Die Berliner Polizei hat eine überwiegend positive Bilanz der Veranstaltungen zum Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs gezogen. Insgesamt seien die Gedenkveranstaltungen und Versammlungen „weitgehend störungsfrei“ verlaufen, sagte ein Sprecher der Polizei. Am Samstag wurden 17 Strafanzeigen und 33 Ordnungswidrigkeiten registriert, darunter wegen Körperverletzung, tätlicher Angriffe und der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Am Freitag waren es zehn Strafanzeigen. „Insgesamt verliefen die beiden Tage abgesehen davon überwiegend störungsfrei und friedlich“, hieß es in einem Beitrag auf X.
Russischer Botschafter bei Gedenkmarsch
Der russische Botschafter Sergej Netschajew nahm am Samstag an einem Gedenkmarsch in Berlin teil. Er besuchte das sowjetische Ehrenmal im Tiergarten und legte dort einen Kranz nieder. Zahlreiche Menschen legten rote Blumen nieder. Nach Polizeiangaben nahmen rund 600 Menschen an dem Zug vom Brandenburger Tor zum Ehrenmal teil, obwohl 1.000 Teilnehmer angemeldet waren. Insgesamt waren am Samstag 38 Versammlungen im Stadtgebiet angemeldet.
Symbole und Flaggen an Ehrenmalen verboten
Die Polizei hatte für die Demonstrationen an den drei sowjetischen Ehrenmalen im Treptower Park, nahe dem Brandenburger Tor und in Schönholz Uniformen und russische Flaggen wegen des Ukraine-Krieges verboten. Auch militärische Abzeichen sowie Marsch- und Militärlieder waren untersagt, mit Ausnahmen für Diplomaten, Veteranen und Vertreter einiger Staaten. Symbole zur Unterstützung Russlands im Krieg gegen die Ukraine waren ebenfalls verboten. Vereinzelt sei gegen diese Auflagen verstoßen worden, so eine Polizeisprecherin. Am Samstag waren rund 1.030 Polizeikräfte im Einsatz, am Freitag 830.
„Nachtwölfe“ nicht in Berlin
Russische oder deutsche Mitglieder des prorussischen Motorradclubs „Nachtwölfe“ kamen wie in den Vorjahren aus Osteuropa nach Deutschland, fuhren aber nicht durch Berlin. Am Freitag legten viele Menschen am sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park rote Blumen nieder. Kränze wurden auch in den Farben der ukrainischen Flagge aufgestellt, mit der Aufschrift „Gegen Invasoren gestern heute morgen“.
Gedenkfeier in Brandenburg
Brandenburg gedachte am Freitag im Landtag des Kriegsendes. Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke rief zum Miteinander als Mittel gegen Krieg auf: „Diktatoren, die ihr eigenes Grundgesetz ignorieren, die Friedensordnung der Welt zu sprengen suchen und populistisch die eigene Bevölkerung belügen, gehören nicht ins 21. Jahrhundert“, sagte die SPD-Politikerin. Innenminister Jan Redmann (CDU) betonte, der Nationalsozialismus werde 81 Jahre nach dem Kriegsende „immer noch geleugnet, verharmlost und glorifiziert“. Die Zahl antisemitischer und rechtsextremer Vorfälle in Brandenburg steige seit Jahren an, die jüngsten Angriffe auf die Synagoge in Cottbus seien trauriger Beleg dafür. Mit der Kapitulation der deutschen Wehrmacht endete 1945 der Zweite Weltkrieg in Europa. Russland feiert den Sieg am 9. Mai.



