Archäologen entdecken Jahrtausende alte Siedlungen an der Müritz
Jahrtausende alte Siedlungen an der Müritz entdeckt (10.05.2026)

Archäologen haben bei Vorbereitungen für den Bau der Ortsumgehung Mirow (Bundesstraße 198) überraschende Entdeckungen gemacht. Auf einer Fläche von rund 15.637 Quadratmetern, etwa zwei Fußballfeldern, stießen sie auf Spuren mehrerer Jahrtausende alter Siedlungen. Besonders ein Fund sorgt für Staunen: eine Grube mit Muschelschalen.

Über 800 archäologische Strukturen identifiziert

Dr. Martin Wagner von der Firma AIM-V (Archäologie in Mecklenburg-Vorpommern) präsentierte die bisherigen Ergebnisse in einem Vortrag in Waren an der Müritz. „Wir konnten über 800 archäologisch relevante Strukturen im Boden identifizieren“, sagte der Experte. Die Grabungen fanden an zwei Standorten zwischen dem Schulzensee und dem Mirower See statt.

Funde aus der Bronzezeit

Die Forscher legten Koch- und Herdstellen sowie Keramikteile von Tassen und Schalen frei. Auch verzierte Keramikscherben waren darunter. Diese Funde datiert Wagner in die jüngere Bronzezeit, etwa 1100 bis 550 vor Christus. Auffällig war, dass ähnliche Funde an beiden Grabungsstellen auftraten. „Wenn zwei nahe gelegene Fundplätze auf die gleiche Epoche hinweisen, sollte man hellhörig werden“, erklärte Wagner. Er vermutet, dass es sich um eine zusammenhängende große Siedlung handeln könnte. „Man müsste zwischen den beiden Bereichen graben, um das zu überprüfen. Das wollen wir in den nächsten Wochen machen. Wenn es wirklich zusammenhängt, dann würde es sich um eine große Siedlung handeln, von der wir nur einen kleinen Streifen freilegen.“

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Eine weitere Siedlung aus der Eisenzeit

An einer anderen Stelle entdeckten die Archäologen einen Ofen aus Natursteinen mit Holzkohle und Asche. Auch Metallgegenstände wie ein Ring sowie Alltagsgeschirr kamen ans Licht. Wagner spricht daher von einer weiteren Siedlung, diesmal aus der jüngeren vorrömischen Eisenzeit (300 bis 0 vor Christus).

Rätselhafter Muschelschalen-Fund

Besonders spannend war der seltene Fund einer Grube mit Muschelschalen. „Über diesen Fund haben sogar meine erfahrenen Kollegen gestaunt“, sagte der 38-jährige Forscher. Die Muscheln könnten Hinweise auf die Ernährungsweise der damaligen Bewohner geben.

Warum die Region so attraktiv war

Laut Wagner sind die naturräumlichen Gegebenheiten zwischen Seen und Wäldern der Grund für die vielen Funde. Schilf und Lehm waren wichtige Materialien, die leicht zu beschaffen waren. Zudem ist der Boden stellenweise fruchtbar. „Der See ist schön und wichtig für Siedlungen aufgrund von zwei Faktoren: Zum einen dient er als wichtige Nahrungsquelle, und zum anderen hatte er eventuell eine Anbindung an das Verkehrsnetz der Seenplatte“, erklärte Wagner. Es gebe Hinweise auf Seewege über Flüsse, die heute nicht mehr existieren. Eindeutige Beweise dafür hat er jedoch nicht. Sicher ist für ihn aber, dass in der Nähe von Mirow schon früh intensiv gesiedelt wurde.

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