Historiendarsteller schlagen Biwak in der Uckermark auf
Historiendarsteller in der Uckermark

Wer am langen Himmelfahrtswochenende über die Boitzenburger Festwiese schlendert, wird sich leicht um Jahrhunderte zurückversetzt fühlen. Vom 14. bis 17. Mai schlagen Historiendarsteller dort ihr Biwak auf. In der kleinen Zeltstadt sind Zuschauer und Neugierige gern gesehen und können sich von den Darstellern zeigen und erklären lassen, wie es vor 220 Jahren im preußischen und französischen Heer zuging.

Vernichtende Niederlage vor bald 220 Jahren

„Anlass für unser Treffen, ganz im Stil der Zeit, ist die Wiederkehr hochdramatischer Ereignisse, die unsere Gegend damals in Atem hielten“, erklärt Christian Letz. Der Wichmannsdorfer Hobbyhistoriker hat das Treffen in Abstimmung mit Stefan Hückler vom Historienverein Jena 1806 e.V. initiiert. Auf Hücklers engagiertes Wirken hin ist in den vergangenen Jahren bereits eine Reiseroute entstanden, auf der an wichtigen Stationen Schautafeln auf das verweisen, was sich seinerzeit innerhalb weniger Tage zwischen Jena und Prenzlau ereignete.

Am 14. Oktober 1806 war das preußische Heer bei Jena und Auerstedt vernichtend von Napoleon geschlagen worden. Der Ruf „Die Franzosen kommen!“ wurde zum Albtraum für die darauf eiligst nach Norden fliehenden preußischen Soldaten. Meist zu Fuß, übermüdet und schlecht versorgt, wurden sie von den Franzosen ständig attackiert. Immer wieder kam es zu Gefechten wie dem Reitergefecht bei Zehdenick am 26. Oktober und tags darauf dem Scharmützel und weiteren Kämpfen bei Wichmannsdorf und Boitzenburg, die etliche Opfer forderten. Noch heute schildern ungewöhnlich ausführliche Eintragungen der Pfarrer in den örtlichen Kirchbüchern, was damals geschah.

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Krieg soll anschaulich, aber nicht verherrlicht werden

Zahlreiche Holzkreuze und Gedenktafeln entlang der Route erinnern an die Kriegstoten auf beiden Seiten. „Es geht uns in keiner Weise um Kriegsverherrlichung“, betont Letz, „es geht um Erinnerung und möglichst authentisch nachvollziehbare Darstellung dessen, was sich vor fast 220 Jahren bei uns hier abgespielt hat.“ Natürlich seien die Teilnehmer für interessierte Besucher immer ansprechbar, versichert Letz, der das gesamte Treffen nicht nur organisiert hat, sondern auch moderieren wird. Besonders empfehlenswert, betont er, sei jedoch ein Biwakbesuch am Sonnabend.

An diesem 16. Mai wird zwischen Klostermühle und Festwiese von den erwarteten 70 bis 80 Hobbyisten ab 10 Uhr das Gefecht um Boitzenburg nachgestellt. Da auch Kanonen zum Einsatz kommen, kann es dabei etwas lauter zugehen. Knapp sechs Stunden später, gegen 16 Uhr, wird an der Prenzlauer Uferpromenade auf Höhe von St. Sabinen, dann die am 28. Oktober 1806 auch ungefähr dort erfolgte Kapitulation des preußischen Hauptheeres nachgestellt.

„Schmach von Prenzlau“ am Triumphbogen in Paris

Diese als „Schmach von Prenzlau“ in die preußische Militärgeschichte eingegangene Kapitulation, bei dem eigentlich weit überlegene Kräfte ihre Waffen vor den Franzosen streckten, hat der Stadt Prenzlau einen dauerhaften Eintrag am Pariser Arc de Triomphe eingebracht.

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