Hamburg kauft wieder Verbrennerbusse: Klimaziel in Gefahr
Hamburg kauft wieder Verbrennerbusse: Klimaziel in Gefahr

Die Hansestadt Hamburg wollte eigentlich ihre Busflotte bis 2030 komplett auf emissionsfreie Antriebe umstellen. Doch nun plant die Hamburger Hochbahn, erstmals seit 2020 wieder Verbrennerbusse anzuschaffen. Die Entscheidung des städtischen Unternehmens stellt eine Wende in der Hamburger Verkehrspolitik dar.

Bis zu 150 neue Fahrzeuge sollen bis 2029 ausgeliefert werden. Seit 2020 hatten die Hochbahn und die ebenfalls mehrheitlich städtischen Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) nur noch Elektrobusse angeschafft. Ein Beschluss der Bürgerschaft vom 11. September 2019 sah vor, die Busflotten bis 2030 vollständig auf emissionsfreie Antriebe umzustellen. Dieses Ziel wurde bereits vor zwei Jahren auf „Anfang der 2030er-Jahre“ verschoben.

Hochbahn setzt auf synthetischen Kraftstoff

Bei den nun bestellten Bussen handelt es sich um Fahrzeuge, die mit dem synthetischen Kraftstoff HVO100 betankt werden können, wie Hochbahn-Sprecher Andreas Ernst erklärte. HVO steht für Hydrotreated Vegetable Oils, also mit Wasserstoff behandelte Pflanzenöle. Diese Art von Dieselkraftstoff gilt als klimafreundlich, da die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu fossilem Diesel deutlich geringer ausfallen. Allerdings setzt dies voraus, dass der verwendete Wasserstoff „grün“ ist, also mithilfe erneuerbarer Energien hergestellt wird.

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Ernst begründete die Anschaffung der 150 modernen Dieselbusse mit der Stärkung der Resilienzfähigkeit und der kritischen Infrastruktur. Dazu gehöre auch die Aufrechterhaltung der ÖPNV-Versorgung der Bevölkerung in Krisenzeiten. Gleichzeitig blieben die Elektrifizierung der Busflotte sowie der Ausbau der Ladeinfrastruktur und die Modernisierung der Betriebshöfe zentrale Bausteine der Unternehmensstrategie. Allerdings kostet ein E-Bus rund zweieinhalbmal so viel wie ein Dieselfahrzeug. Daher könne die Flotte nur dann weiter elektrifiziert werden, wenn es eine Förderung gebe.

Verkehrsbehörde sieht Vorreiterrolle

Die VHH bekräftigten, dass sie auch in Zukunft für Hamburg batteriebetriebene E-Busse beschaffen werden. Mit HVO betankbare Dieselbusse sollen dort nicht eingesetzt werden. Allerdings sind die fünf angrenzenden Landkreise in Schleswig-Holstein Miteigentümer des Unternehmens. Dort sind die VHH-Busse ebenfalls im Einsatz – und im Umland gilt das Hamburger Klimaziel nicht.

Aus der Hamburger Verkehrsbehörde heißt es: „Mit 432 E-Bussen im Einsatz – rund 39 Prozent der gesamten Flotte – nimmt die Hochbahn bereits heute eine bundesweite Vorreiterrolle bei der Elektrifizierung des öffentlichen Nahverkehrs ein.“ Bis 2031 sei die Anschaffung von weiteren 240 E-Bussen geplant, sofern die notwendige Bundesförderung bereitstehe. Sollte dies so kommen und keiner der vorhandenen E-Busse ausgemustert werden, läge die Elektrifizierungsquote der Hochbahn dann bei rund 60 Prozent.

Die VHH verfügen nach Senatsangaben über 521 Diesel- und 278 E-Busse. Damit ist die Flotte zu 35 Prozent elektrifiziert. An elf Samstagen von Ende Mai bis Anfang Oktober will das Unternehmen zum 100. Jubiläum seines Busbetriebs drei Oldtimer im Linienbetrieb einsetzen. Dann können Fahrgäste erleben, wie Dieselmotoren aus den Sechziger- und Achtzigerjahren funktionieren.

In der EU war im Jahr 2025 mehr als die Hälfte aller neuen Busse im öffentlichen Nahverkehr emissionsfrei unterwegs. Deutschland lag dabei unter dem Durchschnitt. Die Entscheidung der Hamburger Hochbahn, wieder Verbrennerbusse zu kaufen, wirft Fragen nach der Erreichbarkeit der Klimaziele auf. Kritiker befürchten, dass die Stadt ihre Vorreiterrolle in der Verkehrswende verlieren könnte.

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