Marcel Schulze hat Deutschland den Rücken gekehrt. Der 36-Jährige lebt seit April 2025 in Jomtien, Thailand – mehr als 9000 Kilometer von seiner Heimat entfernt. Der Schritt war radikal, aber für ihn die einzig richtige Entscheidung nach einer schweren Lebensphase.
Schicksalsschläge und Neuanfang
Marcel Schulze erlebte in jungen Jahren mehrere familiäre Verluste: Seine Großmutter starb bei einem Autounfall, seine Mutter drei Monate später an Krebs. „Dann starb auch noch mein Onkel, und am Ende hatte ich nur noch meinen Opa und meine kleine Schwester“, erzählt er emotional. Sein Opa lebt heute in einem Pflegeheim in Prenzlau. Seit einem Streit hat Marcel ihn nicht mehr gesehen.
Beruflich lief es zunächst gut: 2018 gründete er seine zweite Firma. Doch die Corona-Pandemie brachte ihn in die Insolvenz. „Ich verfiel in eine schwere Depression. 2023 hatte ich gar keinen Bock mehr auf Deutschland und wollte auswandern“, erinnert er sich. Zunächst versuchte er es in Spanien, dann in Dubai – doch keiner der Orte fühlte sich richtig an.
Der Zufall half nach
Im Januar 2025 stand die Wahl zwischen Kolumbien und Thailand. Ein Freund vermittelte ihm eine Wohnung in Jomtien, die sonst nur für Urlaube genutzt wurde. Im Mai 2025 zog er endgültig um. „Mit dem Roller bin ich in zwei Minuten am Strand. Pattaya erreiche ich in zehn Minuten“, schwärmt er.
Seine Zweitwohnung mit Wohnzimmer, Schlafzimmer, Bad und kleiner Küche kostet nur 300 Euro Miete im Monat. Wasser schlägt mit fünf Euro zu Buche, der Strom für die beiden rund um die Uhr laufenden Klimaanlagen mit 60 Euro. „Mit 1500 Euro im Monat lebt man hier richtig gut“, sagt Marcel.
Günstiges Essen und glückliche Menschen
Marcel kocht selten, denn das einheimische Essen ist extrem günstig. „Für eine gute, sättigende Mahlzahl zahlt man etwa 1,60 Euro: Reis, Hähnchen, Soße und in kleinen Restaurants sogar kostenloses Wasser. Teurer wird es bei Pizza, Burger oder Spaghetti – aber immer noch günstiger als in Deutschland.“
Besonders schätzt er die Mentalität der Thailänder: „Thais sind super happy, super offen, super freundlich. Ich habe hier noch nie erlebt, dass jemand schlecht gelaunt war.“ Allerdings müsse man mit dem Klima klarkommen: „Es ist durchgehend warm und schwül, aber man gewöhnt sich dran.“
Visum als größte Hürde
Marcel möchte für immer in Thailand bleiben. „Auf gar keinen Fall will ich zurück“, betont er. Aktuell besitzt er ein Education-Visum, das ihm erlaubt, die thailändische Sprache zu lernen. Sobald alles geklärt ist, plant er ein Fünf-Jahres-Visum zu beantragen. „Die Visa sind hier immer die größte Hürde“, gibt er zu.
Sein Leben finanziert er mit einem Online-Business, bei dem er digitale Produkte vertreibt und auf YouTube unter dem Kanal „Erfolg unter Palmen“ über den Aufbau eines Online-Business berichtet. 10.000 User folgen ihm dort. Sein Rat an Auswanderungswillige: „Baut ein Online-Business auf, bevor ihr auswandert. Dann spielt es keine Rolle, wo ihr lebt. Denkt an die Zeitverschiebung – Thailand liegt fünf Stunden voraus – und daran, dass ihr in Thailand eine Arbeitserlaubnis braucht.“



