Finanzielle Entlastung: Das sagen Arbeitnehmer zur 1000-Euro-Prämie
Die Bundesregierung will Arbeitnehmer entlasten und schlägt eine steuerfreie 1000-Euro-Prämie vor. Wir haben mit Arbeitnehmern gesprochen und sie nach ihrer Meinung gefragt. Um die durch den Krieg im Iran gestiegenen Lebenshaltungskosten abzumildern, hat die Bundesregierung beschlossen, dass Arbeitgeber ihren Mitarbeitern eine steuerfreie Prämie von 1000 Euro zahlen können. Wir haben Arbeitnehmer in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg gefragt, was sie von dieser Prämie halten.
Arbeitnehmer rechnen nicht mit der Prämie
Dabei zeigt sich, dass vor allem diejenigen, die in kleinen und mittelständischen Unternehmen beschäftigt sind, nicht damit rechnen, diese Prämie zu bekommen. „Wie soll das gehen, in unserer Dreizehn-Mann-Firma freuen wir uns, wenn die Geschäfte so gut laufen, dass der Chef die Kosten decken und uns unser Gehalt bezahlen kann“, sagt ein Mitarbeiter einer Autowerkstatt, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.
„Diese 1000-Euro-Prämie ist ein sehr lustiger Versuch dieser Bundesregierung, dem gemeinen Bürger zu vermitteln, dass etwas für ihn getan werden könnte, wenn denn nur sein Arbeitgeber will“, sagt Petra Conrad aus der Nähe von Neustrelitz. Sie verstehe auch nicht, auf welcher Basis ihr oder ein anderer Arbeitgeber jedem Beschäftigten eine derartige Sonderzahlung überweisen solle, wenn der Staat nicht mindestens die Hälfte davon direkt dazugibt.
Insgesamt sind unsere Leser kritisch, was diese Zahlung angeht, zumal die meisten auch finden, dass die Bundesregierung hier ein Problem auf die Unternehmen abwälzt, das nicht durch diese verursacht ist. „Die Unternehmen leiden doch selbst unter den hohen Spritpreisen und allen anderen Kosten, die aufgrund der weltweiten Situation steigen“, macht Beate Boyens aus Hagenow deutlich. Sie wie auch alle anderen Befragten gehen daher nicht davon aus, dass ihr Arbeitgeber ihnen die Prämie zahlen kann.
Kritik auch aus Brandenburg
Auch in Brandenburg sind die Arbeitnehmer skeptisch, was die Sonderzahlung der 1000-Euro-Prämie angeht. „Ich mache mir da keine großen Hoffnungen, wir haben auch in der Coronakrise keine Prämie von unserem Arbeitgeber bekommen. Ich muss Gott sei Dank nicht so weit zur Arbeit fahren, sodass ich nicht so viel Sprit verbrauche. Ich bin auch sehr viel eigentlich mit dem Fahrrad unterwegs“, sagt Bastian Grunenberg aus der Prignitzer Gemeinde Karstädt.
Er findet aber auch eindeutige Worte in Richtung Regierung. „Da ist die Politik vorgeprescht. Da werden bei Arbeitnehmern Erwartungen geweckt, die nicht eingehalten werden können. Wo soll denn zum Beispiel ein kleiner Handwerksbetrieb das Geld nehmen?“, so Grunenberg.
„Sicherlich brauchen wir eine Entlastung für die Bürger. Die 1000-Euro-Prämie wäre da schon gut. Doch sie wäre einerseits eine Entlastung für die Arbeitnehmer, aber andererseits eine Belastung für die Arbeitgeber. Die Erwartungshaltung der Arbeitnehmer ist sehr hoch. Vielleicht müsste die Regierung noch mal überlegen, ob sie nicht eine andere Lösung finden kann“, so Gerald Neu aus der Prignitzer Gemeinde Rühstädt.
Die meisten Befragten fordern eine andere Lösung. Es könne nicht sein, dass andere europäische Länder wie zum Beispiel Polen die Spritpreise so deckeln können, dass sie erschwinglich bleiben, während in Deutschland die Regierung sich ständig herumstreite und versuche, der Wirtschaft den schwarzen Peter zuzuschieben, sagten uns viele Gesprächspartner.



