für uns kein politisches Konzept.“

In Jüterbog trat Bürgermeister der AfD bei

Stadtkewicz ist indes nicht der erste Bürgermeister mit AfD-Parteibuch in Brandenburg: Das war der Jüterboger Arne Raue, der 2024 während einer laufenden Wahlperiode in die AfD eintrat und heute für die Partei im Bundestag sitzt. „Zehdenick zeigt aus meiner Sicht, was passiert, wenn die politische Mitte und parteilose Kandidaten versagt haben“, sagte SPD-Generalsekretär Kurt Fischer am Sonntag unserer Redaktion. „Selbst ein parteiloser Bürgermeister war gescheitert.“ Das Ergebnis dort sei sehr klar durch die Ereignisse vor Ort erklärbar, das zeigten die anderen Wahlen im Land.

Bei der Stichwahl im Landkreis Barnim lag der bisherige Landrat Daniel Kurth nach 220 von 229 auszuzählenden Wahllokalen mit 64,9 Prozent der Stimmen uneinholbar vor Matthäus Mikolaszek, der zu diesem Zeitpunkt 35,1 Prozent der Stimmen erhalten hatte. Bei der Bürgermeisterwahl in Panketal lag Amtsinhaber Maximilian Wonke (SPD) nach 17 von 21 Wahlgebieten mit 66,7 Prozent der Stimmen vor dem Landtagsabgeordneten Steffen John (AfD), der 33,3 Prozent der Stimmen holte. In Nordwestuckermark gewann die parteilose Bewerberin Susanne Ramm die Stichwahl.

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