Historischer Rückblick: Der Mai brachte Templin Hoffnung nach Krieg und Zerstörung
Mai brachte Templin Hoffnung nach Krieg und Zerstörung

Beim Jahresempfang der Stadt Templin stand ein besonderes Datum im Mittelpunkt: „Am 8. Mai 2026 jährt sich das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa zum 81. Mal“, sagte Bärbel Makowitz. Die ehemalige Geschichtslehrerin und angesehene Kennerin der Templiner Geschichte hielt einen Vortrag, der die Zuhörenden tief bewegte.

Der Mai – ein Monat voller Kontraste

Makowitz widmete sich der Frage, was der Mai in der langen Geschichte Templins bedeutet hat. Für sie war es ein Monat der Krisen, Katastrophen, aber auch der Erneuerung. Sie erinnerte an den 30. Mai 1618: „Ein Datum, das Templin tief erschütterte.“ Bei einem verheerenden Stadtbrand wurden innerhalb von zwei Stunden 308 Häuser zerstört, darunter die Kirche, die Schule und das Rathaus. „Fünf Menschen starben. Die Stadt verlor buchstäblich ihr Gedächtnis – alle Akten und das Stadtsiegel gingen verloren. Und trotzdem: Templin überlebte. Die Stadt wurde wieder aufgebaut.“

Friederike Krüger – eine mutige Templinerin

Ein weiterer Höhepunkt des Vortrags war die Erinnerung an Friederike Krüger, die am 31. Mai 1848 in Templin starb. „Als Soldat verkleidet kämpfte sie in den Befreiungskriegen gegen Napoleon, nahm an 17 Schlachten teil, wurde schwer verwundet, zum Unteroffizier ernannt und mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Eine Templiner Lebensgeschichte, wie sie mutiger kaum sein könnte“, so Makowitz.

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Die Qualen des Jahres 1945

In bewegenden Worten ließ die Rednerin die Zeit von Januar bis Mai 1945 Revue passieren. „Wer die Chronik dieser Stadt liest, spürt, wie sich diese Monate wie ein langer, quälender Countdown anfühlen. 330 Fliegeralarme allein bis Februar. Verteidigungsgräben wurden ausgehoben – von Kriegsgefangenen und Zivilisten – unter Androhung des Entzugs der Lebensmittelkarten.“

Am 28. April begann um 4.30 Uhr morgens der Angriff auf die Stadt. „Acht Stunden wurde Templin verteidigt. Häuser brannten. Es gab Tote.“ Was nach dem Einzug der Roten Armee vom 28. auf den 29. April folgte, sei in den Quellen schonungslos festgehalten: „Plünderungen, Vergewaltigungen, Selbstmorde. Ganze Familien gingen unter dem Einfluss der Nazi-Ideologie in den Stadtsee oder den Kanal. Häuser brannten noch tagelang.“

Der 8. Mai 1945 – ein Tag der Befreiung und des Neuanfangs

Doch der 8. Mai 1945 – der Tag der deutschen Kapitulation und der Befreiung – markierte in Templin den Beginn einer Wiedergeburt, so klein und mühsam die Anfänge auch waren. Makowitz nannte Beispiele: Das Wasserwerk und das Elektrizitätswerk wurden wieder in Gang gesetzt, gesprengte Brücken notdürftig überquerbar gemacht, die Bevölkerung zu Enttrümmerungsarbeiten herangezogen. Volksküchen zur Suppenausgabe öffneten. „Und im Haus Nr. 10 am Markt fand die erste Versammlung der sich neu bildenden Behörden statt.“

Der 8. Mai sei nicht nur Kriegsende, sondern das Ende einer Katastrophe, „die Deutschland selbst über die Welt gebracht und auch Templin nicht verschont hat“. Gleichzeitig sei es der Tag, an dem Templin begann, sich wieder aufzurichten. „An dem Menschen – erschöpft, verängstigt, viele von ihnen traumatisiert – wieder Wasser und Licht einschalteten, Suppe kochten und sich zusammensetzten, um Verwaltung, Schule und das Leben neu zu organisieren.“ Dies gehöre gleichermaßen zum Erbe dieses Tages wie das Erinnern an das Leid.

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