DDR-Zugkatastrophe von 1964: 44 Tote bei Langhagen
DDR-Zugkatastrophe von 1964: 44 Tote bei Langhagen

Am 1. November 1964, einem Sonntagabend, ereignete sich das schwerste Eisenbahnunglück in der Geschichte Mecklenburgs. Der Schnellzug D 1193 aus Berlin nach Rostock kollidierte bei Langhagen mit einem mit Kies beladenen Güterzug. 44 Menschen kamen ums Leben, 74 wurden teils schwer verletzt.

Der Unglückshergang

Gegen 20.21 Uhr durchfuhr der vollbesetzte D 1193 mit sieben Reisezugwagen und einem Postwagen den Bahnhof Langhagen mit 105 km/h. Zeitgleich überfuhr ein Güterzug ein Haltesignal und fuhr in die Flanke des Schnellzugs. Der Aufprall war verheerend. Ein mit Kies beladener Güterwagen kippte auf den vorderen Teil des achten Waggons und zerstörte ihn fast vollständig.

Die Rettungsaktion

Die Dunkelheit erschwerte die Rettungsarbeiten enorm. Traktoren der LPG und Fahrzeuge des nahegelegenen Kieswerks beleuchteten die Unfallstelle. 48 Krankenwagen und zahlreiche Ärzte aus Güstrow, Teterow und Krakow am See eilten herbei. Helfer aus dem Dorf bargen Verletzte und legten Tote am Böschungsrand ab. Die Toten wurden später im Kultursaal der LPG aufgebahrt.

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Schicksale der Opfer

Unter den Toten waren das Geschwisterpaar Hans-Peter und Barbara Brixi sowie das Ehepaar Heide und Horst Schönicke aus Neubrandenburg. Auch der Schweriner Diesellokschlosser Hans-Normann Gall und der Berliner Widerstandskämpfer Wilhelm Wittkowski starben. Die Handballspielerin Hannelore Burosch und ihre Mannschaftskameradinnen überlebten nahezu unverletzt.

Schuldfrage und Folgen

Die Ermittlungen übernahm die Stasi. Lokführer und Heizer des Güterzugs wurden zu Haftstrafen verurteilt. Die Strecke konnte dank des Einsatzes von Reichsbahn, NVA und sowjetischen Soldaten bereits am nächsten Tag wieder freigegeben werden.

Erinnerungskultur

Bis heute warten die Langhagener auf eine offizielle Gedenktafel am Unfallort. Das Unglück ist tief im Gedächtnis des Dorfes verwurzelt. Zeitzeugen wie Bernd Elbracht und Alfred Hammermann erinnern sich bis heute an die schreckliche Nacht.

Dieser Text erschien erstmals im Oktober 2024 im Nordkurier und wird aufgrund des großen Interesses erneut veröffentlicht.

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