In Mecklenburg-Vorpommern werden immer weniger Kinder geboren. Die Geburtenzahl erreichte 2025 mit 8385 einen historischen Tiefstand – das ist weniger als ein Drittel der Geburten im Wendejahr 1989. Die CDU-Landtagsfraktion brachte einen Antrag zur Sicherung der Geburtshilfe ein, der jedoch von der Regierungskoalition aus SPD und Linke abgelehnt wurde. Dennoch zeigte die Debatte die Ernsthaftigkeit der Lage.
Schließung von Geburtskliniken und Erreichbarkeit
Seit 1990 wurde etwa jede zweite Geburtsklinik im Nordosten geschlossen. Aktuell gibt es noch an 14 Krankenhausstandorten Kreißsäle. Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD) erklärte, dass 85 Prozent der Gebärenden mit dem Auto binnen 40 Minuten eine Entbindungsstation erreichen könnten, 98 Prozent innerhalb einer Stunde. Diese Werte übertreffen bereits die geplanten Vorgaben des künftigen Krankenhausplans: Danach soll für mindestens vier von fünf Frauen die nächste Geburtsklinik in 40 Autominuten erreichbar sein, für 90 Prozent in 80 Minuten.
Umsetzung des Zielbildes „Geburtshilfe und Pädiatrie 2030“
Trotz der Ablehnung des CDU-Antrags wird eine seiner zentralen Forderungen – die Festlegung einer gesetzlichen Erreichbarkeitsfrist – bereits umgesetzt. Auch weitere Anliegen, wie die Finanzierung von Maßnahmen aus dem Zielbild „Geburtshilfe und Pädiatrie 2030“, sind laut Ministerin auf dem Weg. Die Versorgung bleibt jedoch angespannt, besonders in Randlagen und auf den Inseln. Drese verwies auf Sicherstellungszuschläge und Vorhaltevergütungen im Rahmen der Krankenhausreform, um die flächendeckende Versorgung zu sichern.
Probleme kleiner Geburtskliniken
Die CDU sieht vor allem Kliniken mit weniger als 500 Geburten pro Jahr in ihrer Existenz bedroht. Hinzu kommt der Personalmangel bei Hebammen und Medizinern. Die CDU forderte daher eine Neuauflage der Landesförderung für die fachärztliche Weiterbildung in der Frauenheilkunde, einen Hebammenbonus, eine Niederlassungsprämie für freiberufliche Hebammen sowie die Förderung hebammengeleiteter Kreißsäle und Geburtshäuser. Auch regionale geburtshilfliche Versorgungsnetzwerke sollen finanziell unterstützt werden.
Qualität versus Erreichbarkeit
Harald Terpe von den Grünen betonte, dass an kleinen Standorten mit wenigen Geburten höhere Risiken bestünden. Starre Erreichbarkeitsfristen nützten nichts, wenn die personelle oder sächliche Ausstattung nicht stimme. Geburtshilfe müsse flächendeckend, aber vor allem qualitativ hochwertig und zukunftsfest sein. Petra Federau (AfD) stellte die Frage, ob der Steuerzahler dauerhaft Strukturen finanzieren solle, die sich nicht selbst tragen könnten. Torsten Koplin (Linke) brachte eine familienfreundliche Sozialpolitik ins Spiel, um die Geburtenzahlen zu erhöhen und so die geburtshilflichen Strukturen zu sichern.



