Archäologen entdecken Jahrtausende alte Siedlungen an der Müritz
Jahrtausende alte Funde an der Müritz entdeckt

Wo die Ortsumgehung Mirow der Bundesstraße 198 verlaufen soll, haben Archäologen bedeutende Spuren aus der Vorgeschichte entdeckt. Auf einer Fläche von 15.637 Quadratmetern – etwa zwei Fußballfeldern – fanden sie Hinweise auf mehrere Siedlungen, die vor Jahrtausenden existierten. Die Untersuchungen sind notwendig, da der Bau der Umgehungsstraße bereits bekannte historische Fundplätze berührt.

Über 800 archäologische Strukturen identifiziert

Dr. Martin Wagner von der Firma AIM-V, Archäologie in Mecklenburg-Vorpommern, präsentierte die vorläufigen Ergebnisse in Waren an der Müritz. „Wir konnten über 800 archäologisch relevante Strukturen im Boden identifizieren“, erklärte er. Die Grabungen zwischen Schulzensee und Mirower See brachten Koch- und Herdstellen sowie Keramikteile wie Tassen und Schalen zutage. Auch verzierte Scherben waren darunter. Diese Funde datiert Wagner in die jüngere Bronzezeit, etwa 1100 bis 550 Jahre vor Christus.

Hinweise auf eine große zusammenhängende Siedlung

Auffällig war, dass ähnliche Funde an zwei verschiedenen Grabungsstellen auftraten. „Wenn zwei nahe gelegene Fundplätze auf die gleiche Epoche hinweisen, sollte man hellhörig werden“, sagte Wagner. Er vermutet, dass es sich um eine zusammenhängende Siedlung handeln könnte. „Man müsste zwischen den beiden Bereichen graben, um das zu überprüfen. Wenn es wirklich zusammenhängt, dann würde es sich um eine große Siedlung handeln, von der wir nur einen kleinen Streifen freilegen“, so der Archäologe.

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Weitere Siedlung aus der Eisenzeit entdeckt

An einer anderen Stelle fanden die Forscher einen Ofen aus Natursteinen mit Holzkohle und Asche. Auch Metallgegenstände wie ein Ring sowie Alltagsgeschirr kamen zum Vorschein. Wagner spricht daher von einer weiteren Siedlung, diesmal aus der jüngeren vorrömischen Eisenzeit (300 bis 0 vor Christus). Besonders überraschte die Archäologen eine Grube mit Muschelschalen – ein seltener Fund, der auf die Ernährungsweise der damaligen Menschen hindeutet. „Über diesen Fund haben sogar meine erfahrenen Kollegen gestaunt“, berichtete der 38-jährige Forscher.

Warum die Region so attraktiv für Siedlungen war

Laut Wagner sind die naturräumlichen Gegebenheiten zwischen Seen und Wäldern der Grund für die vielen Funde. Schilf und Lehm waren wichtige, leicht verfügbare Materialien, und der Boden war stellenweise fruchtbar. „Der See ist schön und wichtig für Siedlungen aufgrund von zwei Faktoren: Er dient als Nahrungsquelle und hatte eventuell eine Anbindung an das Verkehrsnetz der Seenplatte“, erklärte der Forscher. Es gebe Hinweise auf Seewege über Flüsse, die heute nicht mehr existieren, jedoch fehlen eindeutige Beweise. Sicher ist für Wagner, dass in der Nähe von Mirow schon früh intensiv gesiedelt wurde.

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