Bürgermeister in Rente gewählt: Helmut Knaus siegt in Philippsreut ohne Kandidatur
In einer außergewöhnlichen Wendung bei der Kommunalwahl in Bayern wurde Helmut Knaus, der amtierende Bürgermeister der Gemeinde Philippsreut im Bayerischen Wald, mit einer absoluten Mehrheit von 57,1 Prozent der Stimmen wiedergewählt – obwohl er gar nicht mehr zur Wahl angetreten war. Der 57-jährige Knaus, der seit 2014 im Amt ist, hatte im Februar erklärt, er wolle in Rente gehen und nicht erneut kandidieren. Doch die Wählerinnen und Wähler der kleinen Gemeinde im Landkreis Freyung-Grafenau ließen sich davon nicht abhalten.
Handschriftliche Einträge führen zum Sieg
Nach dem vorläufigen Ergebnis schrieben 216 der 521 Wahlberechtigten den Namen von Helmut Knaus handschriftlich auf ihre Stimmzettel. Die Wahlbeteiligung lag bei beachtlichen 79,7 Prozent. „Ich möchte jetzt in Rente gehen“, hatte Knaus der „Süddeutschen Zeitung“ im Vorfeld gesagt. Doch die Bürger zeigten deutlich, dass sie seinen Rücktritt nicht akzeptieren wollten. Das bayerische Kommunalwahlrecht erlaubt es, Namen von Nicht-Kandidaten per Hand auf dem Wahlzettel einzutragen, was in diesem Fall zu dem überraschenden Ergebnis führte.
Auf Platz zwei landete Josef Springer von der Christlichen Wählergemeinschaft mit 23,5 Prozent der Stimmen. Interessanterweise gab es in Philippsreut offiziell keinen Bürgermeisterkandidaten, wie die lokale Nachrichtenseite PNP.de berichtete. Nach der Wahl sagte Knaus, er werde die Wahl annehmen, obwohl er mit einer Wiederwahl gerechnet habe, „aber nicht mit der absoluten Mehrheit“.
Kommunalwahl in Bayern: Weitere Entscheidungen stehen noch aus
Die Wahl in Philippsreut war Teil der bayernweiten Kommunalwahlen, bei der rund 10,05 Millionen Menschen zur Stimmabgabe aufgerufen waren. Wahlberechtigt waren alle deutschen Staatsangehörigen sowie EU-Bürger, die mindestens 18 Jahre alt sind und seit zwei Monaten in der Kommune leben. Bayernweit werden bei dieser Wahl 39.300 Mandate vergeben, wobei die Zahl der Sitze in den Kommunalparlamenten von der Einwohnerzahl abhängt.
Viele Oberbürgermeister- und Landratswahlen in Bayern werden jedoch erst in zwei Wochen bei den Stichwahlen entschieden. Besonders im Fokus steht die OB-Wahl in München, wo Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) nach Negativschlagzeilen nur 35,6 Prozent erreichte und nun in eine Stichwahl gegen Dominik Krause von den Grünen (29,5 Prozent) muss. Auch in Nürnberg und Augsburg gab es keine klaren Entscheidungen im ersten Wahlgang.
Die Stadtrats-, Gemeinderats- und Kreistagswahlen müssen bis spätestens Mittwoch ausgezählt sein, dann soll ein landesweites Ergebnis vorliegen. Mit Spannung wird erwartet, ob und wie stark die AfD zulegt, die vor sechs Jahren landesweit 4,7 Prozent der Stimmen holte. Die Wahl in Philippsreut zeigt, dass auch in kleinen Gemeinden überraschende Ergebnisse möglich sind, wenn die Wähler ihren Willen deutlich machen.



