Neuer OB Krause: Alt-OB Ude lobt den Aufbruch in München
Neuer OB Krause: Ude lobt den Aufbruch in München

Der neue Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) hat am Montagvormittag seinen Amtseid abgelegt und den Koalitionsvertrag unterschrieben. Am 1. Mai wird er offiziell ins Amt eingeführt. Die Feierlichkeiten sind bereits im Gange. Ein Stadtrat beschrieb die Stimmung im Rathaus gegenüber der AZ mit den Worten: „Es fühlt sich an, als hätte endlich jemand ein Fenster aufgemacht.“ Dieser jemand ist Krause, der im Wahlkampf für einen Aufbruch in der Stadt warb.

Vereidigung im Alten Rathaus

Die Vereidigung von Krause und dem neuen Stadtrat fand im Alten Rathaus statt. Dabei traf Krause erstmals wieder auf seinen Vorgänger Dieter Reiter (SPD), der sich nach seiner Wahlniederlage lange aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte. Reiter hatte den Wahlkampf als klarer Favorit begonnen, verlor dann aber aufgrund der FC-Bayern-Affäre an Rückhalt. Er hatte über Jahre hinweg mindestens 90.000 Euro als Mitglied des Verwaltungsbeirats des Fußballvereins verdient, ohne dass die Stadt dies genehmigte. Reiter legte die Ämter nieder und spendete das Geld, verlor die Wahl jedoch trotzdem.

Nach seiner Wahlniederlage erklärte Reiter: „Das ist der letzte Tag meiner politischen Karriere.“ Er ließ sich krankschreiben und nahm Urlaub. Ein persönliches Gespräch zur Übergabe der Geschäfte gab es nicht. Allerdings hatte Reiter zugesagt, Krause die Amtskette umzulegen.

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Reiters Rede: Ein Abschied mit gemischten Gefühlen

In seiner Rede räumte Reiter ein: „Als wir vor vielen Monaten diesen Termin festgelegt haben, hatte ich mir die Rollenverteilung anders vorgestellt.“ Er betonte, dass man sich seiner Macht nie zu sicher sein dürfe. Nach zwölf Jahren sei es nun Zeit, Verantwortung abzugeben. Diese Jahre seien von vielen Krisen geprägt gewesen, darunter Corona und der Ukraine-Krieg.

Reiter würdigte Krause mit wertschätzenden Worten: „Ich erinnere mich noch gut an die ersten Gespräche mit Dominik. Ich habe ihn als jemanden erlebt, der zuhört, nachfragt und sich nicht mit einfachen Antworten zufrieden gibt.“ Er verlasse das Amt mit einem guten Gefühl und der Gewissheit, dass die Stadt in guten Händen sei. Ratschläge wollte er nicht geben, denn „in jedem Ratschlag steckt auch ein Schlag“. Stattdessen gab er Krause einen Tipp: „Nimm dir Zeit, geh raus in die Viertel, sprich mit den Menschen. Da lernst du mehr als in jeder Sitzung.“ Nach seiner Rede erhielt Reiter minutenlang Applaus.

Krauses Rede: Visionen für München

Krause hielt eine Rede, in der er die neuen Stadträte und Rathaus-Mitarbeiter auf die anstehenden Aufgaben einstimmte. Er lobte Alt-OB Hans-Jochen Vogel (SPD), der die Olympischen Spiele nach München holte. „Ihm ist es gelungen, München zu modernisieren, ohne dass die Stadt ihre Identität verliert. Davon profitieren wir noch heute“, so Krause. Er möchte in Vogels Fußstapfen treten und ebenfalls Olympia nach München holen, um einen Modernisierungsschub auszulösen. „Nichts passt dazu so sehr wie Olympia“, sagte Krause. Er hofft, dass durch Olympia Gelder für den Infrastrukturausbau nach München fließen, da die Stadtkassen leer sind. Allerdings ist noch unklar, welche deutsche Stadt sich bewerben darf. Krause ist überzeugt: „Auf der internationalen Bühne wäre nur eine Bewerbung aussichtsreich: die Bayrisch-Münchnerische.“ Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) entscheidet im Herbst.

Krause setzt auch andere Akzente als sein Vorgänger. Er bedankte sich bei den städtischen Mitarbeitern und betonte, dass sie für ihre Arbeit brennen. Reiter hatte hingegen oft ironisch über die „geschätzte Verwaltung“ gesprochen. Auch zu Alt-OB Christian Ude möchte Krause eine bessere Verbindung pflegen, da das Verhältnis zwischen Reiter und Ude als belastet gilt.

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Christian Ude: „Krause ist der richtige Oberbürgermeister“

Alt-OB Christian Ude hatte Krause bereits vor einigen Tagen ein Rosmarin-Bäumchen ins Büro gebracht. In seiner Rede hieß Krause den „lieben Christian Ude“ herzlich willkommen. Ude zeigte sich im Anschluss als großer Fan: „Dominik Krause ist der richtige Oberbürgermeister. Er bringt eine unglaubliche Popularität mit und verfügt trotz seines jungen Alters über viel Menschenkenntnis.“ Ude lobte Krauses Entscheidung, die CSU in die Rathaus-Regierung einzubinden. Der Landtagsabgeordnete Alexander Dietrich soll Kommunalreferent werden, und der CSU-OB-Kandidat Clemens Baumgärtner soll Chef des Olympiaparks werden. „Noch vor einem Monat herrschte im Rathaus eine Stimmung der Zerrissenheit und Depression. Krause hat es geschafft, das ins Positive zu wenden“, so Ude.

Reiters Pläne für die Zukunft

Auch Reiter stand nach den Reden Journalisten Rede und Antwort. Auf die Frage nach seinem Alltag sagte er: „Ich habe drei Kinder, sechs Enkel. Ich war gestern zum ersten Mal seit Langem wieder joggen.“ Sein Terminkalender sei fast voller als zuvor – mit Treffen mit Freunden und Menschen, die er schon immer sehen wollte. „Es ist schön, Zeit zu haben“, so Reiter.

Zur FC-Bayern-Affäre und seiner Wahlniederlage äußerte er sich knapp: „Was ich alles falsch gemacht habe, konnte ich lesen.“ Er habe sich gefragt, was man anders hätte lösen können. Besonders gespannt sei er, wie es mit dem Wohnungsbau weitergehe. Die Rathaus-Politik wolle er nicht mehr kommentieren. Er habe bereits mehrere Interviewanfragen abgelehnt. Allerdings könne er sich vorstellen, einen Beraterjob in einem anderen Bereich anzunehmen – die Vorstellung, dauerhaft die Füße hochzulegen, scheint ihm nicht zu gefallen.

Neue Bürgermeisterinnen gewählt

Am Nachmittag wählte der Stadtrat die neuen Bürgermeisterinnen. Mona Fuchs (Grüne) wurde mit 48 von 58 gültigen Stimmen zur Zweiten Bürgermeisterin gewählt. Verena Dietl (SPD) bleibt Dritte Bürgermeisterin und erhielt eine Stimme mehr. CSU-Chef Manuel Pretzl kündigte an, dass seine Fraktion nicht für die beiden stimmen werde: „Die Bürgermeisterinnen stehen für einen Koalitionsvertrag, den wir nicht mittragen können.“ Hingegen äußerte sich Felix Sproll von Volt positiv: „Überall, wo wir gemeinsam für die Stadt etwas Gutes erreichen können, wollen wir an einem Strang ziehen.“