Hamburg vor Olympia-Referendum: Pro und Contra im Überblick
Hamburg vor Olympia-Referendum: Pro und Contra

Am 31. Mai entscheiden die Hamburgerinnen und Hamburger in einem Bürgerentscheid über eine Bewerbung der Stadt für Olympische und Paralympische Spiele. Nachdem Konkurrenten wie München und KölnRheinRuhr bereits erfolgreich Referenden abgehalten haben, steht Hamburg nun vor einer richtungsweisenden Wahl. Die Briefwahlunterlagen wurden bereits Ende April verschickt. Während Befürworter auf Nachhaltigkeit, gesellschaftlichen Zusammenhalt und wirtschaftliche Impulse setzen, warnen Gegner vor hohen Kosten, Umweltbelastungen und sozialen Verwerfungen.

Pro-Argumente für eine Olympia-Bewerbung

Nachhaltigkeit und bestehende Infrastruktur

Die Befürworter betonen, dass 76 Prozent der benötigten 33 Sportstätten bereits vorhanden sind. Die restlichen 24 Prozent sollen temporär errichtet werden. Eine neue Multifunktionsarena im Volkspark ist ohnehin geplant und soll künftig vor allem vom Hamburger SV genutzt werden. Zudem werden rund 100 Sportanlagen als Trainingsstätten für Schulen und Vereine modernisiert. Das olympische Dorf in der geplanten Science City in Bahrenfeld ist für 15.000 Athleten ausgelegt und soll nach den Spielen in 9.000 bezahlbare Wohnungen umgewandelt werden.

Ökologische Ambitionen

Das Konzept sieht vor, dass Olympia in Hamburg nicht nur klimaneutral, sondern sogar klimapositiv wird. 85 Prozent der Wettkampfstätten liegen in einem Radius von nur sieben Kilometern. Die Mobilität soll zu 100 Prozent CO2-frei sein, die Energie vollständig aus erneuerbaren Quellen stammen. Geplant sind zudem ein Ausbau des U- und S-Bahn-Netzes sowie 120 Kilometer neue Radrouten.

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Gesellschaftlicher Zusammenhalt

Die Olympia-Macher argumentieren, dass die Spiele der Stadt einen positiven Schub verleihen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Langfristige Impulse seien in der Infrastruktur, im Sport, für die Wirtschaft, als Wissenschaftsstandort und im Tourismus spürbar. Der Slogan „Eine Chance für alle“ unterstreicht dieses Versprechen.

Finanzielle Planung

Der Senat beziffert das Durchführungsbudget auf 4,8 Milliarden Euro, wobei externe Gutachter sogar einen Gewinn von 100 Millionen Euro erwarten. Dieser Überschuss soll in den Breitensport fließen. Davon abzugrenzen ist das Investitionsbudget von 1,3 Milliarden Euro für Maßnahmen mit langfristigem Nutzen. Die Bundesregierung hat eine finanzielle Unterstützung zugesagt, und Hamburg hofft auf zusätzliche Bundesmittel für Infrastrukturprojekte wie die Erweiterung des Hauptbahnhofs.

Reform des IOC

Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) verweist auf die Olympische Agenda 2020+5 des IOC, die nachhaltige Spiele fördert und die Anpassung an die Stadt fordert. Diese Reform sei eine grundlegende Veränderung gegenüber der Situation beim gescheiterten Referendum vor elf Jahren.

Contra-Argumente gegen eine Olympia-Bewerbung

Ökologische Bedenken

Die Initiative „NOlympia“ bezweifelt, dass Olympische Spiele klimapositiv sein können. Bau, Verkehr und Flugreisen verursachten erhebliche Emissionen. Eine seriöse CO2-Bilanz fehle bisher. Als Beispiel nennen sie Paris 2024, wo allein die Fluggäste 1,1 Millionen Tonnen CO2 produzierten.

Soziale Folgen

Kritiker befürchten steigende Mieten in der ohnehin teuren Metropole. 300.000 Hamburger leben unter der Armutsgrenze, 38.000 sind wohnungslos. Die durchschnittlichen Ticketpreise von 110 Euro schlössen viele Menschen aus. Zudem seien massive Beeinträchtigungen durch Baumaßnahmen und Verkehr zu erwarten.

Finanzielle Risiken

Die Gegner halten die Finanzplanung für unseriös. Insbesondere die Sicherheitskosten fehlten – in Paris 2024 waren es 75.000 Einsatzkräfte zu Kosten von 1,7 Milliarden Euro. Die Beteiligung des Bundes sei unklar. Zudem flössen laut Konzept nur 167 Millionen Euro in Breitensportanlagen. Der Wirtschaftswissenschaftler Alexander Budzier von der University of Oxford bezeichnet die Bewerbung als „riskante Wette“. Er hält die Organisationskosten von 4,8 Milliarden Euro für plausibel, schätzt die tatsächlichen Investitionen aber auf zehn Milliarden Euro oder mehr.

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Wirtschaftlicher Nutzen

„NOlympia“ sieht in den Spielen ein Milliardenrisiko ohne nennenswerten wirtschaftlichen Effekt. Sie verweisen auf Paris 2024, das nur ein Wachstum von 0,07 Prozent gebracht habe. Budzier bestätigt, dass wirtschaftliche Effekte, insbesondere im Tourismus, oft überschätzt würden, räumt aber langfristige positive Wirkungen ein.

Kritik am IOC

Die Olympia-Gegner bezweifeln die Reform des IOC. Sie bezeichnen es als einen „Schweizer Verein“, dessen Führungskräfte sich selbst ernennen und hohe Gehälter beziehen. Das IOC predige Völkerverständigung, diktiere aber gleichzeitig Unterordnung und schließe Verantwortung für sein Profisportevent aus.