Dresden – Sachsens kleine Luchspopulation hat Zuwachs bekommen: Ein junger Luchs aus dem Böhmerwald ist nach Westsachsen eingewandert. Das Tier wurde anhand seiner charakteristischen Fleckenzeichnung identifiziert, wie das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie mitteilte. Es handelt sich um den knapp zwei Jahre alten Kuder Bardi, der im Frühjahr 2024 im Böhmerwald geboren wurde.
Wanderung ins Westerzgebirge
Bardi verließ im Winter 2025 das Territorium seiner Mutter und machte sich auf die Suche nach einem eigenen Revier. Dabei wanderte er ins Westerzgebirge. Die reine Luftlinie von seinem Geburtsort bis dorthin beträgt rund 160 Kilometer. Auf seiner Wanderung wurde er nur einmal im Sommer 2025 in der Region Klatovy südlich von Pilsen von einer Wildkamera erfasst. Daher sind weder die genaue Strecke noch die zurückgelegten Kilometer bekannt.
Bedeutung für das sächsische Luchsprojekt
Seit Anfang Februar war Bardi mehrfach in der Gegend von Eibenstock in Fotofallen getappt. Ein Vergleich mit Aufnahmen der tschechischen Nationalparkverwaltung führte zur Identifizierung. Die weite Wanderung hat große Bedeutung für das sächsische Luchsprojekt, denn Bardi trifft im Westerzgebirge auf die dort in den vergangenen Jahren ausgewilderten Luchse. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er mit dem Luchsmännchen Chapo um das Weibchen Alva konkurriert hat, da die Paarungszeit der Luchse zwischen Februar und April liegt. Sollte sich Bardi dauerhaft ansiedeln, könnte er die noch kleine und im Aufbau befindliche Population stärken.
Böhmisch-bayerisch-österreichische Luchspopulation
Nach Angaben des Landesamtes zählt die böhmisch-bayerisch-österreichische Luchspopulation zu den bedeutendsten in Mitteleuropa und spielt eine zentrale Rolle für die Vernetzung anderer europäischer Bestände. Sie wurde in den 1970er- und 1980er-Jahren im Rahmen von Wiederansiedlungsprojekten auf Basis weniger Tiere aus den Westkarpaten gegründet. Bardi gehört derselben Unterart an wie die bisher in Sachsen ausgewilderten Luchse.
Aktueller Stand in Sachsen
Seit 2024 wurden in Sachsen sieben Luchse im Eibenstocker Forst ausgewildert, darunter die beiden Wildfänge Alva und Nova aus der Schweiz. Anton, ein weiterer Luchs, wurde überfahren und ist nicht mehr am Leben. Im Spätsommer 2026 sollen zwei weitere Luchse in die freie Wildbahn entlassen werden. Die Hoffnung ist, dass Bardi sich dauerhaft im Westerzgebirge etabliert und zur genetischen Vielfalt und Stabilität der Population beiträgt.



