Peinlicher Kabel-Murks: Bundeswehr wartet 15 Jahre auf WLAN
Zwar hat Deutschland 2025 erstmals ein Digitalisierungsministerium geschaffen, doch damit sind die erschreckenden Defizite in der deutschen Digitalwelt längst noch nicht behoben. Ein besonders gravierendes Beispiel liefert die Bundeswehr: Seit 15 Jahren kämpft sie mit dem Aufbau eines WLAN-Netzes in ihren Krankenhäusern.
Der Bundesrechnungshof deckt auf
Der Bundesrechnungshof hat in einem Ergänzungsband zu den „Bemerkungen 2025 zur Haushalts- und Wirtschaftsführung des Bundes“ unter anderem aufgelistet, dass die Bundeswehr in ihren vier Krankenhäusern in Berlin, Hamburg, Koblenz und Ulm seit dem Jahr 2015 versucht, Kabel zu verlegen, um eine digitale IT-Infrastruktur aufzubauen. Es klingt wie ein Schildbürgerstreich aus dem 19. Jahrhundert, spiegelt aber die Realität in Deutschland im Jahr 2026 wider.
In dem Bericht der obersten Finanzkontrollbehörde heißt es dazu: Zunächst habe die Bundeswehr seit dem Jahr 2015 versucht, die Krankenhäuser mit der benötigten Datenverkabelung auszustatten. Anschließend sollte ihr IT-Dienstleister Router und Wireless Access Points anschließen, die Netzwerkgeräte installieren und das WLAN flächendeckend in Betrieb nehmen. Weiter schreibt der Bundesrechnungshof: „Im Jahr 2021 beauftragte die Bundeswehr ihren IT-Dienstleister, Tablets ab dem Jahr 2022 zu liefern und zu betreiben. Die Tablets sollten im WLAN eingebunden werden und die medizinische Arbeit unterstützen, etwa bei der Patientendatenerfassung und bei der Visite. Das medizinische Personal sollte die Diagnosedaten, Laborbefunde oder Medikationspläne der Patientinnen und Patienten direkt am Krankenbett mit mobilen Endgeräten einsehen und bearbeiten können. Die Bundeswehr nahm an, bis zum Jahr 2022 die Krankenhäuser verkabelt und WLAN aufgebaut zu haben.“
Letzteres aber stellte sich als fataler Irrtum dar. „Die Bundeswehr schaffte es nicht, diesen Termin zu halten. Sie stellte fest, dass die Datenverkabelung im laufenden Krankenhausbetrieb herausfordernder war als angenommen“, so der Bundesrechnungshof. Ergebnis: „Im Jahr 2025 hatte noch keines der Krankenhäuser eine auskömmliche Datenverkabelung. Der IT-Dienstleister konnte nur in vereinzelten Bereichen WLAN in Betrieb nehmen. Infolgedessen konnten die Krankenhäuser weiterhin keine mobilen Endgeräte und Medizingeräte in ihr Netzwerk einbinden.“
Verzögerungen bis 2030
Daraufhin etablierte die Bundeswehr im Jahr 2025 Teams für jedes Krankenhaus. Diese Teams sollten ab dem Jahr 2026 die Baumaßnahmen mit dem IT-Dienstleister der Bundeswehr und den Bauverwaltungen abstimmen. „Die Bundeswehr erwartet, dass sie dadurch die Datenverkabelung in den vier Krankenhäusern bis zum Jahr 2030 fertig stellen kann“, notiert der Bundesrechnungshof. Das wären dann 15 Jahre nach Beginn des Projektes. Kritisch merkt die Finanzkontrollbehörde an: „Da die Baumaßnahmen erst im Jahr 2030 enden sollen, rückt das WLAN in weite Ferne und die Bundeswehr muss auf nächste Digitalisierungsschritte warten.“
Die Ausrede der Bundeswehr
Und was sagt die Bundeswehr beziehungsweise das Bundesverteidigungsministerium zu diesem peinlichen Vorgang? Die Datenverkabelung in den Krankenhäusern müsse im laufenden Betrieb erfolgen. Dies sei eine große Herausforderung, da Störungen und Ausfälle des Krankenhausbetriebes – mit möglicherweise weitreichenden Folgen – zu vermeiden seien. Die Einzelbetrachtung eines jeden Krankenhauses sei unumgänglich. Gleichzeitig schiebt das Ministerium den Schwarzen Peter weiter: „Die baulichen Verzögerungen seien aber auch von Faktoren abhängig, welche die Bundeswehr nicht beeinflussen könne. Hierzu zählten die ausgelasteten Bauverwaltungen, aber auch schlechte oder zögerliche Ausführungen der Arbeiten durch Bauunternehmen.“
Für den Bundesrechnungshof ist klar: „Das Bundesverteidigungsministerium sollte dafür sorgen, dass die Bundeswehr beim WLAN-Ausbau in den Krankenhäusern entschlossen agiert. Nur dann kann es den eigenen Ansprüchen der Digitalisierung gerecht werden und zu einer modernen und leistungsfähigen Bundeswehr beitragen.“ Schließlich wolle das Verteidigungsministerium die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr durch die Digitalisierung erhöhen.



