Das wochenlange Ringen um das Leben eines Buckelwals in der Ostsee hat ein politisches Nachspiel. Die CDU im Landtag wirft Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) vor, bei den vielfältigen Rettungsversuchen die PR-Trommel kräftig gerührt, aber womöglich Recht gebrochen zu haben.
CDU-Fraktionschef kritisiert Aktionismus
„Bei der Bergung des Wals ist politischer Aktionismus des Ministers über fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse gestellt worden“, erklärt Daniel Peters, CDU-Fraktionschef im Landtag. „Viele Fotos von Schwesigs fleißigstem Mann, das war wohl das Ziel.“
Fragen zu Genehmigungen und Kosten
Peters fordert Aufklärung, ob so viel „Rummel“ tatsächlich nötig gewesen wäre. „Mit Blick auf den enormen personellen und finanziellen Aufwand bei Polizei und Behörden erwarte ich eine lückenlose Aufarbeitung der rechtlichen Grundlagen, Genehmigungsverfahren und Kosten“, sagt der CDU-Mann. „Außerdem wurde in einem sensiblen Bereich gebaggert und das über Tage. Offenbar gab es eine großzügige Ausnahmeregelung.“ Dies sei bemerkenswert, „wenn man bedenkt, dass in Deutschland mitunter Autobahnbauten über Jahre stillstehen, nur weil Fledermäuse oder Unken gefunden werden“.
Backhaus hatte den Wal, den viele Menschen „Timmy“ nennen, über Wochen vor Poel persönlich begleitet. Erst war er dem Rat von Experten gefolgt, das Tier in Ruhe sterben zu lassen, dann stimmte er einer großangelegten privaten Rettungsaktion zu. Dabei wurde auch immer wieder im flachen und als sensibel geltenden Gewässer vor Poel gebaggert.
Anfrage im Landtag
Die CDU will es jetzt genau wissen. Agrar- und Umweltexperte Thomas Diener hat diverse Fragen zur Wal-Rettung an das Ministerium gerichtet. Da geht es um konkrete Fragen zum Tier- und Umweltschutz. Etwa: Wer hat Genehmigungen zur Duldung der Rettungsversuche erteilt? Wie waren Veterinärbehörden eingebunden? Welche Gutachten wurden zu welchen Kosten gefertigt? Schließlich: Was habe den Minister bewogen, seine Meinung hin zu erneuten Rettungsversuchen zu ändern?
Der Wal gelangte schließlich Ende April auf einem Transportschiff in die Nordsee. Backhaus musste daraufhin einräumen, dass er keine Kenntnis vom Verbleib des Säugetiers habe.



