Brauerei-Chef verkündet politische Initiative beim traditionellen Fest
Im Rahmen des traditionellen Starkbieranstichs am Donnerstagabend im WERK2 sorgte Giesinger Bräu für eine überraschende politische Ankündigung. Vor rund 1000 Festgästen, darunter prominente Politiker wie CSU-OB-Kandidat Clemens Baumgärtner, Grünen-Politiker Sebastian Weisenburger und Lars Mentrup von der SPD, ließ Brauerei-Chef Steffen Marx eine regelrechte politische Bombe platzen.
Bürgerbegehren soll Weg zur Wiesn ebnen
Giesinger Bräu hat ein Bürgerbegehren gestartet, das einen Bürgerentscheid über die Zulassung der Brauerei zum Münchner Oktoberfest erzwingen soll. Die zentrale Frage lautet: "Bist Du dafür, dass die Landeshauptstadt München ab 2027 auch den Ausschank von Bier der Brauerei Giesinger Bräu auf dem Münchner Oktoberfest erlaubt?" Die Bürger können dabei mit Ja oder Nein antworten.
Bisher ist der Bierausschank auf der Wiesn exklusiv den sechs etablierten Münchner Brauereien vorbehalten:
- Augustiner
- Hacker-Pschorr
- Hofbräu
- Löwenbräu
- Paulaner
- Spaten
Brauerei erfüllt alle Kriterien
Die Voraussetzungen für eine Wiesn-Zulassung sind klar definiert: Das Bier muss innerhalb der Münchner Stadtgrenzen nach dem Münchner Reinheitsgebot von 1487 gebraut werden und dabei Münchner Quellwasser aus einem eigenen Tiefbrunnen verwenden. Giesinger Bräu, das 2026 sein 20-jähriges Jubiläum feiert, erfüllt nach eigenen Angaben alle diese Kriterien.
"Wir sind eine Münchner Brauerei – mit eigenem Tiefbrunnen, mit dem Siegel 'Münchner Bier' und mit klarer Verwurzelung in dieser Stadt", betonte Gründer und Brauerei-Chef Steffen Marx. "Wenn auf der Wiesn ausschließlich Münchner Bier ausgeschenkt wird, dann sollte die Frage erlaubt sein, warum eine Münchner Brauerei dort nicht vertreten sein darf."
Politische Unterstützung und Unterschriftensammlung
Für das Bürgerbegehren benötigt Giesinger Bräu laut gesetzlichem Quorum drei Prozent der Wahlberechtigten in München, was etwa 30.000 bis 40.000 Unterschriften entspricht. "Ich denke, das sollten wir hinbekommen", zeigte sich Marx optimistisch.
Bereits während des Starkbierfestes begann die Unterschriftensammlung. Bemerkenswert: Clemens Baumgärtner, der in der Vergangenheit als Kritiker einer siebten Wiesn-Brauerei galt, unterzeichnete gemeinsam mit Weisenburger und Mentrup noch auf der Bühne des Festes.
"Es geht nicht um Konfrontation, sondern um Fairness und um die Frage, wie sich Tradition weiterentwickeln darf", erklärte Jonas Seidl, Geschäftsführer von Giesinger Bräu. "Die Wiesn ist Münchner Identität. Deshalb sollte die Münchner Stadtgesellschaft auch mitentscheiden dürfen, ob neben den bisherigen Brauereien künftig eine weitere Brauerei zugelassen wird."
Praktische Umsetzung des Bürgerbegehrens
Die Brauerei hat bereits konkrete Schritte für die Unterschriftensammlung eingeleitet:
- Unterschriftenlisten können ab sofort online heruntergeladen werden
- Ausgelegte Listen finden sich in mehreren Giesinger-Bräu-Standorten:
- In der Schenke
- An beiden Rampen
- In den Stehausschänken Augustenstraße und Oberländer Straße
- Im Bräustüberl in der Martin-Luther-Straße 2
- Im WERK2 in der Detmoldstraße 40
- Ausgefüllte Listen können an denselben Stellen wieder abgegeben werden
Der traditionelle Starkbieranstich, bei dem eigentlich das Starkbier "Innovator" mit 7,3 Volumenprozent Alkohol im Mittelpunkt stehen sollte, entwickelte sich so zu einer politischen Plattform mit möglicherweise weitreichenden Folgen für die Münchner Brauereilandschaft und das Oktoberfest der Zukunft.



