Kretschmer attackiert Bund: Kommunen brauchen mehr Geld
Kretschmer attackiert Bund: Kommunen brauchen Geld

Kretschmer kritisiert Bund: Kommunen unter Druck

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat die Belastung der Kommunen durch Entscheidungen auf Bundesebene scharf kritisiert. In einer Regierungserklärung im Landtag forderte er ein Ende der Praxis, dass der Bund Aufgaben beschließt, die von den Kommunen finanziert werden müssen. „Demokratie wird nicht gelebt werden können, wenn auf der kommunalen Ebene nicht die finanziellen Mittel zur Verfügung stehen, um die Aufgaben zu leisten“, warnte Kretschmer.

Finanzielle Schieflage: Bund in der Pflicht

Kretschmer machte deutlich, dass der Status quo nicht haltbar sei. „In den vergangenen Jahren ist da grundlegend etwas schiefgegangen. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder der Bund ersetzt den Kommunen die Gelder, die notwendig sind – und wir reden hier über bis zu 30 Milliarden Euro – oder er beteiligt sich an einer Neuaufstellung dieses Sozialstaats. Aber den Status quo beibehalten, geht nicht.“

Regierungserklärung zur Staatsmodernisierung

Die Regierungserklärung diente auch dazu, die bereits bekannten Vorhaben des Kabinetts zur Staatsmodernisierung zu erläutern. Im Kern geht es um den geplanten Abbau von knapp 9.000 Stellen in der sächsischen Verwaltung bis 2040, der durch Altersabgänge erreicht werden soll. Kretschmer warb bei der Opposition um Mitwirkung: „Staatliche Strukturen sind etwas, was nicht von heute auf morgen immer wieder geändert wird, sondern was für Jahre und Jahrzehnte Bestand haben muss.“

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Scharfe Kritik von der Opposition

AfD-Fraktionschef Jörg Urban bescheinigte dem Regierungschef „reformerische Impotenz“. Die Staatsführung selbst sei in Sachsen die „treibende Kraft hinter der Ausgabenexplosion“. Kretschmer habe in seiner Amtszeit seit 2017 etwa 10.000 Stellen zusätzlich geschaffen und die Ausgaben der Staatskanzlei verdoppelt. Die jetzt vorgelegte Notagenda sehe einen lang gestreckten Abbau von gerade einmal 8.773 Stellen vor. „Vor diesem Hintergrund kann von Modernisierung keine Rede sein. Herr Kretschmer hat keinen Mut zu Reformen! Er betreibt lediglich politische Kosmetik.“

Selbstkritik aus den eigenen Reihen

CDU-Fraktionschef Christian Hartmann zeigte sich selbstkritisch: „Die Menschen im Land spüren längst, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Unternehmer warten monatelang auf Genehmigungen, Bürger verzweifeln an Formularen und Zuständigkeiten, Kommunen kämpfen zunehmend ums finanzielle Überleben. Und viele Menschen fragen sich inzwischen ganz grundsätzlich: Funktioniert unser Staat eigentlich noch so, wie er funktionieren sollte?“ Diese Zweifel müsse man ernst nehmen. Hartmann räumte ein, dass Warnsignale seit Jahren sichtbar gewesen seien – etwa bei den Kommunalfinanzen, der Überlastung der Verwaltung und der Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft. Die CDU trage dafür eine Mitverantwortung. „Wir haben manches zu lange verwaltet, statt es grundlegend zu verändern. Wir haben an mancher Stelle zu sehr auf Stabilität gesetzt, obwohl längst klar war, dass neue Antworten nötig sind.“ Verantwortungsvolle Politik zeige sich nicht darin, Fehler zu leugnen, sondern Konsequenzen zu ziehen.

BSW: Offenbarungseid der Regierung

BSW-Fraktionschef Ronny Kupke sah in der Regierungserklärung einen Offenbarungseid. Die Regierung schicke nun die Feuerwehr in ein Gebäude, in das sie jahrelang selbst die Brandlast gelegt habe. Ein neuer Anstrich reiche nicht, wenn der „Motor Totalschaden hat“. Kupke bemängelte die Bürokratie mit „blödsinnigen Genehmigungsverfahren“. „Ihr Staat ist vom Partner zum Ungetüm geworden. Das ist eine Kultur des Misstrauens. Er begegnet dem Bürger nicht mehr mit Vertrauen, sondern mit einem Generalverdacht der Unfähigkeit.“ Das müsse ein Ende haben.

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