Im Sommer vergangenen Jahres legte die „Wappen von Anklam“ nach Jahren eher abseits der Öffentlichkeit endlich wieder in ihrem Heimathafen bei den Anklamer Seesportlern an. Jetzt galt es auf dem Vereinsgelände am Schanzenberg, die Rückkehr auch gebührend zu feiern und das Schiff quasi wieder in den Dienst des Seesports zu stellen.
Wiederaufbau wird zum Kraftakt
Ein Termin, um vor allem allen Unterstützern, Spendern und den beteiligten Firmen, voran die großen Gewerke von Elektrik und Tischlerarbeiten und der Freester Werft, aber auch den Motorwerken aus Anklam den Dank des Vereins auszusprechen, so Clubchef Ronny Neukirch. Denn dass das stolze Segelschiff, einst Staatsyacht der DDR, einmal wieder so prächtig aussehen würde, stand lange auf einem ungewissen Blatt.
„Nicht selten gab es schlaflose Nächte und auch die Idee, was tun wir uns hier eigentlich an“, sagt der SSC-Vorsitzende. Doch Aufgeben sei eben keine Option gewesen, nachdem sich die Mitglieder des Vereins dazu entschieden hatten, das Schiff nicht aufzugeben, sondern zu sanieren, und das Projekt 2018 seinen Lauf nahm. Seit 2009 war die Wappen zuvor schon nicht mehr im Wasser gewesen, sondern hatte ein eher trauriges Dasein an Land gefristet.
Große finanzielle Belastung
Der dann folgende Wiederaufbau sei ein echter Kraftakt gewesen. Immerhin insgesamt gut 700.000 Euro flossen in die Yacht. Vieles war schlichtweg vorweg kaum planbar, immer neue Probleme kamen hinzu, die gelöst werden mussten. Auf den Vereinsmitgliedern lag in all den Jahren auch finanziell eine große Last.
Ronny Neukirch erklärt den modernen Innenausbau des Traditionsseglers. Immer wieder mussten sie Fördermittel vorstrecken, damit der Bau in der Werft weitergehen konnte. Hinzukamen um die 120.000 Euro, die sie als Eigenanteil stemmen mussten. Weitere rund 100.000 Euro kamen als externe Spenden – finanzieller Natur, aber auch als Sachleistungen und Arbeiten hinzu. Ohne die vielen Unterstützer wäre all das nicht möglich gewesen, so Neukirch. Dabei hätte auch der Seesportclub immer wieder die Verbundenheit der Anklamer und der regionalen Firmen gespürt.
Als größter Förderer flossen europäische Fördermittel aus dem Leadertopf in das Projekt in Höhe von 350.000 Euro, aber auch aus dem Vorpommernfonds kamen 75.000 Euro und von der Stadt Anklam gab es 25.000 Euro finanzielle Hilfe.
Kritik am Fördersystem
Für Marcel Falk, den ehrenamtlichen Vorsitzenden der lokalen Leadergruppe, steht aber vor allem die Leistung des Vereins voran. Zudem gab er bei der Feier durchaus zu, dass er anfangs selbst mit dem Begriff Wappen nicht viel anfangen konnte. „Wozu brauchen die ein Wappen und warum kostet das so viel Geld?“, erinnerte sich Falk an seine ersten Gedanken zurück, ehe ihm klar wurde, dass es sich um ein Segelschiff handelt.
Danach begannen auch bei ihm die schlaflosen Nächte, so Falk. Denn auch für die Fördermittelgeber war das Projekt herausfordernd. Gleichzeitig spart der SPD-Landtagsabgeordnete auch nicht mit Kritik am Fördersystem. Dass ehrenamtliche Vereinsmitglieder beim Rückfluss von Fördermitteln einen so langen Atem beweisen und so viel eigenes Risiko eingehen mussten, um zugesagte Fördermittel immer wieder bis zur Abrechnung vorzustrecken, sei „für die Demokratie nicht gut“, so sein Urteil.
Traditionsregatta zur Kieler Woche im Blick
Anklams Bürgermeister Michael Galander bezeichnete die Rückkehr der Wappen als „Glücksmoment“ für die Stadt. Er hofft, dass das Schiff nun lange und oft als Aushängeschild für die Hansestadt unterwegs sein wird. Immerhin steht die nächste große Fahrt schon auf dem Terminkalender: Im Juni soll die Wappen von Anklam in Richtung Kieler Woche starten und dort auch an der Aalregatta von Kiel nach Eckernförde mit über 100 weiteren Traditionsseglern teilnehmen.
Als weiterer Termin in diesem Jahr steht dann die Wanderfahrt der Seesport-Jugendlichen auf dem Programm. Ohnehin werde das Hauptaugenmerk bei der Wappen nach wie vor auch auf die Ausbildung gelegt, so der Verein. Außerdem wird das Schiff 2026 zur Hanse-Sail segeln und im Herbst bei der Haffregatta in Ueckermünde dabei sein.



