Hitlergruß in KZ-Gedenkstätte Ravensbrück: Schülerinnen zeigen rechtsextreme Geste im Krematorium
Hitlergruß in KZ-Gedenkstätte: Schülerinnen im Krematorium

Hitlergruß in KZ-Gedenkstätte Ravensbrück: Schülerinnen zeigen rechtsextreme Geste im Krematorium

Entsetzen herrscht in der KZ-Gedenkstätte Ravensbrück in Brandenburg. Drei Schülerinnen zeigten im früheren Krematorium des ehemaligen Konzentrationslagers den Hitlergruß und ließen sich dabei fotografieren. Dieser Vorfall ist Teil einer besorgniserregenden Entwicklung: Die Zahl rechtsextremer Vorfälle an Gedenkstätten in Brandenburg hat sich in den letzten Jahren dramatisch erhöht.

Dramatischer Anstieg rechtsextremer Vorfälle

Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD) berichtet von einem alarmierenden Trend: „Die Vorfälle haben in den letzten Jahren stark zugenommen“, erklärt sie. Konkret stiegen die gemeldeten Fälle von 46 im Jahr 2022 auf 211 im Jahr 2024 an. Neben dem Hitlergruß-Vorfall gehören dazu rechtsextreme Schmierereien, antisemitische Parolen und Anfeindungen gegen das Personal der Gedenkstätten.

Der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Axel Drecoll, bezeichnet diese Entwicklung als „besorgniserregend“. „Der Ruck nach rechts und wachsender Antisemitismus zeigen sich auch bei uns“, warnt Drecoll. Im Frauen-KZ Ravensbrück wurden während der NS-Zeit etwa 28.000 Häftlinge von der SS ermordet. Ihre Leichen wurden im Lager-Krematorium verbrannt, das heute als Teil der Gedenkstätte besucht werden kann.

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Strafrechtlich folgenloser Vorfall

Den schlimmsten Einzelfall erlebte die Leiterin der KZ-Gedenkstätte Ravensbrück, Andrea Genest, vor wenigen Wochen. „Mitschüler berichteten von drei Mädchen, die im Krematorium den Hitlergruß zeigten und sich dabei fotografieren ließen“, schildert Genest die Vorkommnisse. Die strafbare Geste blieb jedoch rechtlich ohne Konsequenzen, da die Mädchen aus Mecklenburg-Vorpommern unter 13 Jahre alt und damit noch nicht strafmündig waren.

Gefahr durch KI-generierte Fake-Videos

Neben direkten Vorfällen vor Ort bereitet den Verantwortlichen eine weitere Entwicklung große Sorgen. „Das Internet wird geflutet mit angeblich echten Bildern aus dem Lageralltag“, warnt Ministerin Schüle. Diese Darstellungen seien mit Künstlicher Intelligenz erzeugt worden und zeigten statt halb verhungerter, geschundener Häftlinge „gesunde, muskulöse Männer, wie sie heute vielen als Vorbild dienen“ – das genaue Gegenteil der grausamen KZ-Wirklichkeit.

Axel Drecoll erklärt, dass die Macher solcher Fake-Videos teilweise aus Asien stammten und mit Klicks erhebliche Einnahmen erzielten. Die Gedenkstätten seien gegen diese Form der Geschichtsfälschung weitgehend machtlos: „Wir können nicht den gesamten digitalen Raum überwachen und einschreiten“, klagt Drecoll. Dies sei vor allem Aufgabe der Anbieter sozialer Medien. „Wir müssen selbst aktiv werden und gesicherte Informationen in den sozialen Medien anbieten“, fordert der Gedenkstätten-Chef.

Gedenken an die Befreiung der Lager

In den kommenden Tagen richtet sich der Blick erneut auf die brandenburgischen KZ-Gedenkstätten. Vom 17. April bis zum 3. Mai wird der Befreiung der Konzentrationslager vor 81 Jahren gedacht. Höhepunkt ist eine zentrale Veranstaltung am kommenden Sonntag in der Gedenkstätte Sachsenhausen. Das Programm umfasst Ausstellungen, Gesprächsrunden und Begegnungen mit den letzten Überlebenden der SS-Mordmaschinerie sowie deren Nachkommen aus aller Welt.

Andrea Genest betont die bleibende Bedeutung dieser Erinnerungsarbeit: „Die Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus endet nicht. Sie bleibt einer der Grundpfeiler unserer freiheitlichen Demokratie.“ Die aktuellen Vorfälle zeigen, wie notwendig diese Arbeit auch 81 Jahre nach der Befreiung der Lager weiterhin ist.

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